Das Konstanzer Scala-Kino stirbt, der Film dazu lebt und bewegt - sogar über die Grenze

Der Film über die Schliessung des Konstanzer Kinos Scala feierte im Kult-X Schweizer Premiere. Das Kulturzentrum ist die neue Heimat der enttäuschten Cineasten aus der Nachbarstadt.

Urs Brüschweiler
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Regisseur Douglas Wolfsperger diskutiert nach der Filmvorführung mit dem Publikum. (Bild: Reto Martin)

Regisseur Douglas Wolfsperger diskutiert nach der Filmvorführung mit dem Publikum. (Bild: Reto Martin)

Emotionale Achterbahn. Freud und Leid der Kinofans liegen an diesem Filmabend im Kult-X nahe beieinander. Es war ein überaus gelungener Anlass voller Aufbruchsstimmung, jedoch zu einem Thema, das die Anwesenden wütend und traurig macht.

Doch von Anfang an: Douglas Wolfsperger, Berliner Regisseur mit Kreuzlinger und Konstanzer Wurzeln, hat einen Film gedreht. Er handelt von der Schliessung des Kinos Scala an der Konstanzer Marktstätte und seiner Ersetzung durch den fünften Drogeriemarkt «dm» in der Stadt, ebenso wie vom erfolglosen Kampf einer Bürgerinitiative, das zu verhindern. Ein eindrücklicher und emotionaler Streifen, der die Tragödie über das Ende eines Traumortes erzählt. Kommerz und Gewinnsucht verdrängen die Kultur. Wolfsperger stellt Kapitalismus, Lokalpolitik und Einkaufstourismus an den Pranger.

Polemisch oder nicht? Auf jeden Fall subjektiv

Nicht nur die Schar Schweizer Schnäppchenjäger, als so etwas wie das Grundübel, machen den Bezug über die Grenze. Der ehemalige Kreuzlinger Stadtrat Heinz Schmid ist einer der Protagonisten im Film. Rührend sinniert er über die Bedeutung dieses Ortes, der 2016 verloren gegangen ist. In den politischen Szenen des Films scheut sich Wolfsperger dann aber nicht, die Konstanzer Stadtoberen in die Pfanne zu hauen.

Im Gespräch nach der mit langem Applaus bedachten Vorführung fragt der Regisseur sein Publikum gar, ob man seinen Film denn polemisch finde. Von den über 100 Zuschauern am Dienstagabend im Kult-X wollte ihm diesen Vorwurf, der bei der Premiere in Konstanz vergangenen Sonntag an ihn herangetragen wurde, niemand bestätigen. Allerdings lässt er die Konstanzer Lokalpolitiker, allen voran Oberbürgermeister Uli Burchardt, willentlich in einem sehr schlechten Licht erscheinen. Wolfsperger rechtfertigt sich damit, dass er als Filmemacher die Geschichte selbstverständlich subjektiv erzähle.

Der Stadtpräsident sinnierte über das Kino

Gestört hat diese Einseitigkeit in Kreuzlingen niemanden. Auch nicht Burchardts Amtskollege Thomas Niederberger, der im Namen der Stadt Kreuzlingen, die den Film finanziell unterstützte, Grussworte überbrachte. Er dankte Douglas Wolfsperger, dass er diese Emotionen für die Nachwelt festgehalten hat. Niederberger berichtete auch aus der Kino-Vergangenheit Kreuzlingens, das seit der Schliessung der Kinos Bodan (1971) und Apollo (1976) ohne eigenes Lichtspielhaus bestehen muss. «Seither war das Scala das Kreuzlinger Kino in Konstanz», sagt der Stadtpräsident. Und jetzt bestehe die Chance, dass hier etwas Neues entsteht.

Seit einem Jahr gibt es ein Kinoprogramm im Kult-X

Dass der Film im Aufbau begriffenen Kulturzentrum gezeigt wurde, hat einen Grund. Die Filminitiative KuK (Kreuzlingen und Konstanz), bestehend aus einigen Mitgliedern der damaligen Bürgerinitiative, macht seit einem Jahr hier ein Kinoprogramm. 28 Vorführungen gab es in dieser Zeit und 1600 Besucher habe man begrüssen dürfen, berichtet Stefan Döhla. Arthouse-Filmen, solche, die man sonst nicht sieht, wollen sie wieder einen Platz geben. Kult-X-Leiterin Christine Forster dankte dem Filmforum herzlich für sein Engagement. Sie schenkte Döhla ein Maskottchen, den «KuK», und formulierte ein Ziel: Im Kult-X soll sich bald ein fixes Kino mit eigenem Raum etablieren.

Noch zwei Vorführungen in Kreuzlingen

Der Film «Scala Adieu – von Windeln verweht» wird heute, 20 Uhr, und am Sonntag, 17 Uhr, nochmals gezeigt im Kult-X, Hafenstrasse 8. 

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