Interview

«Das Ressort ist ein wichtiges Argument», sagt die Bischofszeller Stadtratskandidatin Susanne Scheiwiler-Noser

Susanne Scheiwiler-Noser (CVP) kandidiert für den Stadtrat Bischofszell. Sie will Nachfolgerin ihrer Parteikollegin Nina Rodel werden.

Georg Stelzner
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Susanne Scheiwiler-Noser, CVP-Kandidatin für den Stadtrat Bischofszell.

Susanne Scheiwiler-Noser, CVP-Kandidatin für den Stadtrat Bischofszell.

Bild: Reto Martin

Sie waren bereits Mitglied der Bischofszeller Schulbehörde und kandidieren nun für den Stadtrat. Was ist Ihre Motivation?

Susanne Scheiwiler-Noser: Es stimmt, ich gehörte neuneinhalb Jahre der Schulbehörde an. Die Kandidatur war nicht meine Idee. Ich bin von der CVP angefragt worden. Für mich kam das wie aus heiterem Himmel. Da ich aber immer überzeugt war, dass es mehr Frauen in Führungspositionen braucht, wäre ich unglaubwürdig gewesen, hätte ich die Anfrage mit einem Nein beantwortet.

Sind Schulbehörde und Stadtrat miteinander vergleichbar oder gibt es Ihrer Meinung nach grundlegende Unterschiede?

Die Themen sind natürlich andere, und in der Schule ist die Parteizugehörigkeit völlig irrelevant. Ich glaube, sagen zu dürfen, dass ich den Behördenalltag nach der langen Zeit, in der ich in der Schulbehörde mitgearbeitet habe, gut kenne. Ich weiss, worauf es bei der Zusammenarbeit in einer Kollektivbehörde ankommt. Ich könnte einen Rucksack mit wichtigen Kenntnissen ins Amt einbringen.

Gibt es Erfahrungen und Fähigkeiten aus Ihrer Zeit in der Schulbehörde oder aus Ihrem Beruf, die Ihnen im Stadtrat nützlich wären?

Ich bin Ärztin und es gewohnt, mitunter rasch entscheiden zu müssen. Ich bin mir jedoch bewusst, dass in einer Behörde oft Geduld vonnöten ist und man konkrete Resultate nicht zu schnell erwarten darf.

Das Ressort «Gesundheit und Gesellschaft» scheint massgeschneidert zu sein für Sie. Das heisst doch aber auch, dass man viel von Ihnen erwarten würde.

Das Ressort ist ein wichtiges Argument für meine Zusage. Ich denke, es ist immer leichter, sich in ein Gebiet einzuarbeiten, von dem man schon eine Ahnung hat. Mir ist aber auch bewusst, dass man andere Erwartungen an mich hat, als wenn ich diese Vorkenntnisse nicht besässe.

Haben Sie eine Lösung für die Herausforderung, im Falle einer Wahl Familie, Beruf und Amt miteinander vereinbaren zu müssen?

Ich habe diese Erfahrung schon während meiner Tätigkeit in der Schulbehörde gemacht und konnte mich damals auf die Unterstützung durch meinen Ehemann und meine beiden Töchter verlassen. Die Familie hat mich sogar ermuntert, für den Stadtrat zu kandidieren. Das wäre also kein Hindernis.

In Gesundheitsfragen wären Sie die Expertin im Stadtrat. Dennoch könnte es vorkommen, dass Sie überstimmt werden. Wie gingen Sie mit einer solchen Situation um?

Ich würde natürlich hoffen, die anderen Mitglieder des Stadtrats von meinem Standpunkt überzeugen zu können. Ich habe aber überhaupt kein Problem mit anderen Meinungen. Ich kann sie akzeptieren. Das war auch in der Bischofszeller Schulbehörde so.

Zur Person

Susanne Scheiwiler-Noser wurde am 7. Mai 1968 in Niederuzwil geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums Friedberg in Gossau studierte Susanne Scheiwiler an der Universität Basel Medizin. Diverse Anstellungen als Assistenz- und Oberärztin in Ostschweizer Spitälern folgten, bis sie 2010 ihre Tätigkeit als Hausärztin in der Familienpraxis in Bischofszell aufnahm. Von 2008 bis 2017 engagierte sie sich in der Schulbehörde. Anschliessend wurde sie in den Vorstand der Spitex Oberthurgau gewählt. Susanne Scheiwiler ist verheiratet und Mutter von zwei Töchtern. Ihre Freizeit verbringt sie gerne mit Wandern, Schwimmen, Skifahren, Lesen und Kultur. (st)

Worauf würden Sie als Stadträtin gerne den Fokus legen?

Mir sind die Frühförderung von Kindern und sämtliche Bereiche, welche die Gesundheit betreffen, sehr wichtig.

Nennen Sie ganz spontan einige Vorzüge Bischofszells?

Wir haben das Privileg, in einer Stadt mit einem hübschen historischen Kern und dennoch auf dem Land zu leben. Schön finde ich auch, dass sich viele Einwohner persönlich kennen und man schnell in der freien Natur ist. Ich vermisse hier im Grunde nichts. Natürlich könnte aber die Situation mit den Ladengeschäften besser sein.

Welche Positionen der CVP schätzen Sie besonders und wie wichtig ist Ihnen das C im Parteinamen?

Für mich ist die CVP eine Partei der Mitte, die kompromissbereit ist und lösungsorientiert arbeitet. Es geht mir nicht um den Katholizismus. Das Christliche steht für mich in diesem Kontext auch für unsere abendländische Kultur. Wir hätten viele Probleme nicht, wenn wir uns mehr daran orientieren würden. Das C muss meiner Meinung nach im Parteinamen bleiben.

Ist es für Sie wichtig, dass eine Behörde auch bezüglich des Geschlechts der Mitglieder repräsentativ zusammengesetzt ist?

Ja, sehr wichtig. Frauen und Männer haben unterschiedliche Fähigkeiten und können sich somit ergänzen. Das Geschlecht allein darf aber nicht ausschlaggebend sein. Frauen müssen genauso wie Männer die erforderliche Qualifikation mitbringen. Ich weiss nicht, ob Quoten das Richtige sind, aber ein gewisses Druckmittel sollte es wohl geben, um eine Ausgewogenheit zu Stande zu bringen.

Wie beurteilen Sie Ihre Wahlchancen angesichts der Tatsache, dass die SVP ebenfalls einen Kandidaten ins Rennen schickt?

Ich habe bei meiner Zusage davon gewusst, kurz überlegt und mich dann entschlossen, anzutreten. Für mich war aber von Anfang an klar, dass ich einen sachlichen und fairen Wahlkampf führen möchte. Die CVP ist in Bischofszell eine starke Partei, weshalb ich meine Chancen angesichts des Mitbewerbers nicht geschmälert sehe. Ich denke aber, dass diese Wahl primär eine Personenwahl ist.

Für welche Zeitdauer würden Sie sich für das Stadtratsamt zur Verfügung stellen?

Es ist schwierig, Prognosen abzugeben. Die Lebenssituation kann sich plötzlich ändern. Prinzipiell kann ich mir aber vorstellen, dem Stadtrat mehr als eine Amtsdauer anzugehören.

Hinweis
Ausser Susanne Scheiwiler-Noser bewirbt sich Matthias Fröhlich (SVP) um den freien Sitz. Wegen der Coronapandemie ist die Ersatzwahl vom 17. Mai auf 23. August verschoben worden.