Als erste Thurgauer Stadt wird Amriswil zur «Fair Trade Town» ernannt

Stadträtin Sandra Reinhart ist sehr erfreut. Sie erklärt, wie Amriswil zu dieser Auszeichnung, die am Samstag verliehen wird, überhaupt kommt.

Interview: Sheila Eggmann
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Stadträtin Sandra Reinhart nimmt am Samstag für Amriswil das Zertifikat «Fair-Trade-Town» entgegen.

Stadträtin Sandra Reinhart nimmt am Samstag für Amriswil das Zertifikat «Fair-Trade-Town» entgegen.

Bild: PD/Stadt Amriswil

Die Stadt Amriswil setzt sich, zusammen mit lokalen Unternehmen und Institutionen, für nachhaltigen und fairen Handel ein. Deshalb erhält sie von Swiss Fair Trade, dem Dachverband der Schweizer Fair-Trade-Organisationen, die Auszeichnung.

Wo kaufen Sie in Amriswil faire Kleider?

Sandra Reinhart: Textilien sind ein schwieriges Thema. Faire Unterwäsche produziert ISA Sallmann. Das Unternehmen ist Teil des Projekts Fair-Trade-Town.

Wie sieht es im Bereich Gastronomie aus?

Wir freuen uns, dass zum Beispiel das Bistro Cartonage oder das Schloss Hagenwil mitmachen. Konkret bedeutet dies, dass sie etwa Kaffee aus fairem Handel anbieten oder mit nachhaltig produziertem Reis kochen. Das motiviert auch andere Restaurants dazu, mitzu- machen. Weitere Teilnehmer sind etwa das Kiebitz Café und das «Du & Ich».

Am Samstag erhält Amriswil das Zertifikat Fair-Trade-Town. Wie kam es dazu?

Üblich wäre, dass eine Stadt eine solche Auszeichnung anpeilt und dann Betriebe sucht, die mitmachen wollen. In Amriswil war das nicht der Fall.

Sondern?

Hier haben sich Bürgerinnen und Bürger gemeldet, welche den fairen Handel etablieren wollten. Sie haben eine Arbeitsgruppe gegründet und unterstützende Unternehmen gesucht. Später sind sie mit ihrem Anliegen an die Stadt gelangt. Für uns war es nur logisch, diese Gruppe zu unterstützen. Dass die Stadt jetzt die Auszeichnung erhält, freut mich unheimlich.

Wieso will man als Stadt denn so etwas?

Da gibt es mehrere Gründe. Die Auszeichnung ist eine Plattform für die beteiligten Betriebe. Und wir können als Stadt zeigen, dass wir bereit sind, mit einem kleinen Aufwand eine grosse Wirkung zu erzielen.

Wie meinen Sie das?

Wir wissen, dass wir nicht die Welt verändern können, wenn wir an einer Veranstaltung fair und regional essen. Aber wir wissen auch, dass viele kleine Schritte wichtig sind.

Welche Schritte werden konkret innerhalb der Stadtverwaltung gemacht?

Wir bieten Kaffee, Schöggeli oder Bananen aus fairem Handel an. Das Ziel ist aber natürlich, das noch auszubauen.

Morgen Samstag lädt die Stadt zum Nachhaltigkeitsmarkt (siehe Kasten). Was planen Sie danach?

Die nächsten Aktivitäten sind offen. Wir wollen noch mehr Firmen und Institutionen gewinnen, die mitmachen. Die Community soll wachsen. Und wir planen auch weiterhin, Veranstaltungen zu organisieren.

Wo wollen Sie persönlich nachhaltiger werden?

Es gibt immer Bereiche, in denen man nachhaltiger sein kann. Ich versuche in erster Linie, regional zu kaufen. Falls dies nicht geht, achte ich auf Labels wie Max Havelaar. Bei Textilien merke ich schon, dass es nicht einfach ist. Es ist mir wichtig, dass ich Geschäfte von Amriswil unterstützen kann. Da bin ich manchmal im Dilemma.

Die Bevölkerung ist zur Feier am Samstag, 22. August, 13.15 Uhr, im Kulturforum Amriswil an der Bahnhofstrasse 22 eingeladen. Das Fest ist eingebettet in einen Nachhaltigkeitsmarkt, der von 10 bis 16 Uhr im Kulturforum und im Villagarten stattfindet.