Glosse
Weihnachten in Hundert Jahren

Räbeblatt: Weihnachten ist das Fest der Traditionen. Doch wie sieht es in der Zukunft Jahren aus? Feiern wir dann immer noch bei Kerzenschein und mit Fondue Chinoise?

Sabrina Bächi
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Sabrina Bächi, TZ-Redaktorin Ressort Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Sabrina Bächi, TZ-Redaktorin Ressort Weinfelden. (Bild: Andrea Stalder)

Weihnachten im Jahr 2118: «Schau Jackson-Julian, das Christkind hat die Palme geschmückt», sagt die Mutter freudig. Doch der Fünfjährige tippt an seine Smartbrille, googelt «Christkind» und sagt: «Netter Versuch, Mami, das ist nur ein Märchen.»

Entnervt stellt sie die Mehlwürmersuppe auf den Tisch. Fondue Chinoise war gestern. Gemeinsam sitzen sie am Tisch. Aus der Küche dröhnt die Stimme des Koch-Roboters: «Guten Appetit.» Gegessen wird mit Kopfhörern. Jeder hört, was er mag. Gemeinsam Lieder singen ist unvorstellbar, denn Musik wird nur noch elektronisch hergestellt.

Christbäume gibt es nicht mehr, da kein Wald mehr vorhanden. So nötig ist die festliche geschmückte Tanne auch nicht mehr. Geschenke kaufen sich selbst Kleinkinder das ganze Jahr über bei Ebay. Statt der Bescherung und dem anschliessenden Schlitteln im Schnee macht es sich die Familie im Pool bei 25 Grad gemütlich.

Weihnachten im Jahr 2018: Ich bin froh, essen wir noch Fondue Chinoise und haben einen Christbaum und zum Glück singen wir noch Lieder. Das ist der schönste Teil an Weihnachten. Denn wir haben ein Familienlied, dass ich nur dieses eine Mal im Jahr singe. Wer mich sieht und danach fragt, hat vielleicht Glück und ich singe es ihm oder ihr vor. Meine Versicherung übernimmt jedoch keine Haftung für Gehörschäden. In diesem Sinne: Ihnen allen ein besinn(g)liches Fest.