Dauerstreit
Schikaniererei und Manipulation: Kleinkrieg am Arboner Hafenkran

Seit vielen Jahren machen sich zwei Werften gegenseitig das Leben am Hafen schwer. Jetzt greift die Stadt durch. Schiffe ein- und auswassern darf künftig nur noch der Hafenmeister. Damit wollen die Verantwortlichen auch einem Betrüger das Handwerk legen.

Markus Schoch
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Wie jedes Jahr im Frühling werden zur Zeit die Boote im Arboner Hafen mit dem Kran eingewassert.

Wie jedes Jahr im Frühling werden zur Zeit die Boote im Arboner Hafen mit dem Kran eingewassert.

Bild: Manuel Nagel

«So kann es nicht weitergehen», sagt Stadtrat Jörg Zimmermann. Seit vielen Jahren führen zwei Werften einen Kleinkrieg am Hafen in Arbon, den Cyrill Stadler von der FDP am Dienstag im Parlament zum Thema machte. Schauplatz der Auseinandersetzung ist der Kran. «Die beiden machen sich bei dessen Benützung gegenseitig das Leben schwer», sagt Zimmermann. Sie stellen beispielsweise am Morgen in aller Herrgottsfrühe zwei Boote hin, die sie einwassern wollen, sodass andere unter Umständen stundenlang warten müssen, bis sie an der Reihe sind. Oder sie blockieren den Kran gleich den ganzen Tag.

Möglich ist das, weil in Arbon alles anders ist als sonst überall in der Schweiz. In Horn, Kreuzlingen oder irgendwo am Zürichsee sei der Hafenmeister oder Besitzer der Anlage allein Herr des Krans, weiss Zimmermann, der als Chef einer Firma im Bereich Innenausstattung und Bootssattlerei in vielen Häfen zu Hause ist. Wer den Kran benützen wolle, müsse mit einem der beiden einen Termin vereinbaren und erhalte ein Zeitfenster. In Arbon hätten auch diverse Werften und beispielsweise die SLRG direkten Zugang zum Kran. «Wir haben insgesamt neun Batches ausgegeben, mit denen man ihn jederzeit und ohne Anmeldung freischalten kann», sagt Zimmermann.

Künftig dreht nur noch der Hafenmeister den Schlüssel

Die beiden zerstrittenen Werften treten sich nicht nur gegenseitig auf die Füsse, sondern ziehen auch die übrigen Benutzer des Krans in Mitleidenschaft. Die meisten seien der Situation mittlerweile überdrüssig, sagt Zimmermann.

Stadtrat Jörg Zimmermann.

Stadtrat Jörg Zimmermann.

Bild: Donato Caspari
«Ich kenne einige, die nach Steinach oder Romanshorn fahren, um Schiffe ein- oder auszuwassern.»

Der XMV-Stadtrat will dem Trauerspiel nicht länger zusehen. Er hat am Dienstag im Parlament ein neues Regime angekündigt: Künftig soll auch in Arbon nur noch der Hafenmeister den Schlüssel beim Kran drehen können.

Der Zeitpunkt für den Systemwechsel sei günstig, sagt Zimmermann. Der langjährige Hafenmeister Hans Schuhwerk gehe im März 2022 in Pension. Es wird in der Übergangszeit ab Sommer dieses Jahres eine Doppelbesetzung mit seinem Nachfolger geben. Das Pflichtenheft soll entsprechend angepasst werden. «Die Details und der genaue Zeitplan sind aber noch nicht festgelegt,» sagt Zimmermann. Er wolle die Einzelheiten mit den Gewerbetreibenden diskutieren.

Bewährtes Modell

Cyrill Stadler kann sich schlecht vorstellen, wie der Hafenmeister die zusätzliche Arbeit allein bewältigen kann. Zimmermann teilt diese Bedenken nicht. Wenn dieses Modell überall im Land funktioniere, werde es auch in Arbon funktionieren. Daran habe er keinen Zweifel. Zumal die Schiffe jeweils in der Nebensaison ein- und ausgewassert würden, wenn der Hafenmeister weniger mit anderem beschäftigt sei. Wie gross der Arbeitsaufwand sein werde, wisse er noch nicht. Er müsse erst noch abklären, wie viele Boote tatsächlich jeweils an den Kran gehängt würden.

In den beiden Hafenbecken hat es Platz für rund 600 Boote.

In den beiden Hafenbecken hat es Platz für rund 600 Boote.

Bild; Manuel Nagel

In den beiden Arboner Hafenbecken liegen insgesamt rund 600 Schiffe, davon allein 150 Sportfischerboote, die nur die Slipanlage brauchen. Teurer dürfe die neue Lösung auf keinen Fall für die Stadt werden, sagt Zimmermann.

«Wir wollen nicht negative Zahlen schreiben.»

Sein Ehrgeiz als Unternehmer sei, die Effizienz zu steigern und die Prozesse zu verschlanken.

Einem Betrüger das Handwerk legen

Als Nebeneffekt der Umstellung erhofft sich Zimmermann, einem Betrüger das Handwerk zu legen.

«Wir haben festgestellt, dass der Kran zuweilen bewegt wird, ohne dass erkennbar ist, wer dafür verantwortlich ist.»

Offenbar habe jemand eine Möglichkeit gefunden, das System und damit die Zahlungspflicht zu umgehen. Seit er im kleinen Kreis darüber rede, sei das Problem zwar kleiner geworden. Er wolle es aber ganz aus der Welt schaffen.