Interview
Der Bussnanger Gemeindepräsident findet das Glück in der Aprikose

Ruedi Zbinden wäre gerne für einen Tag Lokführer. Der selbsternannte Fleischtiger hat zwei alte Traktoren und könnte sich vorstellen, den Thurgau für die Romandie zu verlassen.

Viviane Vogel
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Gemeindepräsident Ruedi Zbinden steht auf dem Ganggelisteg. (Bild: Reto Martin)

Gemeindepräsident Ruedi Zbinden steht auf dem Ganggelisteg. (Bild: Reto Martin)

Wenn Sie den Thurgau ­verlassen müssten, wohin würden Sie ziehen?

Ins Waadtland auf den «Balcon du Jura». Dort könnten wir es uns gut vorstellen. Die Region gefällt meiner Frau und mir sehr gut. Ausserdem wohnt schon einer unserer Söhne mit seiner Familie in der Romandie, in Vallorbe.

Was lieben Sie am Sommer?

Die ruhigen Morgenstunden und den Sonnenaufgang. Dazu das Geläut der Turmglocke um 6 Uhr auf dem alten Schulhaus in Mettlen.

Was machen Sie, um gesund zu bleiben?

Ich koordiniere meine Tätigkeiten gut, weil das Ärger und Stress erspart. Zudem kocht meine Frau gesund und sehr gut.

Können Sie kochen? Was wäre Ihr aufwendigstes Gericht, das Sie zubereiten können?

Ja ein wenig, überleben würde ich. Ich mache zum Beispiel ein feines Fleischstück mit Gemüse und Teigwaren. Jedoch geniesse ich lieber die Kochkünste meiner Frau.

Ihr Restauranttipp lautet:

Im Schlaraffenland Thurgau gibt es sehr viele ausgezeichnete Gastbetriebe und Gastgeber. Das Restaurant Rössli in Stehrenberg beispielsweise, oder auch das Restaurant Traube in Wertbühl.

Welches ist Ihre liebste ­Glace-Sorte?

Aprikosensorbet.

Bratwurst mit oder ohne Senf? Warum?

Ohne. Am liebsten habe ich die Bratwürste der Metzgerei Blatter.

Was haben Sie als Kind am liebsten gegessen?

Maluns mit Apfelmus. Meine Mutter kommt aus Bergün, daher kenne ich diese Bündner Spezialität. Maluns besteht aus gekochten Kartoffeln, die geraffelt und mit Mehl zusammen in Butter geröstet werden. Dazu passt ein schönes Stück Alpkäse oder – wie ich es bevorzuge – Apfelmus.

Was haben Sie zuletzt in Deutschland eingekauft?

Ein Glace bei einer Velotour auf die Insel Reichenau.

Und was in einem Thurgauer Laden?

Kleider in einem Fachgeschäft in Weinfelden und alles, was man zum Leben braucht.

Der Bahn-Fan sitzt auf einem grossen Baumstamm im Wald nahe des Ganggelistegs. (Bild: Reto Martin)

Der Bahn-Fan sitzt auf einem grossen Baumstamm im Wald nahe des Ganggelistegs. (Bild: Reto Martin)

Die beste App auf Ihrem Handy?

SBB Mobile. Ich pendle zwar nicht mit dem Zug, aber wenn wir verreisen, gehen wir meistens mit der Bahn. Meine Frau und ich sind fasziniert vom Angebot und der Pünktlichkeit der Schweizerischen Bundesbahnen.

Haben Sie ein Lieblingstier, und was bewundern Sie daran?

Den Tiger. Er ist sehr schön gezeichnet. Ausserdem ist er ein grosses Tier und so schnell und kraftvoll.

Worauf freuen Sie sich an einem freien Wochenende?

Auf weniger Telefonate und E-Mails.

Lügen Sie manchmal? Bei welchen Gelegenheiten?

Das ist sicher schon vorgekommen, wenn ich jemanden nicht beleidigen wollte.

Wonach schmeckt Glück?

Bei mir lösen Aprikosen in jeglicher Form Glücksgefühle aus.

Was liegt auf Ihrem Nachttisch?

«Der Lauf der Dinge», ein Buch von Peter Stamm. Seit ich den Autor vor wenigen Wochen getroffen habe, interessieren mich seine Bücher noch mehr. Er war in seiner Jugendzeit oft in Bussnang und beim Ganggelisteg.

Mit welchem Menschen würden Sie gerne einen Tag lang ­tauschen?

Mit einem Lokführer.

Ihr erster Traumberuf war?

Schreiner. Das habe ich dann auch während 30 Jahren verwirklicht.

Was schätzen Sie an Ihrer Partnerin besonders?

Alles. Aber ganz besonders ihre Flexibilität und ihre positive Lebenseinstellung.

Mit wem würden Sie gerne einmal eine Flasche Wein trinken?

Mit Bernhard Russi. Seine positive Einstellung gefällt mir. Ausserdem hat er seine Chancen immer wieder geschickt zu nutzen gewusst.

In welchem Job wären Sie eine Fehlbesetzung?

Als Dolmetscher. Sprachen sind nämlich nicht so meine Stärke. Ich fühle mich mit Zahlen wohler.

Wann haben Sie zuletzt ein Open-Air-Konzert besucht?

Vor etwa zehn Jahren war ich an der Alpenparty der Klostertaler.

Zur Person

Neben seinem Beruf als Schreiner war Zbinden fünf Jahre lang in der Ortskommission Mettlen. Er war Gründungsmitglied der Volksschulgemeinde Nollen. Seit 2005 ist er Gemeindepräsident von Bussnang und seit 2008 auch Kantonsrat. Zudem präsidiert er seit fünf Jahren die SVP Thurgau.

Wie lautet der Filmtitel Ihres Lebens?

«Mit Zug». Mein Leben ist immer mit Zug vorwärtsgegangen, und ich war schon immer von der Bahn fasziniert. Meine Frau und ich kennen beinahe alle Bahnlinien in der Schweiz. Unser Sohn ist ausserdem Lokführer bei den SBB. Es passt auch zur Gemeinde Bussnang – die «Gemeinde mit Zug». Hier werden Züge für die ganze Welt produziert, da Stadler Rails ihren Standort hier hat.

Wer soll Ihre Rolle spielen?

Reto Scherrer, weil er ein Thurgauer ist und es sicher sehr gut machen würde.

Ihre Kinder machen Sie glücklich, wenn …

... sie mit beiden Beinen im Leben stehen und weiterhin positiv in die Zukunft blicken.

Sie sind kein Vegetarier, weil …

...ich zur Sorte der «Fleischtiger» oder «Grillitarier» gehöre.

Was würde Ihre Mutter über Sie sagen?

Wenn sie noch könnte, würde sie vielleicht sagen: «Gut gemacht.»

Ruhig einschlafen können Sie, wenn …

... wenig Pendenzen anstehen. Mein Ziel ist immer, «was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen».

Was ist Ihr heimliches Hobby?

Alte Traktoren. Ich habe einen Hürlimann und einen Bührer, beides solide Schweizer Produkte aus dem Jahre 1950. Mich beeindruckt, was damals in der Region produziert worden ist. Für Ausfahrten fehlt mir aber leider die Zeit.

Wenn Geld kein Problem wäre: Welches Auto würden Sie sich kaufen?

Alfa Romeo Giulia in Rot – wie ein Alfa sein muss.

Welche Eigenschaft haben Sie von Ihrem Vater?

Er war ein guter Verkäufer.

Welche Eigenschaft haben Sie von Ihrer Mutter?

Bescheidenheit und Zufriedenheit.