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IT-Unternehmer, Schlossherr und ein mündliches Versprechen: Das Schloss Eugensberg hat einen neuen Besitzer

Das Konkursamt Thurgau hat das Schloss Eugensberg an den 38-jährigen deutschen Internetmillionär Christian Schmid für mehr als 36 Millionen Franken verkauft. Er ziehe mit seiner Schweizer Ehefrau aus der Innerschweiz
Silvan Meile
Das Schloss Eugensberg auf dem Gemeindegebiet von Salenstein ist verkauft.(Bild: Donato Caspari)

Das Schloss Eugensberg auf dem Gemeindegebiet von Salenstein ist verkauft.(Bild: Donato Caspari)

Das Schloss Eugensberg geht an den Meistbietenden. Das ist der 38-jährige Christian Schmid, der es im Internet zu Reichtum brachte. Zwar wurde über den Kaufpreis des fürstlichen Anwesens Stillschweigen vereinbart, dennoch sickerte eine Information durch: Der Preis für Schloss Eugensberg liegt «deutlich höher» als die zuletzt gemäss Medienberichten von Playboy und Millionär Peter Buser gebotenen 35,9 Millionen Franken.

Das bestätigt auch Martin Wenk, Abteilungsleiter des Thurgauer Konkursamtes. Der Käufer hat das Schloss samt Inventar und allen zugehörigen Liegenschaften – mit Ausnahme von zwei landwirtschaftlichen Grundstücken am Rand – per 1. März übernommen.

Internetmillionär und Urheberrechtsprobleme

Christian Schmid ist gebürtiger Deutscher, der vor mehr als zehn Jahren in die Schweiz zog. Sein Datenspeicherservice «Rapid-Share» machte ihn reich. Mit der unterdessen eingestellten Internetdienstleistung verdiente Schmid nicht nur einen Haufen Geld, es brachte ihm auch mehrerer Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen ein.

Denn der Dienst zum Austausch von Musik, Film, Software oder Literatur zog Raubkopierer regelrecht an. Ein Urteil des Strafgerichts Zug ist derzeit noch hängig. Gemäss «Zuger Zeitung» sprach die Staatsanwaltschaft davon, dass Schmid mit diesem Angebot «Internetpiraten Tür und Tor» geöffnet habe.

Ein Versprechen, Jahrzehnte im Schloss zu wohnen

Zuletzt war der IT-Unternehmer in Küssnacht am Rigi gemeldet. 2013 kaufte er gemäss «Luzerner Zeitung» trotz Widerständen in Vitznau eine Villa mit grosszügiger Parkanlage und einem Privatstrand. Und «Blick» weiss: «Eugensberg ist nicht das erste Schloss im Besitz vom Schmid: In Deutschland ist er Eigentümer von Schloss Roseck in Unterjesingen.»

Nun soll das kinderlose Paar aber «so bald wie möglich» in die geschichtsträchtige Liegenschaft über dem Untersee ziehen, wie Schmid auf Anfrage sagt. Zum Schloss mit seinen sechs Wohnräumen, elf Schlaf- und fünf Badezimmern gehören unter anderem auch ein Schwimmbad sowie ein Tennisplatz.

Sanierungsarbeiten stehen an

Beim Kanton Thurgau ist man sicher, den richtigen Käufer gefunden zu haben. Christian Schmid habe gründliche Abklärungen getroffen, welche Sanierungsarbeiten am Schloss anstehen, sagt Wenk. Diese dürften mehrere Millionen kosten. Das Schloss Eugensberg gilt als Denkmal architektonischer und handwerklicher Vielfalt des 19. Jahrhunderts. «Der Käufer will es so erhalten», sagt Wenk. Und er habe das mündliche Versprechen abgegeben, für die nächsten Jahrzehnte darin Wohnsitz zu nehmen.

Schloss Eugensberg werde ihr künftiger Wohnsitz sein. Und sie würden in Salenstein natürlich auch Steuern bezahlen, sagt Schmid. Auch sei es sein Ziel, die Ruine Sandegg mit ihrer Aussichtsplattform zu sanieren und der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen.

Gläubiger erkämpfen sich Geld zurück

So sieht es im Schloss aus. (Bild: Donato Caspari)

So sieht es im Schloss aus. (Bild: Donato Caspari)

Schmid habe einen sehr seriösen Eindruck hinterlassen, sagt Wenk. Ihm sei es wichtig gewesen, das ganze Grundstück inklusive Park, Wald, Landwirtschaftsbetrieb und dem Badehaus am Untersee zu erwerben. «Das entsprach auch unseren Wunschvorstellungen.» Der Erlös von deutlich mehr als 36 Millionen Franken aus dem Verkauf fliesst in die Konkursmasse Rolf Erb. Damit kommt dieses Geld den Gläubigern zugute.

«Wir sind sehr zufrieden mit dem Verkauf», sagt der Frauenfelder Anwalt Matthias Hotz. Er vertritt die Mehrheit der Gläubiger. Mit dem Verkauf des Schlosses würden sich die erkämpften Vermögenswerte zu Gunsten der Gläubiger fast verdoppeln, sagt Hotz. In zahlreichen Gerichtsverfahren haben sie prozessiert, um Geld zurückzuerhalten. «Noch verbleiben vier Liegenschaften aus der Konkursmasse, die zu verwerten sind», sagt Hotz, den der Erb-Konkurs bereits seit rund 15 Jahren beschäftigt. Dieser Fall sei von grundsätzlicher Bedeutung und sehr positiv zu werten. «Er hat gezeigt, dass es nicht geht, vor dem Konkurs noch alles auf die Seite zu bringen.»

Zum Schloss gehört auch viel Umschwung. (Bild: Donato Caspari)

Zum Schloss gehört auch viel Umschwung. (Bild: Donato Caspari)

Eine Pleite von 2,2 Milliarden Franken

2003 ging die Winterthurer Erb-Gruppe unter einer Schuldenlast von 2,2 Milliarden Franken in Konkurs. Der Erb-Gruppe gehörten einst mehr als 60 Firmen an. Konzernchef Rolf Erb wurde wegen gewerbsmässigen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung sowie mehrfacher Gläubigerschädigung zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Lange wehrte er sich dagegen. Ende März 2017 entschied das Bundesgericht, dass Erb in Haft muss. Kurze Zeit später fand man ihn tot auf Schloss Eugensberg. Er war eines natürlichen Todes gestorben.

Der Pool vor dem Schloss. (Bild: Donato Caspari)

Der Pool vor dem Schloss. (Bild: Donato Caspari)

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