Das Kornhaus in Romanshorn gerät durch den geplanten Hafenpark in Bedrängnis

Die Stadt schafft im überarbeiteten Zonenplan die Voraussetzungen für ein neues Quartier am See. Nicht alle sind erfreut darüber, wie eng es werden könnte.

Markus Schoch
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Blick auf die Baustelle des Kornhauses (rechts) und das dahinter liegende Gelände, das zum Hafenpark werden soll.

Blick auf die Baustelle des Kornhauses (rechts) und das dahinter liegende Gelände, das zum Hafenpark werden soll.

(Bild: Reto Martin)

Bis jetzt war der Hafenpark nicht viel mehr als eine Idee. Nach dem Willen des Stadtrates soll diese Idee jetzt Wirklichkeit werden können. Zwischen Kornhaus und der Werft der Schweizerischen Bodensee Schifffahrt (SBS) ist im überarbeiteten und derzeit öffentlich aufliegenden Zonenplan eine sogenannte Kernzone vorgesehen, die «Gebieten mit zentrumsbildender Funktion» vorbehalten ist.

Entstehen soll ein urbanes Quartier mit Wohnungen und Vergnügungsmöglichkeiten. Heute liegt das Gelände im Besitz der SBB in der Industrie- beziehungsweise Wohn- und Gewerbezone, in der drei Geschosse erlaubt sind. Es hat dort relativ flache (Werft-) Hallen, einen Getreidesilo sowie Gewerberäumlichkeiten.

Mit der Zonenplanänderung setzt der Stadtrat um, was er sich vor fünf Jahren in der räumlichen Entwicklungsstrategie vorgenommen hat und was jetzt im neuen Richtplan steht, wo der Hafenpark als einer der fünf neuen Entwicklungsschwerpunkte von Romanshorn definiert ist.

Das Kornhaus ist das Schlüsselelement für die Entwicklung

Ein Anfang ist bereits gemacht mit dem laufenden Um- und Ausbau des denkmalgeschützten Kornhauses, was sich Besitzer Peter Schnückel 42 Millionen Franken kosten lässt. Die Wohnungen sollen im August bezugsbereit ein. Dass sich das ehemalige Lager der SBB bald mit Leben füllt, ist nach Meinung des Stadtrates zentral für die Entstehung des neuen Stadtteils hinter den Gleisen. Im Richtplan ist von einem «Schlüsselelement» die Rede. Die Behörde spricht von einem «Leuchtturmprojekt».

Das Kornhaus neben der Bunkerwiese ist prägend für das Bild des Hafens von Romanshorn.

Das Kornhaus neben der Bunkerwiese ist prägend für das Bild des Hafens von Romanshorn.

(Bild: Reto Martin)

Das ehemalige Massivlagerhaus gehört gemäss Denkmalpflegerin Bettina Hedinger zu den wichtigsten Bauten von Romanshorn und ist im Kanton Thurgau einzigartig. «Seine Erscheinung und seine Platzierung sind für das Bild des Hafens prägend. Schweizweit gibt es nur wenige ähnliche Bauten», sagte sie bereits 2012.

Wohnungsbesitzer kritisieren Stadtrat

Der Stadtrat wolle auf diese Sonderstellung aber keine Rücksicht nehmen, kritisieren einzelne Besitzer von Wohnungen im Kornhaus. Die Kernzone reicht bis an dessen Grundstücksgrenze. Das heisst: In einem Abstand von nur drei Metern - also etwa neun Meter weg vom Kornhaus - könnten 13,5 Meter hohe Gebäude hoch gezogen werden, die das dominante Sandsteingebäude bedrängen und in den Schatten stellen würden.

Stadtrat Philipp Gemperle.

Stadtrat Philipp Gemperle.

(Bild: PD)

Stadtrat Philipp Gemperle kennt die Bedenken. Er hält sie aber für unberechtigt. Im fraglichen Gebiet habe der Stadtrat eine Gestaltungsplan-Pflicht festgelegt, was städtebaulich beziehungsweise architektonisch gute Lösungen garantiere, die auch die Grenzabstände berücksichtigen würden. Er gehe davon aus, dass diese am Schluss grösser seien als im Baureglement in dieser Zone vorgesehen. Insgesamt verbessere sich mit der Zonenplanänderung die Situation für die Stockwerkeigentümer im Kornhaus , betont Gemperle. Als Nachbarn hätten sie sowieso Einfluss auf die Entwicklung im Hafenpark.

Warum keine Freihaltezone als Abstandshalter?

Die Wohnungsbesitzer im Kornhaus verstehen nicht, warum der Stadtrat nicht jetzt mit dem Zonenplan klare Verhältnisse schaffen will. Gegen den See hin sei eine Freihaltezone geplant. Eine solche könnte die Behörde doch auch südlich des Kornhauses als Abstandshalter schaffen.

So wäre dessen Erhalt als Baudenkmal von nationaler Bedeutung in seiner uneingeschränkten Erscheinung gewahrt, argumentieren die Stockwerkeigentümer. Komme hinzu, dass der Stadtrat mit diesem Vorgehen späteren Streitereien den Nährboden entziehen würde.

ROMANSHORN: Der Weg zur Brücke ist frei

Die Stadt sichert sich Land für den Bau einer Passerelle über die Gleise. «Wir mussten handeln», sagt Stadtrat Christoph Suter. Das Geld sei in jedem Fall gut investiert und nicht verloren.
Markus Schoch