Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Das Egnacher Schloss Luxburg lottert weiter vor sich hin – bis im Sommer soll über seine Zukunft entschieden werden

Die Luxburg hat ihre guten Zeiten längst hinter sich. Auch nach dem Tod von Inhaber Stefanini bleibt die Zukunft des historischen Baudenkmals ungewiss. Ein Verkauf an die Gemeinde ist nicht ausgeschlossen.
Jana Grütter
Die Luxburg aus dem 14. Jahrhundert ist in den letzten Jahren kaum unterhalten worden. (Bild: Reto Martin)

Die Luxburg aus dem 14. Jahrhundert ist in den letzten Jahren kaum unterhalten worden. (Bild: Reto Martin)

Das vermeintliche Märchenschloss aus dem 14. Jahrhundert gleicht einer heruntergekommenen Ruine. Denn die Luxburg, das wertvolle Baudenkmal nahe dem See, ist schon lange Zeit kaum unterhalten worden. Das Schlössli befindet sich seit knapp dreissig Jahren im Besitz der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte des Winterthurer Immobilienkönigs und Kunstsammlers Bruno Stefanini.

Im vergangenen Dezember ist Stefanini im Alter von 94 Jahren gestorben. Testamentarisch hat er festgelegt, dass sein gesamtes Privatvermögen, unter anderem über 200 Liegenschaften, in den Besitz der Stiftung übergehen. So übernimmt nun die Tochter des Verstorbenen, Bettina Stefanini, die Verwaltung des Erbes. Ein Versuch der Gemeinde, das Schloss dem verstorbenen Besitzer abzukaufen und einer eigenen Stiftung zu überführen, scheiterte einst.

«Das ist aber schon zehn Jahre her», sagt Gemeindepräsident Stephan Tobler. Dazumal habe mit dem Kaufangebot zwecks gängiger Lösung eher provoziert werden wollen.

«Falls sich die Stiftung nun doch bereit erklärt, die Luxburg zu verkaufen, wird in der Gemeinde neu diskutiert»

Denn bis jetzt weiss Tobler nach eigenen Angaben noch nicht, wie es mit dem Schloss weitergehen soll.

Vor kurzer Zeit hat ein Gespräch zwischen Stephan Tobler und Bettina Stefanini stattgefunden, die seit vergangenem Sommer Stiftungsratspräsidentin ist. «Im Moment möchte ich mir alle Möglichkeiten für das Schloss offen halten», sagt Stefanini. In trockenen Tüchern sei bis jetzt noch nichts.

«Mir geht es keinesfalls darum, das Schloss so schnell wie möglich und um jeden Preis loszuwerden»

Bettina Stefanini (Bild:PD)

Bettina Stefanini (Bild:PD)

Doch zeigt sie sich gegenüber einem Verkauf an die Gemeinde nicht abgeneigt. «Ich möchte eine optimale Lösung für alle Beteiligten finden.» Auch könne sie sich einen Verkauf an eine andere Stiftung mit ähnlicher Ausrichtung vorstellen. «Vor den Sommerferien treffe ich mich nochmals mit Herrn Tobler.» Dann soll die endgültige Zukunft der Luxburg feststehen. Und bald der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden.

Seit 2013 tobt ein Streit um Macht und Geld. Die Kinder des Immobilienkönigs, Bettina und Vital Stefanini, kämpfen gegen die ehemaligen Stiftungsräte Markus Brunner und Umit Stamm. Die beiden Parteien rissen sich zuerst um das Recht, den Stiftungsrat zusammensetzen zu können.

Die grosse Ironie: Beide Parteien behaupten, im Willen des Stiftungsgründers zu handeln. Dessen Gesundheitszustand hatte sich indes nach einer Operation 2013 stark verschlechtert: Gerüchte über eine Demenz von Inhaber Stefanini kamen auf. Gegen Bettina Stefanini wurde Anfang 2017 ein Strafverfahren wegen Nötigung eingeleitet. Brunner wirft ihr vor, den Stiftungsrat unter Druck gesetzt zu haben.

Bundesgericht entscheidet für Stefanini-Kinder

Im letzten Juni hat das Bundesgericht den beiden Geschwistern Recht gegeben. Die juristische Instanz musste vordergründig entscheiden, ob Bruno Stefanini noch zurechnungsfähig war, als er eine Änderung der Stiftungsurkunde unterschrieb. Und zwar jene, die Stamm und Brunner dazu befähigte, den Stiftungsrat zusammenzusetzen. Das Gericht kam in seinem Urteil zum Schluss, dass Stefanini zum Zeitpunkt der Änderung die Komplexität nicht mehr bewerten konnte.

Der Streit hat für die ehemaligen Stiftungsräte Brunner und Stamm ein juristisches Nachspiel. In Kürze werden sie sich wegen Urkundenfälschung vor dem Bezirksgericht Winterthur verantworten müssen. Ihnen drohen laut der Staatsanwaltschaft bedingte Geld-
strafen.

Der Immobilienkönig

Bruno Stefanini kam 1924 als Sohn eines Italieners und einer Glarnerin zur Welt. Er studierte Naturwissenschaften an der ETH Zürich. Zu Beginn seiner Laufbahn investierte er den Ertrag des elterlichen Restaurants in ein günstiges Mietshaus. Bald darauf baute Stefanini seine erste Liegenschaft. Während des Wirtschaftsbooms der 50er- und 60er-Jahre wurde er zu einem der grössten Immobilienbesitzer des Landes. Ab den 70er-Jahren betrieb Stefanini den Ankauf von Kunstwerken und historischen Objekten. 1980 gründete er die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte. Seine Kunstsammlung gehört heute zu den grössten und wertvollsten der Schweiz.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.