Der Amriswiler Rapper kehrt zurück

Demian Länzlinger hat sich für zwei Jahre von der Musikbühne verabschiedet. Nun hat er alias Crispy Dee ein neues Album namens Beatox veröffentlicht.

Nicole D'Orazio
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Familienvater und Rapper: Demian Länzlinger

Familienvater und Rapper: Demian Länzlinger

Reto Martin

Vor zwei Jahren haben Sie sich von der Bühne verabschiedet, um mehr Zeit für Familie und Beruf zu haben. Im Herbst haben Sie unter ihrem Künstlernamen Crispy Dee ein neues Album veröffentlicht. War Ihnen langweilig?

Demian Länzlinger: Nein, das nicht. Ich habe es genossen, als Konsument Musik zu hören. Ein Bekannter, der Musik produziert und mit dem ich sporadisch Kontakt hatte, schickte mir aus dem Nichts heraus 13 Instrumentals, also Musikstücke ohne Gesang. Ich liess mich dann spontan darauf ein und schrieb innerhalb von 24 Stunden 13 Songs.

Wow, da scheint es aus Ihnen regelrecht herausgesprudelt zu sein.

Ja, das habe ich auch noch nie erlebt. Vor allem, weil ich schon eine Weile keine Texte mehr geschrieben hatte. Verrückt war dann auch, dass wir ebenfalls innerhalb eines Tages das ganze Album aufgenommen und produziert haben. Es passte zwischen uns auch menschlich, sonst hätte das nicht so reibungslos geklappt – so einen Workflow habe ich zuvor noch mit niemandem erlebt.

Sind Sie mit dem Album zufrieden?

Ja, sehr. Mir ist aber bewusst, dass ich damit nur eine Nische anspreche.

Weswegen?

Es ist Ostschweizer Rap, der reinhaut. Das hören sich nur Rap-Fans an. Das letzte Album hatte eine grössere Zielgruppe angesprochen, die Stücke waren massentauglicher und tiefgründiger. Ich spiele aber nicht mehr mit der Band, sondern habe Musik geschrieben, die für einen Solokünstler funktioniert. Auch live – so spiele ich am liebsten.

Dann geben Sie wieder Konzerte?

Ja – ich liebe es, auf der Bühne zu stehen und zu sehen, wie das Publikum mitgeht und auf die Songs reagiert. Live zu spielen ist sozusagen das Endprodukt: Alles kommt zusammen. Für mich ist es das Beste. Ich freue mich immer über das Feedback der Zuhörer.

Sie sind nun aber ohne Band unterwegs?

Ja, nur noch mit DJ – in reduzierter und ursprünglicher Form sozusagen. Das ist auch einfacher zu organisieren.

Das Album heisst «Beatox». Ist das eine Anspielung auf Detox, also Entgiftung?

Ich werde oft darauf angesprochen. Auch weil der US-amerikanische Rapper Dr. Dre ein Album namens «Detox» angekündigt, aber nie veröffentlicht hat. Dieses ist zu einem Mythos geworden. Der Name Beatox setzt sich indes aus Beat und tox für toxisch zusammen. Zudem auch für Beatox statt Botox – und zwar in dem Sinne, dass ich mit dem Album Lücken schliessen möchte.

Die Songs kommen teilweise ziemlich aggressiv daher.

Ja, sie gehen nach vorne. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Im Gegensatz zu früher, wo ich sehr auf den Inhalt geachtet habe, wollte ich hier mein Können als Rapper zeigen. Ich bin zu meiner ursprünglichen Idee zurückgekehrt: Instrumental und Rap zusammenzufügen.

Ist es auch aufgestaute Energie, die raus musste?

Ja, wahrscheinlich. Auch der Hunger, live zu spielen und Party auf der Bühne zu machen. Die Phase, die Leute berühren zu wollen, ist gerade vorbei. Jetzt spiele ich eine Rolle. Deshalb auch das Konzept mit der Maske im Video sowie auf der Bühne.

Wie sind die Reaktionen auf das Album «Beatox» ausgefallen?

Viele meinten, sie schon hätten gewusst, dass ich es nicht lassen kann. Andere haben die Art und Weise nicht erwartet.

