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«Das Erfolgsgeheimnis sind Zuckereili»: Unterwegs am Osterhasen-OL in Weinfelden

Am Samstag fand in Weinfelden der traditionelle Osterhasen-Orientierungslauf statt. Mutige konnten dafür eine 300 Jahre alte Karte benutzen.
Tobias Bolli
Die Posten des Osterhasen-OL waren jeweils an historischen Orten in Weinfelden angebracht. (Bild: Reto Martin)

Die Posten des Osterhasen-OL waren jeweils an historischen Orten in Weinfelden angebracht. (Bild: Reto Martin)

Die Sonne strahlt kräftig an diesem Ostersamstag, unumschränkt regiert sie den Himmel, aus dem sich noch das letzte Wölkchen verflüchtigt hat. So manchen Zeitgenossen drängt es da nach draussen, das Regiment, das nicht ewig dauern kann, zu geniessen. Selbst bei diesem Wetter hätte man die Heerscharen aber nicht erwartet, die am Samstag in Weinfelden anzutreffen waren.

Das Erfolgsgeheimnis sind Zuckereili

Vom Pestalozzi Schulhaus in Gruppen ausschwärmend, spazierten, gingen und rannten die Leute, wobei für einmal sogar die Nebensträsschen eifrig benutzt wurden. Manchmal wurde Halt gemacht und die Kinder – manche Erwachsene nicht ausgenommen – langten in ein Honigglas, aus dem sie bunte Zuckereili fischten. Frisch motiviert ging es weiter zum nächsten Posten und zur nächsten zuckerhaltigen Zwischenverpflegung.

Die Zuckereili sind Tradition beim Osterhasen OL, für den sich gemäss Organisator Urs Keller heuer über 1000 Leute nach Weinfelden locken liessen. Er verrät:

«Unser Erfolgsgeheimnis sind Zuckereili und – keine Ranglisten.»

Es ist ein Orientierungslauf, der ganz ohne Zeitdruck auskommt und sich in erster Linie an Familien richtet. «Man ist draussen und kann etwas Gescheites machen», sagt Keller und meint damit das Kartenlesen. Eine Fähigkeit, die in Zeiten von GPS und Google Maps mehr und mehr zu verkümmern droht.

19 Bilder

Orientierungslauf in Weinfelden: Ostereili weisen den Weg

Mit der ältesten Karte des Orientierungslaufs auf Tour

Dessen eingedenk, schnappte sich auch der Autor zwei Karten und machte sich – dem Smartphone abschwörend, sich jeden Blick darauf verbietend – wildentschlossen auf den Weg. Die eine Karte war wie üblich auf dem allerneusten Stand, war Tage zuvor auf das kleinste Detail hin überprüft worden. Bei der anderen handelte es sich um die wohl älteste Karte in der Geschichte des Orientierungslaufs, um einen Plan von 1695, den Urs Keller im Bürgerarchiv aufgestöbert hatte.

Tatsächlich liessen sich darauf Strassen und Gebäude ausmachen, die noch heute bestehen und hätten Orientierung stiften können. So gross war die Selbstüberschätzung des Autors allerdings nicht – zunächst sollte ein Versuch mit der modernen Karte unternommen werden. Ungewohnt war auch der Umgang mit dieser. Für einmal zeigten keine blauen Linien haargenau den Weg an, geschweige denn, dass eine sympathische Stimme die nächste Kurve angekündigt hätte.

Weinfelden von einer völlig neuen Seite

Und so blieb nichts, als sie eigenhändig nach Norden auszurichten und jene darauf verzeichneten Objekte – die sich keinesfalls bequem heranzoomen liessen – einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Eine gewisse Ungeduld kürzte diese Betrachtung und mit einem «Ich weiss nun, wo das liegt» wurde der Orientierungslauf in Angriff genommen.

Ein Glücksgefühl ohnegleichen als nach längeren Abkürzungsversuchen – die Weinfelden von einer völlig neuen Seite zeigten – endlich ein Posten erspäht wurde. Ein Vergleich der Nummern ergab: Das war auf der Karte bereits der zweite Posten!

Der erste war vom Autor nolens volens übersprungen worden. Allein: Das Wetter war schön – und im Honigglas lagen noch ein paar Zuckereili.

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