«Götz hat mich um drei Uhr morgens angerufen und reklamiert»: Das Weinfelder Publikum ergötzt sich am Spassmacher und dem Schreiberling

Wer gerne den Kulturteil in der Zeitung liest, kam beim «Ergötzliches» mit Gast Dieter Langhart auf seine Kosten. Der langjährige Kulturredaktor geizte nicht mit ehrlichen Worten zum Wandel der Zeitungslandschaft.

Christof Lampart
Drucken
Teilen
Thomas Götz rüstet sich gegen das Coronavirus – mit dem passenden Gegenmittel.

Thomas Götz rüstet sich gegen das Coronavirus – mit dem passenden Gegenmittel.

(Bild: Andrea Stalder)

Nach der Wahl ist vor der Wahl – in diesem Sinne war auch das jüngste «Ergötzliches» ein «Ding» zwischen den Ausgaben zu den zurückliegenden Nationalrats- und den bevorstehenden Grossratswahlen. Es war also genug Platz vorhanden, um neben der Politik einmal dem Kulturschaffen ein wenig mehr Platz einzuräumen. Kabarettist Thomas Götz hat dazu mit Dieter Langhart einen versierten, langjährigen Beobachter der Thurgauer Kulturszene als Gesprächspartner eingeladen.

Götz ist zu Beginn aber gar nicht da. Per Skype wird er «live» auf den Stadtbus wartend zugeschaltet – nur um unter dem Gelächter des Publikums zu bekennen, dass er es gar nicht mitbekommen habe, dass es den Weinfelder Stadtbus nun doch nicht gebe. Aber er zeigt Verständnis für Volkes Votum, denn:

«du bruuchsch kein Stadtbus, zum im Dorf ume fahre»

Ein Crypto-Lied mit dem Titel «Fremder in der Schweiz» darf ebenso wenig fehlen, wie ein witziger Film über ein Einbürgerungsverfahren, bei dem der Kandidat an der Selbstherrlichkeit der Behörde scheitert.

Grobe Störung während des Schlafs des Gerechten

Dieter Langhart, ehemaliger Kulturredaktor der Thurgauer Zeitung.

Dieter Langhart, ehemaliger Kulturredaktor der Thurgauer Zeitung.

(Bild: Christof Lampart)

Musikalisch umrahmt wird der Abend durch die Jazz-Combo Die Schöne Geste, derweil Dieter Langhart kein Blatt vor den Mund nimmt, und erklärt, dass er seinen Ruhestand nun geniesse: «Ich kann nun wieder wählen, was ich machen möchte; und das Schönste dabei ist – ich muss nicht mehr über dich schreiben», feixt Langhart in Richtung Götz.

«Du hast mich mal um 3 Uhr morgens angerufen und reklamiert.»

Götz erinnerte sich: «Da ist niemand zu ‹Ergötzlich› gekommen, und ohne Presse sind wir aufgeschmissen. Allerdings hatte ich da schon ein bisschen viel Rotwein gehabt.»

Wer kauft die Thurgauer Zeitung zurück?

Dass sich viele bei der Kulturberichterstattung in der TZ wieder einen stärkeren Thurgau-Bezug wünschen, könne er verstehen, doch sei bei weitem nicht alles so schlecht: «Die St. Galler sind langsam dabei, ein wenig hinter den Klostermauern hervorzukommen», erklärt «de Dieter» augenzwinkernd. Gleichwohl gebe es einiges, was er gerne änderte. «Es wäre toll, wenn wir jemanden im Thurgau hätten, der uns die Thurgauer Zeitung zurückkauft», sagt Langhart.

Thomas Götz referiert als sein alter Ego, der parteilose Kantonsrat Arnold Schnyder, über die Grossratswahlen.

Thomas Götz referiert als sein alter Ego, der parteilose Kantonsrat Arnold Schnyder, über die Grossratswahlen.

(Bild: Andrea Stalder)

Derweil verschliesst er vor der Realität die Augen nicht, die gänzlich anders aussieht – und vom Kultur-Kollegen erzählt, der aktuell täglich vom Toggenburg aus nach Aarau pendeln muss, um seinen Job behalten zu können.

Mehr zum Thema