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Der Amriswiler Stadtpräsident Martin Salvisberg tritt nach zehn Jahren zurück: «Ich habe immer gut geschlafen»

Er freut sich auf die viele Freizeit, die er als frischgebackener Rentner geniessen wird. Auf seiner Agenda steht Reisen mit dem Wohnwagen.
Rita Kohn
Martin Salvisberg räumt den Stuhl im Sitzungssaal. (Bild: Reto Martin)

Martin Salvisberg räumt den Stuhl im Sitzungssaal. (Bild: Reto Martin)

Ab dem 1. Juni sind Sie wieder Privatperson. Was bedeutet das für Sie?

Martin Salvisberg: Mehr Freiraum und weniger Fremdbestimmung. Als Stadtpräsident ist man stark fremdbestimmt, führt ein stark organisiertes Leben mit vielen Terminen. Ich freue mich auf die neue Freiheit. Ich weiss noch gar nicht, womit ich sie füllen werde. Sicher aber auch mit Reisen mit dem Wohnwagen.

Das heisst, Sie werden künftig viel auf Achse sein?

Ich durfte schon in meinem bisherigen Leben viel reisen und meine Frau und ich haben viele Ideen, die wir umsetzen möchten. Jetzt steht im Sommer eine siebenwöchige Reise nach Kanada auf dem Programm, wo wir mit einem Camper in der Gegend unterwegs sein werden, in der ich einst einige Zeit verbrachte. Und in den nächsten Tagen werden wir Amriswil mit dem Wohnwagen verlassen. Wohin es uns verschlägt, wird nicht zuletzt vom Wetter abhängen.

Wenn Sie jetzt Ihr Büro in der Verwaltung räumen, und an die Zeit zurückdenken, bevor Sie es beziehen konnten – was hat Sie damals bewogen, zu kandidieren?

Ich hatte einen schönen Beruf als Leiter der Landi Aachtal. Dann wurde ich 55 und habe gemerkt, dass das gut eingespielte Leitungsteam mit Urs Huber auseinanderfallen könnte, da er von anderen Genossenschaften umworben wurde. Als Hanspeter Strickler und Emil Lindenmann auf mich zukamen und mich animierten, mich zur Verfügung zu stellen, habe ich intensiv darüber nachgedacht. Obwohl ich sonst eher schnelle Entscheide fälle, habe ich drei Wochen gebraucht. In dieser Zeit habe ich mich auch mit meiner Partnerin besprochen. Ich habe mir die Frage gestellt, was passieren könnte, wenn ich nicht gewählt würde. Denn für mich war klar: Wenn ich kandidiere, heisst das, dass ich die Landi auf jeden Fall verlasse, ob ich nun gewählt werde oder nicht. Ich hatte schliesslich zwei Alternativen in der Privatwirtschaft, was mir den Entscheid zur Kandidatur leichter gemacht hat.

Stand Ihre Familie hinter Ihrem Entscheid, in die Politik zu gehen?

Meine Mutter sagte: Martin, was willst du denn in der Politik? Sie selber war im Kanton Bern politisch tätig. Aber sie meinte, ich hätte doch einen so schönen Beruf. Die Politik muss man vertragen können. Sie bietet viele Reibungsflächen.

Als wie hoch schätzten Sie Ihre Chancen ein?

Etwa 50:50. Ich bin kein Hardliner der SVP, sondern eher wirtschaftlich liberal. Da rechnete ich damit, dass ein paar Stimmen der FDP an mich fallen könnten. Ich bin davon ausgegangen, dass mein Ratskollege André Schlatter kandidieren würde, musste dann feststellen, dass die FDP mit Heidi Grau selber noch eine Kandidatin ins Rennen schickt.

Dennoch waren Sie schon beim ersten Wahlgang in klarer Führung ...

Das hat mich selber überrascht. Natürlich habe ich Wahlkampf betrieben und war an vielen Veranstaltungen präsent. Aber wir drei Kandidaten waren alles Bürgerliche und hatten ähnliche Argumente. Da war es schwierig, sich abzugrenzen und dennoch authentisch zu bleiben.

Gab es nach dem ersten Wahlgang einen Moment, in dem Sie Ihre Kandidatur nochmals überdachten?

