Das Erbe Thomas Bornhausers

1831 gründete Thomas Bornhauser die liberale Zeitung «Der Wächter». Daraus entstand 1968 die «Thurgauer Tagblatt AG». Dieses Jahr feiert das Familienunternehmen sein 50-jähriges Bestehen.

Sabrina Bächi
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m Untergeschoss des Neubaus wird das «Thurgauer Tagblatt» gedruckt. (Bild: PD/Thurgauer Tagblatt AG)

m Untergeschoss des Neubaus wird das «Thurgauer Tagblatt» gedruckt. (Bild: PD/Thurgauer Tagblatt AG)

Heute ist das «Thurgauer Tagblatt» keine Zeitung mehr, sondern eine Druckerei. Als solche sfeiert das Unternehmen heuer sein 50-jähriges Bestehen. Die Geschichte des Unternehmens reicht jedoch viel weiter zurück und ist eng mit der Entwicklung Weinfeldens verbunden.

Nach der französischen Julirevolution 1830 löst der Weinfelder Pfarrer Thomas Bornhauser mit seiner Schrift «Über die Verbesserung der thurgauischen Staatsverfassung» eine Volksbewegung aus. Schliesslich schreibt er den Entwurf einer liberalen Verfassung. Am 26. April 1831 nimmt das Stimmvolk diese an. Bornhauser und seine Mitstreiter beschliessen nach dem Sieg an der Urne, eine eigene Zeitung herauszugeben.

«Der Wächter» entsteht

Am 1. Juli erscheint die erste Ausgabe des «Wächters». Das Blatt nimmt für sich in Anspruch, ein kantonales Organ zu sein und tritt somit bewusst in Konkurrenz zu der in Frauenfeld erscheinenden «Thurgauer Zeitung». Dass die liberale Gazette in Weinfelden produziert wird, ist unter anderem Mitgründer Thomas Bornhauser zu verdanken. Nach einigen turbulenten Wechseln und Namensänderungen entsteht am 2. April 1889 das «Thurgauer Tagblatt». Dieses stellt sich in den Dienst «des demokratisch-volkswirtschaftlichen Fortschritts».

Nach und nach hält auch der technische Fortschritt Einzug und die Druckerei wird stetig verbessert. Zum 125-jährigen Bestehen der Zeitung 1955 hat das «Tagblatt» eine Abonnentenzahl von 4000 erreicht und beschäftigt 33 Mitarbeiter. Durch die grossen Dimensionen gerät vor allem der Druckbetrieb in Platznot. Ein Neubau wird angestrebt. Und zwar auf der Südseite des Bahnhofs. Am 1. Dezember wechselt das «Tagblatt» in das moderne Gebäude an der Schützenstrasse, wo sich der Sitz des Unternehmens noch heute befindet.

Ein entscheidendes Jahrzehnt

Die 1960er Jahre sind für das «Tagblatt» ein entscheidendes Jahrzent. Denn die damaligen Inhaber Oscar und Werner Schlaepfer machen sich Gedanken um die Zukunft ihres Unternehmens. Da es keine familieninterne Nachfolge gibt, das Unternehmen sich jedoch positiv entwickelt, fassen sie den Entschluss, die Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln.

Der Neubau des «Thurgauer Tagblatts» in den 1960er Jahren. (Bild: PD/Thurgauer Tagblatt AG)

Der Neubau des «Thurgauer Tagblatts» in den 1960er Jahren. (Bild: PD/Thurgauer Tagblatt AG)

An dieser Stelle tritt nun erstmals Paul Ruckstuhl in Erscheinung. 1965 übernimmt er die Geschäftsleitung der «Bodan AG» in Kreuzlingen. «Mein Vater wusste, dass die Zukunft des Unternehmens vor allem in den Synergien liegt», erzählt Claudia Ruckstuhl, heutige Geschäftsleiterin der «Thurgauer Tagblatt AG». So scheint es Paul Ruckstuhl nur logisch, die Synergien zwischen der «Bodan AG» und der «Thurgauer Tagblatt AG» zu nutzen.

Ruckstuhl wird Verwaltungsrat

Er wird als Delegierter in den Verwaltungsrat gewählt und nimmt fortan Einfluss in die Entwicklung beider Unternehmen. An der ersten Verwaltungsratssitzung werden die Weichen gestellt: Schwerpunkt soll die Entwicklung des Offsetdruckes sein. «Mein Vater hatte eine hohe Affinität zur Technik», sagt Claudia Ruckstuhl. Er sei mehr als Unternehmer gewesen. Ein Patron, für den die Mitarbeiter wie eine grosse Familie waren.

Er sei auch oft zuhause gewesen. «Er ging dann abends, nachdem wir Kinder im Bett waren, nochmals arbeiten», erzählt Ruckstuhl. Am Wochenende durften sie und ihr Bruder Urban mit in die Druckerei. «Das hat mich von Anfang an geprägt und auch sehr interessiert», sagt sie. «Das gibt auch eine enge Bindung ans Geschäft.»

Noch heute ist der Betrieb ein Familienunternehmen. Nachdem Paul Ruckstuhl 1977 die Geschäftsleitung übernommen hat und 1995 zum Verwaltungsratspräsident gewählt wird, folgen 1998 die Kinder von Paul Ruckstuhl Claudia und Urban als Mitglieder im Verwaltungsrat.

Zusammenschluss mehrerer Zeitungen

Um die Jahrtausendwende folgt mit dem Zusammenschluss mehrerer Zeitungen und des «Thurgauer Tagblatts» der endgültige Untergang von Bornhausers Erbe. Was übrig bleibt ist die Druckerei «Thurgauer Tagblatt AG», die bis heute in Weinfelden erfolgreich geschäftet.

2012 stirbt Patron Paul Ruckstuhl, womit die Leitung auf dessen Kinder übergeht. «Ich wäre oft froh um den Rat meines Vaters», verrät Claudia Ruckstuhl. Doch auch früher mussten schwierige Entscheidungen getroffen werden, nicht nur heute.

Für die kommenden 50 Jahre wünscht sie sich ein weiterhin erfolgreiches Weiterkommen, dass nah bei den Kunden ist. Genau so wie es ihr Vater einst riet: «Um erfolgreich zu sein, musst du persönliche Energie investieren und die technologische Entwicklung forcieren.