«Das Schlimmste, was hätte passieren können»

Romanshorn: Markus Fischer verabschiedet sich nach elf Jahren vom Amt als Stadtrat. Die vielen personellen Wechsel hinterlassen eine schwierige Situation in der Hafenstadt.

Pascal Moser
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Markus Fischer wurde nach drei Legislaturen im Romanshorner Stadtrat abgewählt. (Bild: Reto Martin)

Markus Fischer wurde nach drei Legislaturen im Romanshorner Stadtrat abgewählt. (Bild: Reto Martin) 

Herr Fischer, Sie sind abgewählt worden. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Markus Fischer: Eigentlich nicht. Es ist so, dass alle Kandidaten das absolute Mehr erreicht haben und ich bei den Überzähligen war. Warum, das weiss ich nicht. Vielleicht wollte man einfach einen Wechsel oder Platz für einen Jungen schaffen. Wenn die Stimmenzahlen so knapp beieinander sind, dann kann eine Kleinigkeit schon sehr viele Plätze ausmachen. Das ist ein bisschen wie im Fussball.

Wie gross ist die Enttäuschung?

Ich war ziemlich enttäuscht. Ich habe nicht damit gerechnet und hätte aus meiner persönlichen Seite auch gar nicht mehr antreten wollen. Ich war elf Jahre dabei und schon über dem Pensionsalter. Alle hätten verstanden, wenn ich gesagt hätte, jetzt kann es jemand neues machen. Die Kommunalplanung war aber noch nicht fertig und es ist schwierig, wenn diese Aufgabe jemand Neues übernehmen muss. Mit den ganzen Wechseln ist es aus meiner Sicht fast schon eine Zumutung und es ist nicht meine Art in so einer Situation einfach aufzuhören.

Welche Bilanz ziehen Sie nach drei Legislaturen?

Ich würde sagen, ich habe sehr viel mehr gegeben, als ich genommen habe. Ich muss aber sagen, dass es sich trotzdem gelohnt hat. Ich habe einen Einblick bekommen in eine Welt, die ich von der Privatwirtschaft her nicht gekannt habe. Diese Mechanismen hinter der Demokratie zu verstehen ist für mich eine Bereicherung, deshalb ziehe ich eine durchaus positive Bilanz.

Worauf sind sie besonders stolz?

In meinem Ressort, vor allem auch dank Frau Stieger, wurde ein gutes Baureglement erstellt. Der Gestaltungsrichtplan Innenstadt ist ebenfalls sehr gut. Damit wurden vorzügliche Instrumente des Rahmennutzungsplans geschaffen, um künftig qualitativ hochwertiges Bauen durchzusetzen.

Wie war die Situation 2008?

Das Baureglement war nicht schlecht, aber es gab Lücken. Es gibt einen «Gestaltungsplan Kerngebiet», der heute noch rechtskräftig ist, welcher dereinst durch diesen neuen Gestaltungsrichtplan Innenstadt abgelöst werden soll.

Worauf sind sie weniger stolz?

Was mir nicht gefallen hat war Folgendes: Nach zwei Legislaturen habe ich vom Ressort Sicherheit zu Ortsplanung und Baurecht gewechselt. Kurz darauf hat der Feuerwehrkommandant gekündigt. Die Enttäuschung war, dass ich das gar nicht so richtig wahrgenommen habe, dass etwas nicht stimmte. Ich war als Stadtrat zu weit weg von internen Mechanismen.

Könnten sie neu anfangen, was würden sie anders machen?

Mir kommt nicht viel in den Sinn. Ich habe immer gemacht, was ich vertreten konnte. Es ist nichts vorgefallen, was ich irgendwie bereue. Hätte ich damals aber gewusst, dass ich nicht gewählt würde, wäre ich im Nachhinein besser gar nicht mehr angetreten.

Romanshorn verlangt bei grösseren Überbauungen von den Investoren Qualität. Wie schwierig war es, diese beispielsweise im Rahmen von Gestaltungsplänen einzufordern?

Extrem schwierig. Bei grösseren Überbauungen muss ein Gestaltungsplan erarbeitet werden. Man verlangt oft einen Wettbewerb, bei dem das beste Projekt gewinnt. Dieses wird dann in den Sonderbauvorschriften bezüglich Qualität möglichst genau beschrieben. Bei der Ausführung, Jahre später, muss man anhand dieser Beschreibung das Projekt wiedererkennen, was wahnsinnig schwierig ist. Man muss die Punkte die bezügliche Qualität wichtig sind einfordern können und dementsprechend genau arbeiten. Oft wechseln auch die Investoren und nicht selten sehen diese nur die Rendite. Die Bauvorhaben die realisiert wurden, sind aus meiner Sicht sehr gut, wenn ich zum Beispiel an den Bodan denke. Auch der Romishof neben der der Hubzelg, ist bezüglich Architektur ganz gefällig herausgekommen. Man konnte sehr schönes realisieren. Diejenigen Investoren, die hier bauen, bringen in der Regel eine gute Qualität.

Es ist niemand mehr da, der sich in Baufragen auskennt: Sie sind ebenso wie der Stadtpräsident abgewählt worden, der Bauverwalter musste gehen und die Stadtentwicklerin hat gekündigt. Kann das gut gehen?

Das ist ein sehr ernsthaftes Problem. Glücklicherweise ist es aber offensichtlich, dass ich und auch der Stadtpräsident das so nicht wollten. Niemand kann uns vorwerfen, mit Nachlässigkeit eine üble Situation zu hinterlassen. Dass jetzt viele Knowhow Träger gehen, macht die Situation nicht einfach. Die Stadtentwicklerin ist auch zurückgetreten, was nachvollziehbar, aber sehr schade ist. Dass alle weg sind, ist wirklich das schlimmste, was hat passieren können. Wenn mein Nachfolger sich zudem alles Wissen während seiner beruflichen Tätigkeit aneignen muss, dann geht das relativ lang. Es ist so, wie wenn ein Geschäftsführer in eine neue Branche eintritt. Wir haben aber interimistisch sehr gute Leute, die ihr Fach sehr gut beherrschen.

Was sind ihre Zukunftspläne?

Ich bin jetzt 66 Jahre alt und habe mein Leben lang gearbeitet. Ich habe das Gefühl, ich bin zum Arbeiten geboren und nicht etwa um Golf zu spielen oder so etwas. Ich werde etwas machen, das auch wieder mit einer sinnvollen Tätigkeit zu tun hat. Es wird vielleicht schwer so eine Beschäftigung zu finden, aber es liegt mir nicht, einfach nichts zu tun. Ich habe zwei Enkelkinder und hoffe nun mehr Zeit für sie zu finden, jetzt wo ich nicht mehr ständig im Stadtrat sitze.