Das Hin- und Her nervt gewaltig: erste Weinfelder bringen ihre Gutscheine zurück

Der Kanton hält an seiner Aussage fest, dass die Weinfelder ihren Gutschein versteuern müssen. Erste Einwohner wollen ihn deshalb nicht mehr.

Sabrina Bächi
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Diesen Gutschein haben alle Weinfelder erhalten. Da unklar ist, ob dieser versteuert werden muss oder nicht, bringen ihn einige Einwohner zurück.

Diesen Gutschein haben alle Weinfelder erhalten. Da unklar ist, ob dieser versteuert werden muss oder nicht, bringen ihn einige Einwohner zurück.

Bild: PD

Es herrscht ein Kampf zwischen dem Kanton und Weinfelden. Der Grund sind die Gutscheine der Stadt Weinfelden für das von der Coronakrise gebeutelte heimische Gewerbe im Wert von 50 Franken, die alle Weinfelder Einwohner erhalten haben. Der Weinfelder Steuerexperte Christoph Reuss sagt klar:

«Die Gutscheine sind eine Schenkung und somit steuerfrei.»
Marcel Ruchet, Amtsleiter kantonale Steuerverwaltung

Marcel Ruchet, Amtsleiter kantonale Steuerverwaltung

Bild: PD

Das sieht der Kanton anders. Als Reaktion auf das Interview in dieser Zeitung mit Christoph Reuss lässt sich der Amtsleiter der kantonalen Steuerverwaltung, Marcel Ruchet, wie folgt zitieren: «Wir nehmen die Aussagen im Artikel zur Kenntnis. Wir bleiben aufgrund der anwendbaren Reinvermögenszugangstheorie bei unserer steuerrechtlichen Beurteilung, dass die Gutscheine steuerbares Einkommen darstellen.»

Einkommenstheorie aus dem Jahr 1896

Gemäss Steuerexperte Reuss ist die Reinvermögenszugangstheorie eine finanzwissenschaftliche Einkommenstheorie, die aus dem Jahr 1896 stammt. Sie besagt, dass nicht nur regelmässige Einkommen besteuert werden, sondern auch einmalig ausbezahlte. Gewinne, Schenkungen und Erbschaften werden hinzugezählt.

Christoph Reuss, Steuerexperte aus Weinfelden.

Christoph Reuss, Steuerexperte aus Weinfelden.

Bild: Sabrina Bächi

Der Kanton bleibt also bei seiner Auffassung, dass die Weinfelder ihre Gutscheine in der Steuererklärung angeben müssen. Auf die Anfrage, wie die kantonale Steuerbehörde damit umgeht, wenn 500 Weinfelder Einwohner Einsprache wegen Aufrechnung der 50 Franken in der Steuererklärung erheben würden, geht der Amtsleiter nicht ein.

Mehrere Experten sagen, dass Einsprachen zu Änderungen der Steuererklärung einzeln abgehandelt werden müssten, was ein enormer Aufwand für die Behörden bedeuten würde. Auch zur Frage, ob es Kompromisse oder Lösungen gäbe, um diesen Verwaltungsaufwand zu verhindern, nimmt Marcel Ruchet keine Stellung. Es sei zudem die letzte Stellungnahme der kantonalen Steuerbehörde in dieser Angelegenheit.

Behörden haben genug von der Diskussion

Regierungsrat Urs Martin, Vorsteher des Departements Finanzen und Soziales, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Weitere Auskünfte will auch die Stadt nicht mehr erteilen. Es sei für sie nun ein laufendes Verfahren, man wolle die Antwort des Kantons abwarten, heisst es auf Anfrage.

In der Facebook-Gruppe «du bisch vo Wiifelde wenn…» wird die Versteuerung der Gutscheine kontrovers diskutiert. In den Kommentarspalten äussern sich einige User, die sagen, sie würden den Gutschein der Stadt zurückgeben. Angeblich sei dies in einem Fall auch schon passiert.