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Das traurige Ende der Triboltinger Trauerweiden

Ende Januar musste eine stattliche Baumgruppe an der Bahnlinie verschwinden. Die Trauerweiden waren nicht krank, sie waren zu gross und standen am falschen Ort.
Urs Brüschweiler
In einer Reihe und diret an der Grundstückgrenze standen die Trauerweiden. (Bild: Reto Martin)

In einer Reihe und diret an der Grundstückgrenze standen die Trauerweiden. (Bild: Reto Martin)

«Dieser Anblick tut weh», sagt Claudia Dieckmann. 15 Baumstrünke zeugen von einer «mutwilligen Zerstörung intakter Natur», wie sie es nennt. Stattliche Trauerweiden waren dort über viele Jahre gewachsen und grösser geworden. Bis sie nun am 24. Januar gefällt worden sind.

«Sie waren das erste was man sah, wenn man mit dem Zug nach Triboltingen fuhr.
Ein Wahrzeichen für das Dorf.»

Einen Meter von der Grenzlinie

Ihr Ende war schon bei der Pflanzung durch den Landbesitzer besiegelt. Die Bäume standen nämlich viel zu Nahe an der Grenze. Der Eigentümer des Nachbargrundstückes, der Tägerwiler Architekt Robert Fischer, hatte dies lange Zeit toleriert. Mit zunehmender Grösse der Weiden kam seine Geduld jedoch zu einem Ende. Mit einem flurrechtlichen Begehren verlangte er bei der Gemeinde die Entfernung.

Das Flurgesetz spricht eine klare Sprache

«Die Bäume stehen nicht unter Naturschutz und das Flurgesetz spricht da eine klare Sprache», sagt der Ermatinger Gemeindepräsident Martin Stuber. Spielraum habe es in dieser Angelegenheit leider keinen gegeben. Der Besitzer musste die Fällung der Bäume veranlassen.

Unterschriftensammlung fruchtete nicht

Auch eine Unterschriftensammlung im Dorf konnte daran nichts ändern. 25 Namen hatten die Triboltingerinnen Anita Hofbauer und Claudia Dieckmann zusammengetragen. «In Zeiten des Klimawandels ist jeder Baum wichtig», sagt Dieckmann. Unsere Kinder demonstrieren auf der Strasse, weil Achtung und Demut gegenüber der Natur fehlen, und dann sieht man vor der eigenen Haustüre solche Bilder.»

Am 11. Januar bot sich noch dieser Anblick auf die mächtige Baumgruppe. (Bild: Claudia Dieckmann)

Am 11. Januar bot sich noch dieser Anblick auf die mächtige Baumgruppe. (Bild: Claudia Dieckmann)

Es seien wunderschöne Bäume gewesen, mit grosser Ausstrahlung und ein wichtiger Lebensraum für viele Vögel und Insekten. «Es gab keinen nachvollziehbaren Grund, die Trauerweiden fällen zu lassen.» Das Grundstück des Nachbarn sei ungenutzt. Dessen Begründung, dass die Wiese wegen der Bäume Schaden nehme, sei widersinnig, findet Dieckmann.

Vielleicht wird daraus ein Rebberg

Dem widerspricht ihr Eigentümer Robert Fischer. Trotz Aufforderung seien die Bäume nicht geschnitten worden. «Ab dem Mittag lag die Hälfte meines Grundstücks im Schatten.» Ein Zwetschgenbaum und zwei Apfelbäume seien wegen der Trauerweiden eingegangen. In seiner Wiese gebe es keine Tiere und keine Blüten mehr. Ausserdem wolle er das Land wieder vermehrt nutzen, erklärt Fischer. Wenn es möglich sei, wolle er dort Reben setzen.

«Die Ökologie ist mir genauso wichtig.»

Um dies zu unterstreichen, weist Fischer darauf hin, dass er Tesla fahre und die grösste private Solaranlage der Region betreibe.

Eine Feldhecke als Ersatz?

Für Claudia Dieckmann gibt es einen Hoffnungsschimmer. Im Raum steht eine Art Wiederaufforstung. Gemeindepräsident Martin Stuber hatte im Gespräch mit ihr den Vorschlag eingebracht, anstelle der Trauerweiden eine Feldhecke zu pflanzen. Eine solche sei durch ihre ökologische Artenvielfalt eine Bereicherung für die Landschaft. Für ein sauberes Projekt stellte Stuber sogar Beiträge der öffentlichen Hand in Aussicht.

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