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Pachtzins zu hoch, Strassen wie ausgestorben: Die gescheiterten Inhaber der Konditorei Köppel rechnen nach dem Konkurs mit Romanshorn ab

Die Schliessung der Traditionskonditorei Köppel in Romanshorn haben noch längst nicht alle verarbeitet. Jetzt äussert sich Inhaberin Alexandra Sztabholz und bestätigt Gerüchte, wonach der Pachtzins zum Aus beigetragen habe. Der frühere Chef Urs Köppel seinerseits weist die Vorwürfe zurück.
Jana Grütter
Bei der Geschäftsübergabe war die Welt noch in Ordnung: Urs und Bernadette Köppel sowie Alexandra und Samuel Sztabholz. (Bild: Markus Schoch)

Bei der Geschäftsübergabe war die Welt noch in Ordnung: Urs und Bernadette Köppel sowie Alexandra und Samuel Sztabholz. (Bild: Markus Schoch)

Die Konditorei Köppel gibt weiter zu reden. Man munkelt, der ehemalige Inhaber Urs Köppel habe vom Geschäftsführer-Ehepaar Sztabholz einen viel zu hohen Pachtzins verlangt. «Es gibt viele Gründe, die zum Konkurs geführt haben. Einer davon ist tatsächlich, dass der Pachtzins viel zu hoch war», bestätigt Alexandra Sztabholz auf Anfrage. Sie und ihr Ehemann Samuel hätten Köppel gebeten, den Zinssatz herunterzusetzen. «Er agierte jedoch nicht kooperativ und wollte sogar eine Zinserhöhung», sagt Alexandra Sztabholz.

«Schwierigkeiten, das Budget einzuhalten»

Die Schliessung am 1. Februar kam für viele überraschend. Zumal das Konditoreigeschäft oft voller Kundschaft war. Die Mitarbeiter wurden am 31. Januar informiert. «Wir wussten schon länger, dass wir Schwierigkeiten haben, das Budget einzuhalten», sagt Sztabholz. Doch erst die Bilanz Ende Jahr habe die schlechte Situation aufgezeigt. «Darum kam die Schliessung auch für alle so plötzlich.» Besonders das Weihnachtsgeschäft sei nicht wie gehofft ausgefallen.

«Hätten wir in dieser Zeit mehr Umsatz gemacht, gäbe es uns heute noch.»

«Nicht so gut vernetzt»

Alexandra Sztabholz räumt allerdings auch ein, dass sie mit weiteren Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. «Wir kommen nicht aus der Region. Daher sind wir auch nicht so gut vernetzt, wie Urs Köppel es ist.» Bei der Suche eines neuen Ausbildungsplatzes für die Lehrlinge griffen sie deshalb gerne auf das Netzwerk Köppels zurück. «Er konnte unsere Lehrlinge schnell in einem anderen Betrieb unterbringen.» Das hätten sie in solch kurzer Zeit nicht geschafft.

«Glücklicherweise können die Lernenden ihre Ausbildung nun weiterführen.»

Die neuen Geschäftsinhaber hatten auch weniger Personal zur Verfügung. So seien bei der Übernahme 2017 ein paar Stellen gestrichen worden. «Wir mussten sieben Tage in der Woche arbeiten, um die fehlenden Mitarbeiter zu kompensieren.» Daher habe ihnen die Zeit gefehlt, Kontakte zu neuen Kunden zu knüpfen.

«Die Strassen sind wie ausgestorben»

Alexandra Sztabholz hatte in der Vergangenheit schon in mehreren renommierten Häusern gearbeitet. Mit der Übernahme der Konditorei Köppel fungierte sie jedoch das erste Mal als Geschäftsführerin. Ihr Mann hingegen war in Frankreich in einem Restaurant bereits als Geschäftsführer tätig. Auf die Frage, ob sie ein weiteres Geschäft übernehmen möchte, sagt Sztabholz:

«In Romanshorn sicher nicht.»

Die Strassen seien wie ausgestorben, und es gebe kaum Laufkundschaft. «In den nächsten zwei Jahren möchte ich mich voll und ganz meiner Familie widmen.» Durch das viele Arbeiten sei ihre Tochter viel zu kurz gekommen. «Unser Mädchen wurde immer fremdbetreut. Ich hatte nichts von ihr.» Ausserdem fehle ihr die Zeit für sich selbst. «Ich möchte wieder leben.»

«Der Pachtzins war keinesfalls zu hoch.»

Urs Köppel, ehemaliger Besitzer der gleichnamigen Konditorei Köppel, weist die Vorwürfe zurück. «Der Pachtzins war keinesfalls zu hoch.» Ausserdem sei es nicht einmal er selbst gewesen, welcher diesen festgelegt habe. «Der Zins wurde vom Anwalt des Ehepaars Sztabholz und von meinem Treuhänder berechnet.» Ausserdem entspreche der Pachtzins nur sieben Prozent des Umsatzes. «Richtwert wären eigentlich acht Prozent», sagt Köppel.

Das Ehepaar Sztabholz sei zudem nie mit dem Anliegen, den Zins zu senken, zu ihm gekommen. «Ich habe oft das Gespräch mit ihnen gesucht, als ich feststellte, dass das Geschäft nicht mehr floriert.» Auch hätte er den Zins niemals erhöhen wollen. Köppel:

«Ich bin mir keiner Schuld bewusst, denn ich weiss, wie man seriöse Geschäfte betreibt.»

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