Das Kreuzlinger Seenachtfest setzt stärker auf Nachhaltigkeit

Die Organisatoren feilen am Verkehrs- und Abfallkonzept. Vom 9. bis 11. August erwarten sie wieder gut 50'000 Besucher auf dem Hafengelände. 

Judith Schuck
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Blick auf den Lunapark am «Fantastical »letztes Jahr. (Bild: Andrea Stalder)

Blick auf den Lunapark am «Fantastical »letztes Jahr. (Bild: Andrea Stalder)

In Zeiten des Klimawandels und «Friday for Future»-Protesten nehmen die Stimmen, die Events wie das Kreuzlinger Seenachtfest in Frage stellen, zu. Durch die vielen Essensstände und den Luna-Park werden grosse Mengen Abfall produziert. Das Feuerwerk ist vor allem bei Tierschützern, welche die Lärmemission in der Konstanzer Bucht problematisch finden, umstritten. Auch wird immer wieder die Frage der Wasser- und Luftverschmutzung durch das Feuerwerk gestellt.

Die Veranstalter des «Fantasticals» setzen darum auf Nachhaltigkeit. Vom 9. bis 11. August werden um die 50'000 Gäste erwartet. «Davon kommen um die 7000 Personen mit dem Zug», schätzt Werner Fritschi, stellvertretender Geschäftsleiter der Ostschweizer Regionalbahn Thurbo, bei der Medienkonferenz am Dienstag. Das «Fantastical» habe ein sehr gutes Verkehrskonzept, findet er. «Aber der Hafenbahnhof liegt natürlich optimal. Näher als mit dem ÖV kommt man nicht ans Fest.»

64 Extrazüge fahren in die ganze Ostschweiz

Damit möglichst viele Besucherinnen und Besucher mit der Bahn anreisen, werden 64 Extrazüge eingesetzt, die von Samstag auf Sonntag in alle Richtungen bis 4 Uhr verkehren. Der Fahrplan ist nicht nur für die Region Kreuzlingen, sondern die gesamte Ostschweiz auf das Seenachtfest abgestimmt. Fritschi: «Tagsüber fahren die Züge von Schaffhausen und St. Gallen im Halbstundentakt, ab 17 Uhr halten die Züge statt in Konstanz direkt am Kreuzlinger Hafenbahnhof.»

Neben dem Verkehrskonzept sind auch Strom und Abfall Thema. 2019 wird der Strombedarf des «Fantasticals» mit Thurgauer Naturstrom gedeckt. Dieser sei noch ökologischer als reine Wasserkraft, meint Ulrike Schmied von den Technischen Betrieben Kreuzlingen. Neben Wasserkraftwerken und Solarzellen stammt Thurgauer Naturstrom auch aus Biogasanlagen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Abfallreduktion. Rolf Uhler ist im OK des Seenachtsfests für das Ressort Bau und Umwelt zuständig. Durch die Zusammenarbeit mit der Firma Cup & More Mehrweglogistik werde bei Bechern und Flaschen seit Jahren schon ein Pfand-Mehrweg-System genutzt. Zudem sollen Helfer die Standbetreiber beim Abfallsortieren unterstützen.

«Dieses Vorgehen hat sich nicht nur aus umwelttechnischer Sicht bestätigt, sondern das Fest selbst gewinnt, wenn weniger Abfall herumliegt»

ist Uhler überzeugt. Gemeinsam mit der Firma Imhof aus Kreuzlingen seien sie stets daran, sich zu verbessern.

Feuerwerk ist nicht nur heisse Luft

Seit vielen Jahren ist der Pyrotechniker Manuel Hirt von Hirt & Co. Fireworks für das Feuerwerk auf der Schweizer Seite zuständig. Die Umweltverschmutzung betreffend argumentiert er, dass die Rauchwolke beim Feuerwerk vor allem aus «Wasserdampf» bestünde. Nach drei bis vier Minuten sei diese Wolke verschwunden.

Zudem sei Feuerwerk ein wichtiges Kulturgut in der Schweiz, das nur an wenigen Tagen im Jahr zu Belastungen führe. Ein Bericht des Bundesamts für Umwelt rät aber zum sparsamen Umgang mit Feuerwerkskörpern, da sie zu erhöhter Feinstaubbelastung führen.

Auch dieses Jahr wird bereits am Freitag im Hafen ein Feuerwerk gezündet. Das Hauptspektakel findet dann am Samstag nach Einbruch der Dunkelheit statt.