Den Swing Kids von Dai Kimoto aus Romanshorn wird eine unerwartete und gleichzeitig grosse Ehre zuteil

Die Jugendband erhält nächste Woche beim World Demographic & Ageing Forum an der Universität St.Gallen in Anwesenheit von Bundesrat Ignazio Cassis einen Anerkennungspreis.

Markus Schoch
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Dai Kimoto und die Swing Kids treten im Schnitt einmal pro Woche auf. (Bild: Reto Martin)

Dai Kimoto und die Swing Kids treten im Schnitt einmal pro Woche auf. (Bild: Reto Martin)

Die Swing Kids von Dai Kimoto standen schon auf vielen grossen Bühnen im In- und Ausland. Ihre Tourneen führten sie nach Argentinien, Japan und die USA. Der Auftritt am kommenden Dienstag wird aber auch für den Romanshorner Bandleader und seine jugendlichen Musiker eine ganze neue Erfahrung sein. Im Publikum wird Prominenz aus der ganzen Welt sitzen. Und es wird den Besuchern beziehungsweise den Veranstaltern weniger um die mitreissende Musik der 13-köpfigen Big Band gehen, sondern darum, wie diese Menschen verbindet.

Die Swing Kids sind einer der beiden Preisträger beim World Demographic & Ageing Forum an der Universität St.Gallen, das nächste Woche zum elften Mal stattfindet und der Frage nachgeht, wie die Menschen friedvoll zusammenleben können.

Demografie als globale Herausforderung

Das World Demographic & Ageing (WDA) Forum wurde 2002 gegründet. Es versteht sich als Plattform und Think Tank für eine globale Koordination von Aktivitäten und Initiativen, welche sich aus den demografischen Herausforderungen ergeben. Nächste Woche möchten die Veranstalter das Bewusstsein für die Respektierung des Völkerrechts beziehungsweise der Genfer Konvention schärfen, was zu einer friedlicheren Welt führen soll. (mso)

Grosse Verdienste in dieser Beziehung erworben hat nach Meinung der Organisatoren Carla del Ponte, die ehemalige Bundesanwältin und Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofes für die Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien sowie für den Völkermord in Ruanda in Den Haag. Sie erhält den Hauptpreis und wird von Bundesrat Ignazio Cassis geehrt.

«Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung»

Die Swing Kids spielen nächste Woche zwar nur die zweite Geige. Dai Kimoto ist aber deswegen nicht weniger stolz. «Wir freuen uns sehr über die Auszeichnung, die völlig unverhofft gekommen ist.» Bis jetzt erhielten die Band beziehungsweise Kimoto ausschliesslich Anerkennung für die Musik, die sie spielen: 2005 gab es dafür den Kulturpreis des Rotary Clubs Oberthurgau, 2007 zogen die Swing Kids in die Big Band Hall of Fame in den USA ein, 2008 gewannen sie den Swiss Jazz Award und 2009 den Thurgauer Kulturpreis.  

Er wisse nicht genau, wie die Veranstalter des World Demographic & Ageing Forum gerade auf ihn beziehungsweise die Band gekommen seien, sagt Kimoto. «Wir haben uns nicht beworben.»

Bis zu 60 Konzerte pro Jahr

Klar ist: An Bekanntheit fehlt es den Swing Kids nicht, die in wechselnder Besetzung seit rund 15 Jahren unterwegs sind und pro Jahr zwischen 40 und 50 Konzerte allein in der Schweiz geben - dazu kommen nochmals 10 bis 15 im Ausland.

Vor zwei Jahren engagierte sie sogar die japanische Kleiderfirma Uniqlo für eine Werbekampagne, womit die Band weltweite Präsenz erhielt. Die Musik der Swing Kids ist nicht nur völkerverbindend, sie bringe bei den Konzerten auch Menschen unterschiedlichen Alters zusammen, sagt Kimoto.

Dreharbeiten zum Uniqlo-Werbespot in Romanshorn. (Bild: PD)

Dreharbeiten zum Uniqlo-Werbespot in Romanshorn. (Bild: PD)

Die Musiker könnten seine Enkel sein

Er selber lebt mit seinen 70 Jahren den Zusammenhalt der Generationen vor: Seine Schützlinge sind im Alter zwischen 9 und 18 Jahren. «Es könnten meine Enkel sein», sagt Kimoto. «Es funktioniert sehr gut und ist gar nicht schwierig.»

Er arbeite gerne mit Kindern und Jugendlichen. Sie seien wie eine grosse Familie. Was sie zusammen alles erreicht hätten, werde den meisten erst später bewusst. Das sei in Bezug auf den Anerkennungspreis des World Demographic & Ageing Forums nicht anders. «Die Bandmitglieder messen ihm heute keine riesige Bedeutung zu.» Obwohl er sie habe.

Der Generationenverbinder

Die Begrüssungsworte reichen, um zu merken: Andreas C. Meier ist kein Hiesiger. Er ist Basler. Und er hat bereits Fans seines Dialekts in der Gallusstadt – so die Kioskfrau, die ihn jeweils auffordert, noch einen Satz anzuhängen, weil sie den Basler so gerne reden hört.

Überalterung als Chance sehen

Immer älter werdende Menschen sind eine Herausforderung für Gesellschaft und Politik. Das World Demographic & Ageing Forum lädt Interessierte aus aller Welt zum generationenübergreifenden «Altersdialog» nach St. Gallen ein.
Markus Rohner