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Das Lebenswerk von Urs und Bernadette Köppel in Romanshorn liegt in Scherben: Jetzt kämpfen sie um den Erhalt ihrer vor zwei Jahren verkauften Konditorei-Confiserie

Die neuen Besitzer der Konditorei-Confiserie Köppel stehen offenbar vor dem Konkurs. Urs und Bernadette Köppel können es nicht fassen. Und wollen alles dafür tun, damit das Geschäft wieder öffnet.
Markus Schoch
Bernadette und Urs Köppel Bernadette und Urs Köppel trifft die Schliessung ihres ehemaligen Betriebes, als würde er ihnen noch immer gehören. (Bild: Markus Schoch)

Bernadette und Urs Köppel Bernadette und Urs Köppel trifft die Schliessung ihres ehemaligen Betriebes, als würde er ihnen noch immer gehören. (Bild: Markus Schoch)

Urs Köppel tut sich schwer damit, die Fassung zu behalten. Zuweilen wird er laut, weil er sich so aufregt. Vielleicht auch, weil er nachts kaum mehr Schlaf findet. Er und seine Frau hatten die 1898 gegründete Konditorei-Confiserie mit angeschlossenem Café fast 30 Jahre geführt.

Von morgens früh bis abends spät standen sie im Betrieb. Es gab Wochen, da mussten die beiden mit vier Stunden Schlaf pro Nacht auskommen, weil so viel zu tun war. Jeden einzelnen Tag nahmen sie, als wäre es ihr erster als Unternehmer. Und nun liegt ihr Lebenswerk in Scherben. 18 Monate nach dem Verkauf.

Die Mitarbeiter wurden am Vorabend informiert

Seit letztem Freitag stehen die Kunden an der Bahnhofstrasse 20 vor verschlossenen Türen. Die neuen Besitzer haben über Nacht das Handtuch geworfen. Die rund 15 Angestellten erfuhren am Vorabend, dass sie am nächsten Tag nicht mehr zur Arbeit erscheinen und sofort die Schlüssel abgeben müssen.

Ein Zettel an der Eingangstüre informiert die Kunden über die Schliessung. (Bild: Reto Martin)

Ein Zettel an der Eingangstüre informiert die Kunden über die Schliessung. (Bild: Reto Martin)

Auf ihrer Website schreiben Alexandra und Samuel Sztabholz:

«Schweren Herzens mussten wir unseren Traum aufgeben.»

Und weiter: «Wir bedanken uns für Ihr Vertrauen und Treue.» Der Grund sind offenbar finanzielle Probleme. Das Ehepaar hat eine Überschuldungsanzeige beim Konkursrichter eingereicht, wissen Urs und Bernadette Köppel von ihrem Anwalt.

«Wir haben einen kerngesunden Betrieb übergeben»

Wie es so weit kommen konnte, können die beiden nicht richtig verstehen. «Wir haben unseren Nachfolgern im Mai 2017 einen kerngesunden Betrieb mit einem sehr guten Namen und einer treuen Kundschaft übergeben», sagt Urs Köppel. Sie hätten an keinem einzigen Tag rote Zahlen geschrieben.

Dass die neuen Besitzer die Erfolgsgeschichte nicht weiter schreiben, habe nichts mit den strukturellen Problemen des Detailhandels und schon gar nichts mit Romanshorn zu tun, möchte Bernadette Köppel betont haben. Ausschlaggebend für das schnelle Ende seien unternehmerische Entscheide, drückt sich ihr Mann diplomatisch aus. Bei den Vertragsverhandlungen habe er nicht im entferntesten damit gerechnet, dass es so enden könnte. Das Ehepaar Sztabholz habe in den besten Häusern im In- und Ausland gearbeitet. «So kann man sich täuschen.»

Die Betroffenheit ist gross

Die Konditorei-Confiserie Köppel in Romanshorn wurde unbestimmte Zeit geschlossen. (Bild: Reto Martin)

Die Konditorei-Confiserie Köppel in Romanshorn wurde unbestimmte Zeit geschlossen. (Bild: Reto Martin)

Das Aus trifft Urs und Bernadette Köppel so, als würde ihnen das Geschäft noch immer gehören. «Es war sozusagen unser drittes Kind», sagt Bernadette Köppel. Sie und ihr Mann wollen deshalb alles unternehmen, damit es weiter lebt. Einen sechsstelligen Betrag einzuschiessen, damit ihre Nachfolger die finanziellen Sorgen los sind, kommt für Urs und Bernadette Köppel allerdings nicht in Frage.

Zumal die Bank zu einer solchen Lösung nur Hand bieten würde, wenn die beiden wieder selber in der Backstube beziehungsweise Küche Hand anlegen. «Wir erreichen beide im März beziehungsweise April das Pensionsalter», sagt Urs Köppel.

«Wir können und wollen nicht mehr.»

Er sei aber bereits mit möglichen Interessenten im Gespräch. «Ich bin zuversichtlich, in absehbarer Zeit jemanden zu finden.»

Es geht um den guten Ruf

Urs Köppel ist Lehrmeister des Jahres 2016. (Bild: PD)

Urs Köppel ist Lehrmeister des Jahres 2016. (Bild: PD)

Untergebracht hat Urs Köppel bereits die beiden Lehrlinge, die kurz vor der Lehrabschlussprüfung stehen. «Sie haben einen super Arbeitsplatz.» Sich um die Angestellten zu kümmern, wäre zwar nicht seine Aufgabe. Doch Köppel ist es sich schuldig – als Lehrmeister des Jahres 2016 und Präsident des Thurgauer Konditoren- und Confiseurverbands. Es geht um seinen guten Ruf, den er um keinen Preis verlieren will.

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