Nein, als ich mich entschieden hatte, zu kandidieren, wollte ich das auch durchziehen. Ich habe nicht erwartet, dass ich mich so klar an der Spitze würde positionieren können.

Wie fühlten Sie sich, als Sie die Wahl schafften?

Besser als in dem Moment, in dem ich in den Gemeinderat gewählt worden war. Da hatte ich mich aufstellen lassen, ohne wirklich damit zu rechnen, auch gewählt zu werden. Deshalb war ich am Wahltag gar nicht in Amriswil, sondern auf der Skipiste. Mein Sohn rief mich an, um mir zu sagen, dass ich gewählt worden sei. Für einen Moment war ich sprachlos und überlegte, ob ich das wirklich will.

Hat Sie das Amt verändert?

Möglicherweise. Ich habe in den letzten Jahren den Aspekt «machbar oder nicht machbar» höher gewichtet als früher. Zwischen 20 und 30 hatte ich das Gefühl, die Welt verändern zu können. In der Landi habe ich dann einige Veränderungen durchgezogen. Aber die Hürden der Machbarkeit sind in einer Verwaltung höher als in der Privatwirtschaft. Oder man nimmt sie mit zunehmendem Alter anders wahr. Ich konnte aber auch als Stadtpräsident immer gut schlafen.

Und auf persönlicher Ebene?

Als Mensch blieb ich wohl derselbe wie vorher, hatte die gleichen negativen Eigenschaften, die ich auch vorher schon hatte. Ich konnte meine Persönlichkeit bewahren. Ich habe viel gelernt, beispielsweise, auf die Gefühle von Minderheiten Rücksicht zu nehmen. Die Situation selber hat sich aber schon geändert, die Leichtigkeit, in Gesellschaft Unsinn zu machen, ist verloren gegangen. Als Stadtpräsident muss man darauf achten, was man tut. Man ist eine öffentliche Person.

Was wird Ihnen fehlen?

Die Leute hier im Stadthaus. Ich durfte mit einem Superteam zusammen arbeiten. Alle Mitarbeiter haben ihren eigenen Charakter, aber alle waren stets zuvorkommend. Ich erwarte von Mitarbeitern, dass man einander hilft und das haben sie getan. Natürlich werde ich mich weiterhin in der Gesellschaft bewegen, aber diesen engen Kontakt zu den Leuten auf der Verwaltung werde ich so nicht mehr haben.

Werden Sie als Privatperson weiter am politischen Leben von Amriswil teilnehmen?

Man wird mich bestimmt an den Versammlungen antreffen. Aber ich habe nicht vor, mich öffentlich zu äussern. Zu den laufenden Geschäften will ich nichts sagen ... Man muss den Expräsidenten auch mal ruhen lassen.

Wie hat sich die Stadt im Laufe Ihrer Amtszeit verändert?

Nein, ich glaube nicht. Die Amriswiler sind aufgeschlossene Leute und haben einen guten Umgangston. Ich finde diese Kultur sehr ansprechend. Das war schon so, als ich das Amt angetreten habe und das ist noch immer so.

Wenn jemand in den Ruhestand tritt, kommen Wünsche auf ihn zu, das eine oder andere Amt zu übernehmen ...

Es sind verschiedene Organisationen an mich herangetreten. Einige Anfragen habe ich abgelehnt, weil es nicht mein Thema ist. Bei anderem habe ich die Türe nicht ganz geschlossen. Aber ich will mir Zeit lassen, meinen neuen Lebensabschnitt zu geniessen, bevor ich mich für etwas verpflichte. Zusagen zum Präsident sein ist etwas einfaches, aber wenn man Ja sagt, muss man es mit dem nötigen Respekt und Engagement auch richtig machen.

Feierabendbier mit Martin Salvisberg

Die Bevölkerung ist eingeladen, am Freitag, 31. Mai, zwischen 17 Uhr und circa 19.30 Uhr mit Martin Salvisberg auf seine Pensionierung beziehungsweise seinen «Feierabend» anzustossen. Nebst Bier stehen Saft und alkoholfreie Getränke im Angebot. Zur Stillung des Hungers gibt es Wurst und Brot. Der Anlass findet je nach Wetter im oder vor dem Pentorama statt. (red)

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