«Der Ball rollt nicht»: Spielabsage beim FC Tägerwilen wegen zwei Tagen Dauerregen

Am Sonntag sollte der neue Rasen auf dem Sportplatz Tägermoos mit dem Spiel des FC Tägerwilen gegen den FC Bischofszell eingeweiht werden. Doch das Wetter macht den Spielern einen Strich durch die Rechnung: zu viel Wasser ist auf dem Platz, der Ball rollt nicht gut genug, entscheidet der Schiedsrichter.

Emil Keller
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Extra angereist und dann ist doch nichts: Spieler des FC Bischofszells können nur den leeren Platz begutachten.

Extra angereist und dann ist doch nichts: Spieler des FC Bischofszells können nur den leeren Platz begutachten.

Bild: Reto Martin (Tägerwilen, 30. August, 2020)

«Der Ball rollt nicht», war das Urteil des Schiedsrichters eine Stunde vor Anpfiff auf der Sportanlage Tägermoos. Zwei Tage Dauerregen hatten selbst den frisch sanierten Tägerwiler Fussballplatz in die Knie gezwungen. Dabei hatte der Verein die Bevölkerung und Fussballfans eingeladen, um beim Eröffnungsanlass den neuen Winternaturrasen selbst in Augenschein nehmen zu können.

So standen bei strömendem Regen Fussballspieler, Sportbegeisterte und Kinder dicht an dicht gedrängt und diskutierten über Platzbedingungen und Wettervorhersagen. «Wir sind aus ‹gwunder› auf den Platz und aus Solidarität für den Verein gekommen», erklären zwei Zuschauer, die sich den Sonntagmorgen bei Bratwurst und Freigetränk nicht verderben lassen. Das Verständnis überwog, den Platz und die Spieler nicht unnötigen Gefahren auszusetzen.

Der Dauerregen ist schuld: Das Fussballspiel musste abgesagt werden.

Der Dauerregen ist schuld: Das Fussballspiel musste abgesagt werden.

Bild: Reto Martin

Neuer Rasen ist elf Monate bespielbar

Die Spieler selbst hätten gerne gespielt: «Wir wollten eine Revanche gegen Bischofszell, weil wir vor zwei Wochen im Cup gegen sie verloren haben», sagt Mittelfeldspieler Nino Arganese. Für ihn und die Mannschaft sei klar, in welche Richtung diese Saison gespielt wird:

«Wir wollen aufsteigen!»
Kristijan Djordjevic, Trainer FC Tägerwilen

Kristijan Djordjevic, Trainer FC Tägerwilen

Bild: Emil Keller

Kristijan Djordjevic, Trainer der ersten Mannschaft, hält den Ball hingegen noch flach: «Wir haben viele neue Gesichter in der Mannschaft und sind erst noch in der Findungsphase», erklärt der ehemalige Bundesligaspieler, welcher im Juni den Chefposten übernommen hat.

Beste Voraussetzungen für den Trainingsbetrieb hat die Gemeinde Tägerwilen mit der Sanierung der Sportanlage auf jeden Fall geschaffen. Im Dezember konnten dank gutem Wetter die Bauarbeiten pünktlich abgeschlossen werden. Das Budget von 1,7 Millionen Franken wurde ebenfalls eingehalten.

Im Februar begannen die ersten Trainings. Die Zwangspause durch Corona gab dem Rasen und Untergrund genug Zeit, sich ordentlich zu festigen. Doch der Härtetest steht noch bevor, sagt Peter Forster, Vizepräsident beim FC Tägerwilen:

Peter Forster Vize-Präisent FC Tägerwilen

Peter Forster Vize-Präisent FC Tägerwilen

Bild: Emil Keller
«Im Herbst und Winter wird sich zeigen, ob wirklich während elf Monaten auf dem Platz gespielt werden kann.»

Für den Tägerwiler Werkhof kamen mit dem einzigen Winternaturrasen in der Ostschweiz neue Herausforderungen hinzu. Denn der Platz muss vier Mal im Jahr «aerifiziert» werden. Dabei wird die dünne Filzschicht unter dem Rollrasen durchlöchert und der Boden damit wasserdurchlässig macht.

Thomas Gerwig, Tägerwiler Gemeinderat.

Thomas Gerwig, Tägerwiler Gemeinderat.

Bild: PD

«Derzeit führt eine externe Firma diese Massnahme durch, da wir noch wenig Erfahrung mit dieser Technik haben», erklärte der verantwortliche Tägerwiler Gemeinderat Thomas Gerwig. Es laufen derzeit Überlegungen, selbst ein Gerät fürs Aerifizieren anzuschaffen.

«Wir wussten, dass es mindestens noch ein Jahr dauert, bis der Platz fixfertig ist» sagt Forster. Er ist deshalb nicht allzu sehr enttäuscht über die Spielabsage. Der Verein habe dank der Sanierung zwar nicht mehr Trainingsfläche gewonnen, der vorhandene Rasen könne jedoch viel stärker belastet werden. Doch an diesem Wochenende ist es der Regen, der dem Spiel den Garaus macht.