Ein 1917 im Ermatinger Kehlhof gemaltes Ölbild kehrt nach Versteigerung zurück – der abgebildete Raum sieht noch fast genauso aus

Mary Sauter konnte an einer Auktion ein Gemälde aus dem Kehlhof Ermatingen ersteigern.

Margrith Pfister-Kübler
Merken
Drucken
Teilen
Mary Sauter freut sich darüber, dass das Bild nun wieder da hängt, wo es herkommt.

Mary Sauter freut sich darüber, dass das Bild nun wieder da hängt, wo es herkommt.

(Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Bei Mary Sauter im Kehlhof in Ermatingen gibt es ein kostbares Gut zum Gegenpol der hektischen Zeit mit «jetzt, sofort und auf der Stelle»: Die Familie Sauter pflegt Zeit und die Passion für Historisches. Mary Sauter, Witwe von Georg Sauter und Kehlhof-Besitzerin, pflegt dies in besonderem Mass.

Die über 80-Jährige, die täglich noch ihr Holz spaltet, mit dem sie in der labor-cleanen Küche feuert, macht es möglich, Vergangenheit zu finden. Sie sagt lachend: «Holzspalten gehört zu meiner täglichen Fitness.» Hier wird ein grosses Arbeitsethos gepflegt. Schliesslich gilt der Kehlhof als Kraftort und Generationendenken, das Netzwerk von Menschen, die hier ein- und ausgingen, haben auch Geheimnisvolles.

Eine Fotografie des Bildes hängt seit vielen Jahren

Ein bisschen Geheimnis war lange Zeit die neueste Errungenschaft von Mary Sauter. Kürzlich ersteigert auf einer Kunstauktion Beurret & Bailly Galerie Widmer Auktionen AG in St.Gallen ein Ölbild auf Leinwand, datiert und signiert unten links mit Caspar Ritter, 1917. Das Werk zeigt zwei junge Frauen vor einer Fensterbank sitzend im Gespräch, gemalt von Professor Caspar Ritter (1861-1923). Grösse 76 x 90 Zentimeter, mit Goldrahmen.

Zur Vorgeschichte: Seit Jahrzehnten hängt im Kehlhof eine Fotografie von diesem Ölbild. Hübsch eingerahmt. Hinten ist in einer schönen Handschrift zu lesen: «Fräulein Sauter (links), jetzt Frau Gemeindeammann Kreis u. Fräulein Läubli, jetzt Frau König, gemalt im Sauter`schen Haus zum ‹Kehlhof› in Ermatingen, von Kunstmaler Professor Ritter aus München». Mary Sauter sinnierte seit Jahren über das Schicksal und den Verbleib dieses Bildes.

Es war Hans-Ulrich Wepfer, Kreuzlingen, der sie auf die Auktion «ufeglupft» hat. Er entdeckte die Rarität. Im Jahr 2006 wurde dieses Werk erstmals auf der Auktion angeboten und verkauft. «Das Auktionshaus gibt die Käufernamen nicht bekannt», sagt Mary Sauter. Doch Ende 2019 kam das Bild erneut zur Auktion. «Vermutlich ist der bisherige Besitzer oder Besitzerin verstorben und die Erben gaben es zur Auktion», mutmasst Mary Sauter. Nur zu gerne wüsste sie, wo das Bild überall «gehangen ist».

In der Gerichtsstube ist noch alles vorhanden

Ermuntert, Ende 2019 an der Auktion teilzunehmen, wurde sie von Hans-Ulrich Wepfer. «Aufregend war die Versteigerung – und ich erhielt den Zuschlag», erzählt Mary Sauter. Der Tisch, der Stuhl, alles ist noch vorhanden oben in der Gerichtsstube, ganz so wie auf dem Bild.

«Das Fräulein Sauter – links im Bild, s´ Marieli, war die Tante von meinem Mann Georg; sie ist hier geboren und war eines von neun Kindern vom Most-Sauter», erzählt Mary Sauter und sucht nach weiteren Familien-Puzzle. Der Münchner Kunstmaler Caspar Ritter lebte ebenfalls in Ermatingen und sei auch hier gestorben, wie Mary Sauter weiss. Befreundet war Ritter mit Ernst Howald, klassischer Philologe, der ebenfalls in Ermatingen lebte (gestorben 1967). Deren Freude an schönen Dingen spiegelte sich in den eleganten Frauenporträts.

Vielleicht hängt das ja alles zusammen, das was man Identität mit der Geschichte nennen könnte. Der Kehlhof wurde 1694 errichtet. Es ist ein Riegelbau mit einer Gerichtsstube, vom Mittelalter her bis 1798 der lokale Verwaltungssitz der Grundherrschaft von Reichenau. Heute befindet sich der Kehlhof von Georg Sauter im Besitz dessen Witwe Mary Sauter.

Mehr zum Thema