Der die natürliche Stille malt: Richard Tisserand zeigt im Kreuzlinger Rosenegg neue Hinterglasbilder

Der Eschenzer Künstler Richard Tisserand malt quasi verkehrt herum, malt nicht auf Leinwand oder Papier, sondern auf die Rückseite einer Glasscheibe. Am Freitag findet die Vernissag der Ausstellung «Durchblick» statt.

Dieter Langhart
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Künstler Richard Tisserand vor einem seiner Werke.

Künstler Richard Tisserand vor einem seiner Werke.

(Bild: Dieter Langhart)

Je weiter man vom Bild zurück tritt, desto klarer erkennbar wird das Motiv: ein Teich im Winter, ein Sommer irgendwo, ein Garten voller Hortensien, Steilküste und Gischt in der Normandie. Je näher man ans Bild tritt, desto mehr Farbtupfer erkennt man – das Bild wird zu einem Muster aus unzähligen Farbtupfern.

Der Eschenzer Künstler Richard Tisserand malt quasi verkehrt herum, malt nicht auf Leinwand oder Papier, sondern auf die Rückseite einer Glasscheibe. Er sagt:

«Ich muss den Farben trauen»

Denn er arbeitet sich von der vordersten zur hintersten Schicht vor; die Farben werden intensiver, überlagern sich, die hintere Farbe bringt die vordere zum Leuchten, und das Bild wird zu einer mehr oder minder erkennbaren Landschaft oder Gartenszene. Tisserand geht es beim Malen um nichts anderes als Farben. Und selbst in seinen Zeichnungen, wenn er Farbflächen in Linien übersetzt, bleibt Tisserands Leitmotiv erhalten:

«Ich übersetze die Vibrationen der Natur in meine Bilder, ich will eine Lebendigkeit in meine Bilder hineinbringen.»

Was Tisserands Bilder vibrieren lässt, ist auch all den pixelartigen Punkten geschuldet: Er hat die Technik dem Pointillismus entliehen, nur ist die Ordnung seiner Punkte nicht geometrisch, sondern frei. Sie lässt andere Gefühle zu, gerade weil das reale Motiv des Bildes in den Hintergrund tritt. Der Künstler sagt es so: «Die Mischung der Pixel entsteht beim Betrachter.» Punkte und Farben. Tisserand laufe mit einem «Raster im Kopf» herum, sehe Pflanzen hinter Farben, erinnere sich etwa an das Grün der Esche, denn er sei als Bub oft mit dem Förster – seinem Vater – im Wald gewesen.

Seine Sujets wie Garten oder Blumen sind impressionistisch, doch Richard Tisserand widersetzt sich einer Zuordnung:

«Ich will beweisen, dass die Landschaftsmalerei auch heute noch möglich ist.»

Zeit seines Lebens begleitet ihn auch die Fotografie. In der Ausstellung zeigt er, neben einzelnen Zeichnungen, auch Polaroidaufnahmen, etwa filigrane Pflanzen am Wasser und ihre Spiegelungen. Die Polas dienten ihm anfangs als Gedächtnisstütze, dann wurden sie eine eigene, eine unmittelbare Ausdrucksform.

Tisserands Ausstellung «Durchblick» im Museum Rosenegg musste wegen Corona geschoben werden, am Freitag öffnet sie. Und zur Finissage erklingt Musik zu einem Lieblingsbild des Kreuzlinger Komponisten Ulrich Gasser.

Die Vernissage findet am Freitag 11. September, 19 Uhr, im Museum Rosenegg statt; Dolores Claros-Salinas gibt eine Einführung. Die Ausstellung hat geöffnet immer mittwochs von 17 bis 19 Uhr, sowie freitags und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Sie dauert bis zum 13. Dezember. Am 20. September, 16 Uhr findet zudem eine Führung und ein Künstlergespräch mit Richard Tisserand statt. Am 7. Oktober, 18 Uhr, folgt eine Bildbetrachtung mit Yvonne Istas. Die Finissage am 13. Dezember, 16 Uhr, wird begleitet von einer Uraufführung einer Komposition von Ulrich Gasser zu «Blaue Blöcke» von Richard Tisserand. Die Pianisten sind Tomas Dratva und Christian Zaug.

Die Pixelartigkeit lässt Tisserands Bilder vibrieren.

Die Pixelartigkeit lässt Tisserands Bilder vibrieren.

(Bild: Dieter Langhart)