In Bürglen lebt und arbeitet der weltbeste Dach-Abdichter

Kerim Hut ist der Beste seines Fachs. Am vergangenen Wochenende hat er mit seinem Teampartner die Berufsweltmeisterschaft der Gebäudehüllen-Spezialisten im Abdichten gewonnen. Seit den Sommerferien hat der 21-Jährige dafür trainiert.

Mario Testa
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Abdicht-Weltmeister Kerim Hut arbeitet in Weinfelden mit dem Bunsenbrenner an der Isolation eines Flachdachs. (Bild: Mario Testa)

Abdicht-Weltmeister Kerim Hut arbeitet in Weinfelden mit dem Bunsenbrenner an der Isolation eines Flachdachs. (Bild: Mario Testa)

Kaum zurück, steht er schon wieder auf der Baustelle. «Ich bin gerne draussen, bewege mich gern, mag meinen Job», sagt Kerim Hut. «Wieso sollte ich da frei nehmen?» Am Sonntag erst ist der 21-Jährige Bürgler mit der Schweizer Delegation von den Berufsweltmeisterschaften der Gebäudehüllen-Spezialisten aus dem Lettischen Riga zurückgekehrt – im Gepäck eine Goldmedaille. Die hat sich der Polybauer mit Teampartner Patrick Angst in der Disziplin Abdichten geholt.

Für die Weltmeisterschaften hat er sich dank seines zweiten Rangs bei den Schweizer Meisterschaften 2016 qualifiziert, Patrick Angst hatte damals gewonnen. «Die Teams bildet dann der Verband», sagt Hut.

«Wir haben im August mit den gemeinsamen Trainings begonnen. Drei Tage pro Woche, den ganzen Herbst hindurch.»

Trainiert haben die beiden jungen Handwerker in Uzwil im Bildungszentrum Polybau. «Die Aufgabenstellung für die beiden Modelle, die wir an der WM erstellen mussten, kannten wir da bereits», sagt Hut.

Andere Länder, andere Arbeitsweisen

Andreas Kuster, Meisterdachdecker.

Andreas Kuster, Meisterdachdecker.

Ohne Training hätten die Teams keine Chancen an der Meisterschaft. «Die Aufgaben gibt jeweils der Verband des Austragungslandes vor. Und je nach Land gibt es andere Arbeitsweisen und Materialien», sagt Andreas Kuster, Arbeitgeber von Kerim Hut. «Wenn man die nicht im Vorfeld kennenlernt, geht’s nicht gut an der Meisterschaft.» Kerim Hut hat all seine freien Samstage im Herbst fürs Training geopfert, Kuster seinerseits hat seinem Mitarbeiter für die Trainings zwei Tage pro Woche Zeit gegeben.

«So eine WM-Teilnahme ist das höchste für den Handwerker und seinen Berufsstolz. Das unterstütze ich natürlich gerne.»

Am vergangenen Montag reiste Hut mit der Schweizer Delegation nach Riga. Nach einer Tour durch die Sehenswürdigkeiten der Stadt und der Eröffnungsfeier am Dienstag ging es am Mittwoch los mit dem Wettbewerb. «Beim ersten Modell mussten wir ein komplettes Flachdach aufbauen mit Dampfbremse, Isolation und Abdichtung.»

Die leichte Nervosität ganz zu Beginn sei schnell verflogen und vor lauter Konzentration und Zeitdruck habe er gar nicht mehr wahrgenommen, was um ihn herum geschieht.

«Wir waren zum Schluss auch das einzige der neun Teams, das mit dem Modell überhaupt komplett fertig geworden ist.»

sagt Hut. Am zweiten Wettkampftag stand ein Modell zur Aufgabe,bei dem die Teilnehmer ihren Können mit Flüssigkunststoffen und Bitumen unter Beweis stellen mussten. Auch diese Aufgabe meisterten die beiden jungen Schweizer gut und so gab es zum Schluss den Titel als weltbeste Abdichter von der Fachjury.

Firma zieht um nach Weinfelden

Andreas Kuster beschäftigt in Bürglen 35 Mitarbeiter in seiner Firma für Dach-, Fassaden- und Spenglerarbeiten. Kommendes Jahr zügelt er seinen Betrieb nach Weinfelden. Er hat das ehemalige Amag-Areal gekauft und baut dort den neuen Firmensitz auf.