Was sagt Ihre Frau zum Album?

Sie begleitet mich schon während meiner ganzen Musikkarriere und unterstützt mich. Sie hat auch gemerkt, dass es mich wieder auf die Bühne zieht.

Zur Person:

Crispy Dee

Crispy Dee

Demian Länzlinger ist 28 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in Amriswil. Er ist hauptsächlich im Oberthurgau aufgewachsen. Als Rapper Crispy Dee macht er seit 14 Jahren Musik. Beruflich ist er als Produkt Manager in der Medizintechnik tätig.

Sind Sie derzeit oft unterwegs?

Ja, wir spielen einige Gigs, immer mit anderen Bands zusammen. So spricht man neue Zuhörer an. Mir ist jedoch bewusst, dass ich es mit diesem Album kaum auf eine Festivalbühne schaffen werde.

Passen Sie nicht ans Open-Air Frauenfeld ?

Ich finde schon. Es ist genau die passende Musik für die Hip-Hop- und Rap-Zielgruppe. Es wäre ein Traum, in Frauenfeld aufzutreten. Sollten die Verantwortlichen anrufen, würde ich zu jeder Zeit spielen.

Vor zwei Jahren sind Sie am Open-Air St. Gallen aufgetreten. Wie war das?

Der absolute Höhepunkt. Und es passte, danach die Pause einzulegen.

Werden Sie blöd angemacht, weil Sie in Thurgauer Dialekt rappen?

Ja, immer wieder. Aber ich finde es lustig. So spricht man wenigstens darüber. Wenn ich live spiele, fällt der Dialekt jedoch nicht mehr auf, weil die Songs schnell sind und die Musik und die Show im Vordergrund stehen.

Was bedeutet eigentlich Ihr Künstlername Crispy Dee?

Er soll etwas anecken mit Crispy, das einfach von der Zunge geht. Und Dee steht ursprünglich als Abkürzung für Demian. Der Name funktioniert.

Wie geht es karrieretechnisch für Sie weiter?

Ich möchte viele Konzerte spielen. Eventuell ist eine Tour möglich.

 Der Amriswiler Demian Länzlinger ist unter dem Rappernamen Crispy Dee bekannt.

Der Amriswiler Demian Länzlinger ist unter dem Rappernamen Crispy Dee bekannt.

Reto Martin

Wo wohnen Sie und weshalb?

In Amriswil. Es gibt dort alles, ist nicht weit weg vom See und man hat seine Ruhe.

Haben Sie einen Lieblingsort im Thurgau?

In Romanshorn am See. Dort schreibe ich viele Lieder.

Was ist Ihre zweite Heimat?

Mein Auto, denn ich bin beruflich sehr oft im Aussendienst unterwegs.

Was machen Sie, um jung zu bleiben?

Ich verbringe viel Zeit mit meinen Kindern.

Haben Sie ein Morgen-Ritual?

Kaffee trinken – sonst geht gar nichts.

Können Sie kochen?

Ja, ich koche sehr gerne. Auch meine Frau kocht gut. Wir ergänzen uns. Doch zusammen geht es nicht. (lacht)

Was ist Ihre Spezialität?

Das ist unterschiedlich und vom Inhalt des Kühlschranks abhängig. Ich bin sehr kreativ. Ein typisches Lieblingsgericht habe ich nicht.

Haben Sie einen Restauranttipp?

Das «Torre» in Baden. Dort gibt es das beste Steak der Schweiz.

Was liegt immer in Ihrem Kühlschrank.

Babybel, für die Kinder.

Was haben Sie als Kind am liebsten gegessen?

Peperoni. Ich habe diese wie Äpfel verdrückt. (lacht) Und Fischstäbli.

Worüber haben Sie sich zuletzt geärgert?

Über Stau. Mein Arbeitsweg führt durch den Gubrist.

Was haben Sie immer dabei?

Meine zwei Handys. Eines ist geschäftlich, eines privat.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?

«The Secret» von Rhonda Byrne. Es ist ein Lebensratgeber, den ich jedem empfehle. Nachdem ich es gelesen hatte, wurde meine Frau schwanger und ich erhielt ein Booking fürs Open-Air St. Gallen. Es funktioniert.

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