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Kolumne

Segellehrer aus Arbon: «Der Bodensee hat einen Wellengang wie das Meer»

Mini Büez – Bootsfahrlehrer Rolf Latscha, 62-Jährig aus Arbon.
Notiert: Larissa Flammer
Rolf Latscha. (Bild: PD)

Rolf Latscha. (Bild: PD)

Ein Seebueb bin ich nicht, sondern ursprünglich ein Stadtzürcher. Die Leidenschaft für das Wasser hat sich bei mir entwickelt, als mein Vater – zwar Kaufmann aber handwerklich begabt – eine halbvergammelte Yacht wieder aufgerüstet hat. Mein Grossvater hatte sie in Südfrankreich gefunden.

Mit einer Bekannten habe ich dann einen Segelkurs und auch die Segelprüfung am Bodensee gemacht. Ich war damals in der Finanzwelt tätig und habe eine Veränderung gesucht, wollte weg vom Schreibtisch. Am Bodensee hat es mir gut gefallen und irgendwie hat es sich fliessend ergeben, dass ich in jener Segelschule als Lehrer anfangen konnte. Der Inhaber war Charly Böhler, die graue Eminenz der Segellehrer am Schweizer Bodenseeufer. Bei ihm habe ich eine sensationelle Ausbildung genossen. Kurz nachdem ich in Altnau angefangen hatte, sprach mich der Inhaber der Papeterie im Dorf darauf an, ob ich der neue Zürcher sei, der bei Böhler arbeitet. Da wusste ich: Jetzt bin ich am Bodensee angekommen. Seit 1992 bin ich hier hauptberuflich Segelinstruktor und Motorbootlehrer.

1998 habe ich gemeinsam mit meiner Frau entschieden, selbstständig zu werden. Wir haben nach einem Ort gesucht, an dem wir eine Segelschule aufmachen konnten, und wurden in Arbon fündig. Am 1. April 1999 haben wir eröffnet, doch an Pfingsten kam das grosse Hochwasser. Die ganze Saison fiel ins Wasser. Da waren wir schon froh, hatten wir finanzielle Rücklagen, sonst wären wir wohl schon zu Beginn ruiniert gewesen.

Peu à peu haben wir uns seither entwickelt. Wir hatten auch mal grössere Boote, mussten aber redimensionieren, weil uns die Arbeit über den Kopf gewachsen ist. Auch auf dem Meer haben wir mal Kurse angeboten, heute aber nicht mehr. Mittlerweile vermisse ich das Salzwasser nicht mehr. Es ist so schön hier am Bodensee und vom Wellengang her ähnlich wie das Meer.

Heute haben wir vier Standbeine: die Motorbootschule, die Segelschule, die Bootsvermietung, zu der auch Pedalos gehören, und Events für Firmen und Gruppen. Auf diese Saison hin haben wir uns neu aufgestellt. Unser solides Klein-KMU heisst nun «nautic corner», weil wir in der Ecke neben dem Arboner Hafengebäude stationiert sind und ein nautisches Angebot haben. Mit der Reorganisation haben wir auch unser kleines Betriebshäuschen am See blau gestrichen und viele positive Rückmeldungen darauf erhalten. «Nautic corner» besteht aus zwei GmbH. Damit ist schon alles für die Nachfolge geregelt, wie auch immer die dann aussehen wird.

Im Sommer ist der Andrang bei uns jeweils gross. An einem schönen Wochenende ist es üblich, dass alle Boote draussen und alle Mitarbeiter beschäftigt sind. Sechs Monate lang arbeiten wir sieben Tage die Woche. Während dieser Zeit müssen wir unseren Jahresumsatz machen. Im Winter geht jeder seiner Wege. Mittlerweile geniesse ich es, dann einfach Ferien zu machen und nichts zu tun.

Ich bin Geschäftsführer der einen GmbH von «nautic corner», bei der anderen ist es ein Mitarbeiter. Zu unserem Team gehören auch zwei gelernte Bootsbauer. Wir alle, die Kurse geben, haben den eidgenössischen Ausweis gemacht und die beiden Segellehrer geben auch Kurse beim Bundesamt für Sport und sind J+S Experten.

Segel- und Motorbootkurse machen querbeet ganz verschiedene Leute: von 18- bis 80-Jährige, Büezer und Intellektuelle. Deshalb ist dieser Job so interessant, man trifft viele verschiedene Menschen. Unser Einzugsgebiet erstreckt sich etwa von Chur bis in den Aargau. Gerade aus Norddeutschland haben wir auch einige Touristen hier. Der Bodensee ist eben international.

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