Interview

Das «Schloss» in Romanshorn soll verkauft werden: Einige Gäste bangten um ihre Reservation

Pächter Sami Debbabi äussert sich zur ungewissen Zukunft des Hotel und Restaurants. Er hat der Stadt vorgeschlagen, das Wahrzeichen zu übernehmen.

Tanja von Arx
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Sami Debbabi ist Pächter des Hotels und Restaurants Schloss Romanshorn und würde es gerne bleiben.

Sami Debbabi ist Pächter des Hotels und Restaurants Schloss Romanshorn und würde es gerne bleiben.

(Bild: Reto Martin)

Der Artikel zum verschwundenen Verkaufsinserat des Hotels und Restaurants hat Wellen geworfen. Welche Rückmeldungen haben Sie erhalten?

Sami Debbabi: Einige Leute hatten Angst um ihre Reservationen. Es gab verschiedene Reaktionen, was auch nicht erstaunt: Das «Schloss» ist schliesslich ein Wahrzeichen der Stadt.

Sie haben aber geöffnet.

Ja, das Hotel ist mit zirka sechzig Prozent sehr gut ausgelastet, das Restaurant auch zunehmend. Von Mai bis Oktober sind über zwanzig Hochzeiten gebucht. Im Januar und Februar sind Betriebsferien, sprich die Restauration ist geschlossen, das Hotel geöffnet. Für Anlässe und Seminare machen wir ebenfalls auf.

Sie haben das «Schloss» ein Wahrzeichen genannt; wie stehen Sie zu den Verkaufsplänen?

Ich habe dem Stadtpräsidenten Roger Martin einen Kauf vorgeschlagen, damit es quasi in Romanshorner Händen bliebe. Allerdings ist das eine Geldfrage, so wie ich denn seine Antwort verstehe. Ausgeschlossen ist dies aber nicht.

Wie steht es denn um den Verkauf? Das Inserat auf der Luxus-Maklerseite Sotheby’s ist nicht mehr aufzufinden.

Das ist mir nicht bekannt. Ich habe mit den Besitzern, der Towit Machinery Trading, ein gutes Verhältnis. In den gut zwei Jahren, in denen ich den Betrieb nun führe, haben wir nicht zuletzt auch dank der Investitionen drei Sterne erzielt.

Wie gestalten sich Ihre Anstellungsbedingungen?

Ich habe einen offenen Vertrag, die Kündigungsfrist beträgt wie üblich in der Branche sechs Monate.

Das Schloss Romanshorn ist kürzlich zum Verkauf ausgeschrieben worden.

Das Schloss Romanshorn ist kürzlich zum Verkauf ausgeschrieben worden.

(Bild: Reto Martin)

Und was wäre im Falle eines Verkaufs?

Da möchte ich den Käufer kennenlernen. Ich würde ihm anbieten, den Betrieb weiterzuführen. Für mich als langjähriger Hotelier ist das ein Geschäft. An dem Ort würde aus betrieblicher Sicht denn auch nichts anderes funktionieren. Hotel und Restaurant sind im Oberthurgau und in St. Gallen gut bekannt.

Das klingt nach einer unsicheren Zukunft, zumal ja auch im «Inseli» immer mal wieder Erweiterungen im Raum stehen, das Sie ebenfalls und unter ähnlichen Konditionen leiten. Weshalb haben Sie das «Schloss» damals übernommen?

Ich habe darin Potenzial gesehen und fand es schade, dass es geschlossen war. Es befand sich vis-à-vis von meinem Büro im «Inseli» und ich entwickelte ein grosses Interesse. Ich kann mit Überzeugung sagen, dass ich den Job heute mit Herzblut mache.

Schauen wir uns nochmals die letzte Berichterstattung zur Hafenstadt an: Das «Neuhaus» sucht seit Jahren vergeblich nach einem Investor, der «Anker» soll nach einem Vierteljahrhundert verkauft werden und das «House of Paradise» soll innert kürzester Zeit auch wieder den Besitzer wechseln. Steht es schlecht um die örtliche Gastroszene?

Als ich hier vor zwölf Jahren anfing, sah es definitiv schlechter aus. Dem alten Stadtpräsidenten David H. Bon haben wir in der Hinsicht viel zu verdanken; vom neuen erwarte ich, dass er die Entwicklung weiter vorantreibt. In meinen Augen ist Romanshorn ein schöner Fleck am See und der Hafen als Herzstück ein touristischer Knotenpunkt. In diesem Sinne braucht es im Thurgau allgemein mehr Hotels, auch in Arbon oder Horn.

Wo sehen Sie die Chancen?

In meinen Augen braucht es eine Studie auf Kantonsebene, über Thurgauer Tourismus und Hotellerie. Evaluiert und aufeinander abgestimmt werden sollen Bedarf, Standortvorteile und Kompetenzen von Fachleuten. Sowas wie beim Arboner «Metropol» wäre darüber etwa nie passiert.

Sie sprechen die Schliessung an, dass das weitum bekannte Hotel seit geraumer Zeit leer steht und mittlerweile ein kontrovers diskutiertes Politikum ist.

Ja, stünde das «Metropol» beispielsweise in einer Touristikzone, würden sich gar keine Fragen zu den geplanten Zwillingstürmen im Projekt des Generalunternehmers HRS stellen oder nach Volksabstimmungen oder nach zusätzlichen Gutachten.

Wenn wir beim Rundblick und bei benachbarten Bauvorhaben sind: Was halten Sie als Fachmann vom Hotel am Romanshorner Hafen, das der Oberthurgauer Unternehmer Hermann Hess plant?

Ich finde es schön, dass er etwas macht. Zwar stehe ich mit ihm nicht in engem Kontakt, aber aus meiner Sicht ist die Lage im Bogen der Hafenpromenade, quasi mittendrin direkt bei Schifffahrt und Bahngeleisen, schwierig. Die Lage beim Militärbunker etwa wäre um einiges besser.

Zur Person

Sami Debbabi

Sami Debbabi (59) leitet das Hotel und Restaurant Schloss seit 2017. Der gebürtige Tunesier ist ausserdem seit zwölf Jahren Geschäftsführer des Park-Hotel Inseli in Romanshorn. Bis vor kurzem führte er auch das «Metropol» am Arboner Seeufer. Der ausgebildete Hotelier verfügt über eine Berufserfahrung von insgesamt über zwanzig Jahren. (tva)

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