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Der dienstälteste Lehrer im Thurgau geht in Pension

Seit über 45 Jahren unterrichtet René Messmer an den Berger Schulen. Er hat Generationen im Dorf geprägt. Nun geht der dienstälteste Lehrer in Pension. Seinen Abschied feiert die Schule am 1. Juli.
Mario Testa
Oberstufenlehrer René Messmer beim gestrigen Unterricht in seinem Klassenzimmer. (Bild: Mario Testa)

Oberstufenlehrer René Messmer beim gestrigen Unterricht in seinem Klassenzimmer. (Bild: Mario Testa)

Weshalb sind Sie Lehrer geworden?

René Messmer: in früher Kindheit wollte ich Lehrer, «Tanksteller» oder Bauer werden. Schon bald stand fest, das einzig Wahre für mich ist nur die Pädagogik.

Haben Sie diesen Entscheid jemals bereut?

Nein, nie! Ich erinnere mich noch sehr gut an den ersten Unterrichtstag als 18-jähriger Jahrespraktikant im kleinen Zimmer unter der katholischen Kirche mit 32 Kindern und zwei Klassen. Nachher ging es ein Jahr zurück ans Lehrerseminar und dann wieder nach Berg, wo mir die Schulgemeindeversammlung alsbald die Festanstellung verlieh.

Was schätzen Sie besonders an diesem Beruf?

Leuchtende Augen, Nasenrümpfen, Jubeln oder Stöhnen. Es gibt nichts Schöneres, als Mitmenschen in ihrer Entwicklung zu begleiten. Ich lebe ganz einfach meinen Beruf als Berufung mit Direktheit, Herz und Blut. Ich habe immer versucht, ein echter Volksbildhauer zu sein, die Jugendlichen sukzessive aufs Leben vorzubereiten, ihnen die Augen und Ohren für die Wunder der Welt zu öffnen, Nahrung der Seele zu geben sowie Geist und Hände zu bilden und zu formen.

Wie kam es, dass Sie es auf 45 Jahre Schuldienst am selben Ort geschafft haben?

Einerseits trat ich ein Jahr früher in den Kindergarten ein, andererseits bestritt ich meine Weiterbildungen nach dem Semi berufsbegleitend. Während der drei Jahre als Mittelstufenlehrer absolvierte ich in fast allen Ferien kursorisch die Ausbildung zum Reallehrer.

Haben Sie auch Erwachsene ausgebildet?

Als Oberstufenlehrer fuhr ich während fünf Jahren einmal wöchentlich nach Zürich an die Musikakademie. Dort erlangte ich den Titel des Musikdirektors. So oblag mir dann viele Jahre lang die Ausbildung der Blasmusikdirigenten. Ich war auch über lange Zeit Praxislehrer an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen und am Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnenseminar Gossau. Während je knapp zehn Jahren dirigierte ich die Stadtmusiken Steckborn und Arbon und dann, als weiterer Höhepunkt, über 20 Jahre lang die Jugendmusik Kreuzlingen.

Zurück in die Schule. Wie haben sich die Kinder in all den Jahrzehnten verändert?

Die Gesellschaft hat sich verändert und mit ihr die Jugendlichen. Allgemeinenwissen und jenes über Aktualitäten nimmt ab. Man kann heute ja «alles» digital abrufen. Mit meinen Schülerinnen und Schülern kam ich immer sehr gut zurecht. Das hat sich in den 45 Jahren kaum geändert. Wenn, dann höchstens die Elternhäuser. Äusserst mühsam geworden ist all der schriftliche Kram.

Wollten Sie nie weg aus Berg?

Wenn Lehrer, dann immer und nur in Berg! Die Zusammensetzung der Bevölkerung, die Lage der Gemeinde, die Infrastruktur, all die Schulpräsidenten und Behörden, Schulleitungen sowie Kolleginnen und Kollegen sind einzigartig. Hier herrscht seit Jahrzehnten politischer, schulischer und kirchlicher Friede. In Berg durfte und darf ich ein glückliches und gesundes Leben führen. Ich fehlte während 45 Jahren nie krankheitshalber.

Zog es Sie aus anderen Gründen schon weg aus dem Ort?

Zweimal wollte ich beruflich weg. Ich hab mich als Leiter der Volks- und Laienmusik beim Schweizer Radio SRF sowie beim Kanton Thurgau als Leiter des Kulturamtes beworben. Beide Male scheiterte ich knapp. Im Nebenamt erhielt ich später bei SRF während rund 15 Jahren interessante Jobs in den Sommerferien. Ich durfte Kurt Brogli als Sendeleiter und Redaktor vertreten.

Freuen Sie sich auf die Zeit nach der Pensionierung?

Meine Kündigung habe ich mit Tränen in den Augen verfasst. Aber mir wird bestimmt nicht langweilig. Ich habe nur einen Wunsch, dass ich dank der Berger Luft weiterhin gesund bleiben darf. Sicher werde ich als musikalischer Freelancer weitermachen, geniesse meinen Badegarten, darf als Hobby-Winzer unser Rebbergli pflegen, werde vermehrt mit meiner lieben Franziska verreisen und als vielfacher Vater die hoffentlich bald mehr als drei Grosskinder geniessen.

Feier für René Messmer

Schulpräsident Benno Rast sagt über René Messmer: «Er ist eine Dorfgrösse in Berg, schon das halbe Dorf ist zu ihm in die Schule gegangen.» Besonders geachtet habe Messmer immer auf Lehrstellen oder Anschlusslösungen für all seine Schüler. «Er ist ein beliebter, verdienter und sehr engagierter Lehrer.»

Die Arbeitskollegen und die Behörde der Volksschulgemeinde Berg-Birwinken organisieren am 1. Juli eine grosse Abschiedsfeier für René Messmer. Eingeladen sind alle ehemaligen Schülerinnen und Schüler, sowie alle Interessierten. Die Feier beginnt mit einem Apéro um 17 Uhr in der Halle Neuwies.

Die Dauer von über 45 Jahren, in denen René Messmer an den Berger Schulen unterrichtet hat, ist eine Rarität. «Ich kann mich nur an einen Fall im Kanton Zürich erinnern», sagt Martin Kressibucher, Leiter der Schulaufsicht im Amt für Volksschule Thurgau. «Das ist extrem selten, René Messmer kann sehr stolz darauf sein.» (mte)

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