Dauerstreit
«Zu behaupten, das könne man jetzt zack, zack umsetzen, ist Augenwischerei»: Das sind die Reaktionen auf die geplante Initiative des Kreuzlinger Komitees freie Festwiese

Mitglieder des Kreuzlinger Gemeinderats äussern sich kritisch zur geplanten Volksinitiative zur Gestaltung einer Stadtwiese und zum Bau einer Tiefgarage auf dem Bärenplatz.

Rahel Haag
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Die zweite Volksinitiative des Komitees freie Festwiese stösst bei Gemeinderäten auf Unverständnis.

Die zweite Volksinitiative des Komitees freie Festwiese stösst bei Gemeinderäten auf Unverständnis.

Bild: Reto Martin

Die Überraschung ist ihnen gelungen. Am Dienstagvormittag haben die Mitglieder des Komitees freie Festwiese bekanntgegeben, dass sie eine zweite Volksinitiative lancieren wollen. Das erklärte Ziel ist, die Gestaltung einer Stadtwiese und den Bau einer Tiefgarage voranzutreiben. Zur Begründung sagte Guido Leutenegger als Mitglied des Komitees:

«Der Stadtrat befindet sich im komatösen Tiefschlaf.»
Guido Leutenegger, Mitglied des Komitees freie Festwiese.

Guido Leutenegger, Mitglied des Komitees freie Festwiese.

Bild: Reto Martin

«Ein happiger Vorwurf», sagt die Kreuzlinger SVP-Gemeinderätin Judith Ricklin. Umso mehr, da der Stadtrat an der Gemeinderatssitzung von kommender Woche die ersten Ergebnisse betreffend eines Alternativprojekts präsentieren will, fügt sie hinzu. Ricklin hatte sich im Vorfeld der Abstimmung vom 7. März im Komitee «Nein zur Initiative Festwiese» starkgemacht. Mit ihren Fraktionskolleginnen und -kollegen habe sie sich noch nicht über das Vorgehen des Komitees freie Festwiese ausgetauscht. Ihre persönliche Meinung:

«Ich finde es schade, dass nicht abgewartet worden ist.»
Judith Ricklin, SVP-Gemeinderätin.

Judith Ricklin, SVP-Gemeinderätin.

Bild: Andrea Stalder

Als Stimmbürgerin wolle sie zuerst wissen, was denn die Alternative zum Stadthaus auf der Festwiese sei. «Das Stadthaus hat in meinen Augen Priorität.» Sei die Frage nach dem Standort geklärt, könne die Planung der Gestaltung der Festwiese und der Bau der Tiefgarage forciert werden. «Ich bin auch dafür, dass man vorwärts macht», sagt Ricklin, «aber aktuell würde ich empfehlen, noch etwas geduldig zu sein.»

Das Projekt in der Schublade

Ins gleiche Horn stösst FDP-Gemeinderat Christian Brändli. Weiter stellt er die Frage, ob man das Projekt «Dialogos» aus dem Jahr 2007 – auf dessen Grundlage die Initianten aufbauen möchten – tatsächlich einfach aus der Schublade holen kann. Er könnte sich vorstellen, dass man einen neuen Wettbewerb machen müsste. Klar ist für Brändli jedenfalls:

«Zu behaupten, das könne man jetzt zack, zack umsetzen, ist Augenwischerei.»
Christian Brändli, FDP-Gemeinderat.

Christian Brändli, FDP-Gemeinderat.

Bild: PD

Dass man etwas machen müsse, sei schon klar. Der Stadtrat sei ja aber auch daran, ein Alternativprojekt auszuarbeiten. Entsprechend ist in Brändlis Augen auch der Vorwurf des «komatösen Tiefschlafs» momentan deplatziert. Zudem frage er sich, ob das Vorgehen des Komitees zielführend sei. «Ob es das Volk goutiert, wird sich zeigen.»

Ricklin auf der anderen Seite könnte sich vorstellen, dass auch diese Volksinitiative zustande kommt. «Wer ist schon gegen eine grüne Wiese?», fragt sie rhetorisch. Mit dieser zweiten Volksinitiative habe das Komitee wieder nur die «schöne Arbeit» gemacht. Etwas voranzutreiben, das breite Unterstützung geniesse, sei leicht. Die Knochenarbeit bestehe darin, ein Alternativprojekt auszuarbeiten, sagt Ricklin. «Ich erwarte, dass sich das Komitee auch dort einbringt.»

Mit dem Rollator zum Festen

Derweil wird das Thema auch in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Chrüzlinge wenn ...» diskutiert. Eine Userin schreibt:

«Es ist absolut erheiternd, wie man sich jahrzehntelang bekämpft in Kreuzlingen und nur eines damit erreicht: Stillstand.»

Sie sei schon auf die «vielen, vielen Feste» gespannt, die dann auf der Festwiese stattfinden. Sie sei sich aber nicht sicher, ob sie das noch erlebe. Das dürfte wohl noch zirka 30 Jährchen dauern, ergänzt sie. «Aber wenn ich noch lebe, komme ich mit dem Rollator zum Festen.» Ein anderer User meint lapidar, dass er zum Glück keine Steuern in Kreuzlingen zahle.