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Das neue Schulhaus lebt auf

Für fast 30000 Mädchen und Buben hat gestern wieder der Unterricht an den Thurgauer Volksschulen begonnen. In Weinfelden nahmen die Kinder mit einem Jahr Verspätung ihr neues Primarschulzentrum Elisabetha Hess in Beschlag.
Mario Testa
Die 1.- und 2.-Klässler singen mit ihren Lehrerinnen Ursula Bollack und Mirjam Walter zum Schulanfang. Die Eltern hören zu. (Bild: Andrea Stalder)

Die 1.- und 2.-Klässler singen mit ihren Lehrerinnen Ursula Bollack und Mirjam Walter zum Schulanfang. Die Eltern hören zu. (Bild: Andrea Stalder)

Die Kinder sind aufgeregt, neugierig inspizieren sie das neue Schulhaus. «Ich freu mich schon auf die Turnhalle. Und der Spielplatz ist sehr cool», sagt der sechsjährige Nevin vor Schulbeginn in Weinfelden. «Gespannt bin ich auch auf die Tische und Stühle im Schulzimmer.» Nicht nur für die Erstklässler, auch für die Zweit- bis Sechstklässler ist es eine neue Umgebung, in der sie beschult werden. Das Schulhaus Elisabetha Hess wurde diesen Sommer fertig gebaut, obwohl es schon vor einem Jahr hätte fertig sein sollen (siehe Kasten). Das erste Schulhaus in Weinfelden mit Frauenname – Elisabetha Hess gilt als die erste Lehrerin im Thurgau, sie unterrichtete von 1763 bis 1803 in Hefenhofen-Sonnenberg – steht unter der Leitung einer Frau. Eva Noger verbrachte bereits einen Grossteil der Sommerferien in ihrem neuen Büro. «Ein neues Schulhaus zu beleben, bedeutet viel Arbeit. Es ist aber auch eine grosse Motivation fürs Team», sagt die Schulleiterin. Gepackt wurde vor den Sommerferien, in der ersten Ferienwoche war Zügeltermin. An zwei Teamtagen mit den Lehrpersonen wurden unter anderem Regeln fürs Verhalten im Schulhaus festgelegt.

Freude der Kinder strahlt auf die Lehrer ab

«Die Schule prägt das Leben, umso wichtiger ist es, dass der Start gelingt», sagt Eva Noger. «Die Freude der Kinder über den Schulanfang strahlt auch auf uns ab. Es ist der Zauber des Anfangs.» Die Einführung der «Erstgigs» in den Unterricht übernahmen die Klassenlehrpersonen wie Ursula Bollack und Mirjam Walter in ihrem Klassenzimmer mit dem Namen Gravensteiner. Die beiden Frauen unterrichten die Erst- und Zweitklässler im Jobsharing. Alle Elisabetha-Hess-Klassen werden altersübergreifend geführt. Als erstes zeigen die beiden Lehrerinnen morgens um 8.15 Uhr den Zweitklässlern, wo sie ihre Schuhe versorgen sollen und wo sich die Toiletten befinden. Erst dann geht’s ins Schulzimmer. Die Kinder blicken neugierig im grossen, hellen Raum umher. Auf den Tischen liegen für sie Farbstifte, die Namenstafeln und Hefte bereit. «Wir freuen uns auf euch, und dass es jetzt losgeht», sagt Lehrerin Walter zu den neun Mädchen und Buben. «Ihr habt viel mehr Erfahrung als die Erstklässler, die jetzt dann kommen. Deshalb darf jeder von euch Gotti oder Götti von einem von ihnen sein.»

Nervös sind nicht nur die Kinder, auch die Eltern

Die Kinder basteln Schultüten für ihre neuen Kollegen, die in Begleitung ihrer Eltern bereits ungeduldig vor dem Eingang warten. «Als unser Mädchen in den Kindergarten kam, war ich nervös. Heute ist es meine Frau», sagt Simon Wolfer, Vater einer Erstklässlerin. Seine Parlamentskollegin Katharina Alder mit gleichaltrigem Sohn sagt: «Nervös sind wir beide, mein Sohn und ich. Nur bin ich fast etwas neidisch auf ihn, dass er jetzt zur Schule gehen darf.» Dann geht es ab in den Unterricht. Die Kinder nehmen an den Tischen Platz, neben ihren Göttis und Gottis. «Wer konnte letzte Nacht nicht so gut schlafen?», fragt Ursula Bollack. Fast alle Hände der Kinder schnellen in die Höhe. «Also unser Herz pöpperlet auch.» Ausgerüstet mit einem Spiegel machen sich die Kinder ans Werk, ein Selbstportrait von sich zu malen. Für die Eltern gibt es derweil Kurzinfos von den Lehrerinnen: «Die Aufgaben und Nachrichten schreiben wir ins Elternkontaktheft, es gibt drei Mal pro Woche Hausaufgaben. Erreichen können Sie uns über dieses Handy, das wir im Schulzimmer haben. Am Donnerstag beginnt der Schwimmunterricht.» Dann ist Pause – und für die Eltern bedeutet das, sich von ihren Schützlingen zu verabschieden. Diese müssen nun alleine klar kommen in ihrer Klasse.

Mehrere Rückschläge bis zur Einweihung

Das Primarschulzentrum Elisabetha Hess in Weinfelden nahm gestern mit einem Jahr Verspätung den Betrieb auf. Den ursprünglich geplanten Termin im Sommer 2017 konnte die Schulgemeinde nicht einhalten, weil der Neubau ins Erdreich absackte. Das Problem trat auf, nachdem der Rohbau betoniert war und sich Risse in einzelnen Bauteilen zeigten. Totalunternehmerin Implenia verordnete deshalb im März 2016 einen Baustopp. Untersuchungen eines Geologen ergaben, dass sich der Untergrund aufgrund der Pfählung verflüssigt hatte und somit instabil wurde. Deshalb wurde der fertig betonierte Rohbau im Herbst 2016 wieder abgerissen. 100 massive Stahlbeton-Pfeiler sorgten im zweiten Anlauf dann für einen stabilen Baugrund. Für die entstandenen Mehrkosten kam grösstenteils die Totalunternehmerin Implenia auf, so konnte die Schulgemeinde den Baukredit von knapp 22 Millionen Franken einhalten. Einen ersten Dämpfer erhielt das Schulhausprojekt bereits in der Vergabephase. Totalunternehmerin Implenia wehrte sich vor Gericht erfolgreich gegen die Vergabe an die Konkurrentin HRS. Die Wiederholung der Submission verzögerte den Baustart um ein halbes Jahr.

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