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Das zwiespältige Ende eines Kreuzlinger Verkehrsversuches

Die Tafeln sind weg vom Boulevard. Dies mündet bei einigen in Euphorie, bei andern in Frust.
Urs Brüschweiler
Werkhofmitarbeiter entfernen am Mittwochmorgen die Signalisation. (Bild: Urs Brüschweiler)

Werkhofmitarbeiter entfernen am Mittwochmorgen die Signalisation. (Bild: Urs Brüschweiler)

Die Mitarbeiter des Werkhofes bekamen am Mittwoch in der Früh Verschiedenes zu hören, als sie die Verkehrstafeln rund um den Boulevard wegräumten. «Das könnt ihr doch nicht machen!», rief ihnen eine Busfahrerin lachend zu. In dem Teilstück der Schützenstrasse zwischen Karussell und Boulevard wird der Stadtbus künftig wieder Autos begegnen. Ein Autofahrer meinte schelmisch, sie sollen die Tafeln nicht zu weit wegbringen.

Sie müssten sie vielleicht bald wieder aufstellen. Doch der Verkehrsversuch ist seit Mittwoch – nach insgesamt fast 500 Tagen – definitiv beendet. Das hatte der Stadtrat so entschieden, weil keine mehrheitsfähige Lösung habe gefunden werden können. Nun arbeite man andere, vorwiegend gestalterische, Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung und Verkehrsberuhigung aus, hiess es aus dem Stadthaus.

Quartierverein setzt auf eine Willkommenskultur

Von Seiten des Quartiervereins Bodan begrüsse man dieses Vorgehen, schreibt dessen Vorstand.

«Es wäre schön, wenn wir es gemeinsam zu Stande bringen, dass im Boulevard nur noch diejenigen Fahrzeuge verkehren, welche hier tatsächlich etwas zu suchen haben!»

Das müsse auch ohne Verbotsschilder möglich sein, heisst es weiter in der Mitteilung.

Gar von einem Neuanfang und einer zu etablierenden Willkommenskultur auf dem Boulevard, spricht man beim Quartierverein. Er möchte bei dem nun startenden Prozess als Partner dabei sein und macht gleich einige Vorschläge: Willkommens- und Informationsstelen, Bodenmarkierungen, vermehrte Nutzung durch den Wochenmarkt, Verkehrslenkungsmassnahmen im Umfeld und eine Aufwertung der Zufahrtsstrassen zum Boulevard sind nur einige der Ideen aus dem Bodanquartier.

Werkhofmitarbeiter entfernen am Mittwochmorgen die Signalisation. (Bild: Urs Brüschweiler)

Werkhofmitarbeiter entfernen am Mittwochmorgen die Signalisation. (Bild: Urs Brüschweiler)

Initiativkomitee steht nun mit leeren Händen da

Die komplett entgegengesetzte Gemütslage zeigt sich bei Jost Rüegg. Er vertritt das Initiativkomitee für einen autofreien Boulevard. Um 30 bis 40 Prozent sei der Verkehr in der Versuchsphase zurückgegangen. Das sei eigentlich ein Erfolg, auf dem man mit Anpassungen und Verbesserungen hätte aufbauen können. Aber die Stadt habe den Versuch nie positiv begleitet.

«Im Nachhinein hätten wir uns nicht auf den Kompromiss einlassen und die Volksinitiative damals nicht zurückziehen sollen.»

In der Tat steht das Initiativkomitee, das 2013 rund 900 Unterschriften für ein autofreies Zentrum gesammelt hatte, nun mit leeren Händen da. Jost Rüegg befürchtet, dass sich die vielen aktuellen Vorschläge und Versprechen für eine sanfte Verbesserung der Situation als «warme Luft» entpuppen werden. «Wir werden nun erst einmal abwarten, was weiter passiert und lassen uns aber auch gerne positiv überraschen.»

Chronologie Boulevard

Wann? Was?
27./28. Mai 2011 Einweihung Boulevard
1. Juni 2011 Begegnungszone mit verkehrsberuhigtem Verkehrsregime tritt in Kraft
31. Mai 2013 Initiative für einen «autofreien Boulevard» kommt zustande
24. Juni 2013 1. Gespräch Initianten und Stadtrat
7. Oktober 2013 2. Gespräch Initianten und Stadtrat
31. März 2014 Öffentliche Informationsveranstaltung: «Zukunft Boulevard»
13. Mai 2014 1. Runder Tisch mit Gewerbe, Initianten, QV, Stadt
3. Juli 2014 Kreuzlinger Parlament sistiert Volksinitiative für einen «autofreien Boulevard» zugunsten Ausarbeitung eines Verkehrskonzepts am «Runden Tisch»
Ende November 2014 Öffentliche Auflage Verkehrskonzept
Januar 2015 Öffentliche Auflage Signalisationsänderung Boulevard, Einsprachen und Beschwerden Signalisationsänderung Boulevard bis vor Bundesgericht
Juni 2017 Bundesgericht weist Beschwerde gegen Signalisationänderung ab
12. Februar 2018 Start neue Verkehrsführung am Boulevard für einjährigen Versuch
März 2018 Gewerbeverein Kreuzlingen fordert Stadtrat anlässlich öffentlicher Infoveranstaltung auf, den Versuch umgehend abzubrechen
18. April 2018 Petition zur Abschaffung des neuen Verkehrsregimes wird eingereicht (175 Unterschriften)
10. Mai 2018 Befragung von Gewerbebetrieben und Haushaltungen (GSP AG, Zürich)
25. Juni 2018 Stadtrat hebt befristete Versuchsphase vorzeitig auf, es gilt wieder das Verkehrsregime der Begegnungszone
24. September 2018 DBU verfügt mit Zwischenentscheid, dass die aufschiebende Wirkung des Rekurses erteilt wird und die temporäre Signalisation der befristeten Verkehrsanordnung umgehend wieder herzustellen ist
15. Oktober2018 Stadtrat lässt das temporäre Verkehrsregime im Boulevard wieder herstellen
13. Februar2019 Einjährige Testphase ist offiziell beendet. Der Stadtrat führt sie bis zum definitiven Entscheid des DBU weiter und verzichtet auf die Entfernung der Signalisation
25. April 2019 DBU stützt den Entscheid des Kreuzlinger Stadtrates im Zusammenhang mit dem vorzeitigen Abbruch der befristeten Versuchsphase des neuen Verkehrsregimes. Die Rekurse wies das DBU ab oder trat nicht darauf ein
25. Mai 2019 Signalisation muss bis auf weiteres bestehen bleiben, weil eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau gegen den Entscheid des DBU eingereicht wurde
September 2019 Anfangs September 2019 entschied das Verwaltungsgericht in einem Zwischenentscheid, dass der Versuch bzw. die Signalisation sofort abgebrochen werden kann
16. Oktober 2019 Abbau Signalisation Versuchsphase

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