Das Schweizer Mosterei- und Brennereimuseum in Arbon könnte zum europäischen Museum des Jahres gekürt werden

Das MoMö steht zur Wahl als europäisches Museum des Jahres. Der Preis wird Anfang Mai in Wales vergeben.

Markus Schoch
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MoMö-Geschäftsführer Paolo Spagnolo vor einer Kolonnen-Brennerei, die benutzt wird, um hochprozentige Destillate herzustellen.

MoMö-Geschäftsführer Paolo Spagnolo vor einer Kolonnen-Brennerei, die benutzt wird, um hochprozentige Destillate herzustellen. 

(Bild: Reto Martin)

Vor sechs Jahren durften bereits die Verantwortlichen des Saurer Museum jubeln. Sie gewannen damals beim European Museum of the Year Award in Riga den Silletto-Preis für vorbildliche Freiwilligenarbeit. Trägervereins-Präsident Ruedi Baer verglich die Auszeichnung mit dem Oscar in der Filmbranche.

Und jetzt greift wieder ein Arboner Museum nach den Sternen. Das Ende 2018 eröffnete Schweizer Mosterei- und Brennereimuseum (MoMö) in Stachen steht am 2. Mai in Cardiff als einer von rund 60 Bewerbern im gleichen Wettbewerb zur Wahl als europäisches Museum des Jahres. MoMö-Geschäftsführer Paolo Spagnolo sagt:

«Es wäre etwas ganz Grosses, wenn wir es schaffen würden, den Titel zu holen.» 

Er ist sich aber bewusst: «Es wird ganz, ganz schwierig.» Doch schon allein die Nomination als einer von acht Schweizer Vertretern mache ihn «super stolz», weil sie «ein grosses Lob» für alle am Museumsbetrieb Beteiligten sei und ihnen «riesige mediale Aufmerksamkeit» bringe.

Ein unglaubliches Gefühl

In der gleichen Liga wie beispielsweise das Landesmuseum in Zürich zu spielen, sei unglaublich. Und wenn es nicht für den Hauptpreis reiche, dann vielleicht für den Sieg in einer der diversen Unterkategorien, so wie es beim Saurer Museum 2014 der Fall war.

Blick in die Ausstellungshallen des MoMö..

Blick in die Ausstellungshallen des MoMö..

(Bild: Reto Martin)

Wie die Chancen stehen, könne er nicht beurteilen, sagt Spagnolo. Im letzen Juni habe ein Jurymitglied einen ganzen Tag bei ihnen in Stachen verbracht und sich alles ganz genau angeschaut. «Eine Rückmeldung von ihm haben wir nicht erhalten.»

Auf Anhieb das grösste Museum im Thurgau

Dafür geben die Besucher den MoMö-Machern die Bestätigung, vieles richtig zu machen. Im letzten Jahr, das gleichzeitig das erste war, schauten sich über 30'000 Personen die Ausstellung an. «Damit sind wir auf Anhieb zum Museum mit dem grössten Publikum im Thurgau geworden», sagt Spagnolo.

Der Erfolg ist ihm und seinem Team nicht in den Schoss gefallen. Oder wie es der MoMö-Kurator ausdrückt:

MoMö-Geschäftsführer Paolo Spagnolo.

MoMö-Geschäftsführer Paolo Spagnolo.

(Bild: PD)
«Man muss das eigene Glück in die Hand nehmen.»

Sie würden diverse Zielgruppen mit unterschiedlichen Angeboten ansprechen und immer wieder Neues bieten.

Die Flugtickets sind noch nicht gekauft

«Seit der Eröffnung haben wir beispielsweise zwei Cider aus der museumseigenen Werkstatt auf den Markt gebracht.» Es gibt daneben selbstverständlich Führungen, aber auch Konzerte, Verkostungen oder Fachtagungen wie kürzlich den 1. Swiss Spirits Summit. Künftig soll es auch für Schulen massgeschneiderte Module geben. «Wir sind aktuell im Gespräch mit dem Kanton deswegen», sagt Spagnolo.

Im Eingangsbereich des Museums befindet sich der Saftlade, wo die Besucher Apfel-Produkte kaufen können.

Im Eingangsbereich des Museums befindet sich der Saftlade, wo die Besucher Apfel-Produkte kaufen können.

(Bild: Reto Martin)

All das und noch viel mehr wird der MoMö-Geschäftsführer in Wales an einer grossen Gala vor der Branchen-Prominenz erzählen, falls er denn tatsächlich dorthin fliegen sollte. Flug und Hotel sind noch nicht gebucht. Zu unsicher ist die Lage wegen des Corona-Virus’.

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