Kommentar
Das Volk will frischen Wind

Wer den Parteifrieden zu sehr in den Vordergrund rückt, läuft Gefahr, den demokratischen Prozess zu unterlaufen, meint Amriswil-Redaktorin Rita Kohn.

Rita Kohn
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Rita KohnRessortleiterinAmriswil & Bischofszell

Rita Kohn
Ressortleiterin
Amriswil & Bischofszell

Die Karten sind neu gemischt. Zum ersten Mal seit Ende der 1960er Jahre wird aller Voraussicht nach weder ein älterer Einheimischer noch ein gestandenes Mitglied der SVP Gemeindepräsident von Amriswil sein. Die Ausgangslage für den jungen FDP-Kandidaten Gabriel Macedo ist komfortabel.

Das hat weitreichende Folgen. Denn es fordert die wählerstärkste Partei Amriswils, die SVP, zu neuen taktischen Überlegungen heraus. Sie will einem möglichen Sitzverlust im Stadtrat mit einem Viererticket entgegen treten. Dies fordert alle anderen Parteien, insbesondere die Grünen und die CVP, die keine Bisherigen ins Rennen schicken können.

Schuld an der Situation sei die FDP, grollt man innerhalb der SVP und beklagt das mögliche Ende des Parteifriedens in Amriswil. Ein Parteifrieden, der das politische Leben der Stadt für die Wählerinnen und Wähler praktisch wie auf Schienen vorgespurt hat. Möglicherweise ist gerade das der Grund für den durchschlagenden Erfolg des auswärtigen Kandidaten, der als Symbol für neue Impulse steht.

Wer den Parteifrieden zu sehr in den Vordergrund rückt, läuft Gefahr, den demokratischen Prozess zu unterlaufen. Nicht die Interpartei soll entscheiden, sondern das Volk. Am Urnengang vom 10. Februar werden die Stimmberechtigten zeigen, welchen Kurs sie für Amriswil die nächsten Jahre wünschen. Für frischen Wind haben sie bereits am 25. November mit ihrer Absage an den parteipolitischen Status Quo gesorgt.