Das Bünzlitum rockt in Alterswilen

Am Samstag luden die Turnvereine mit ihrer Abendunterhaltung auf den Campingplatz ein. Eine gelungene Show.

Viviane Vogel
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Diese jungen Schwinger sind nicht nur stark, sondern auch noch akrobatisch gut.

Diese jungen Schwinger sind nicht nur stark, sondern auch noch akrobatisch gut.

(Bild: Reto Martin)

Deutsche, Franzosen, Thailänder, Engländer und Schweizer – an keinem wird ein gutes Haar gelassen. «Ach, die kleinkarierten Schweizer Camper und die chaibe Schneckenfresser», regt sich die bucklige Theaterfigur Albert auf und wedelt mit seinem Gehstock. Auch Greta Thunberg wird scherzhaft erwähnt, allerdings schlägt sich Albert am Ende doch auf ihre Seite: «CO2 neutral zu fliegen ist so, als schlage man seine Frau, mit der Rechtfertigung, man bezahle ja auch die Arztrechnung.»

Die Abendunterhaltung «Chliikariert» der Turnvereine Neuwilen und Alterswilen läuft wie geschmiert und wesentlich unpolitischer, als es obiger Scherz Glauben macht. Moderiert von diversen Charakteren geben die Sportler in der Turnhalle Alterswilen Vollgas.

Die kleinen Knirpse sind grosse Stars

«Die Kleinsten sind einfach goldig», schmunzelt eine Besucherin, während auf der Bühne Zwergli mit Bart und Zipfelmütze durch die Luft gewirbelt werden. Eines vergisst seinen Einsatz und schaut verwirrt in die Luft. Sein Mitturner stösst es gestresst in den Rücken und flüstert ihm eindringlich zu, was es machen muss. Beim Muki-Turnen sind die Kinder als Geistli verkleidet. Am Ende der Aufführung geht eines vor dem Vorhang verloren und findet nicht mehr zurück. Erleichtert kichern die Besucher, als ein Erwachsener hinter dem Vorhang hervorguckt und das verlorene Geistli abschleppt.

Die Turnshow markiert den Saisonstart. Entsprechend hoch ist der Erfindermut. Solche Abendunterhaltungen sind nicht zuletzt zum Ausprobieren da. So wird mitten in den Besucherrängen geturnt; es schaukelt ein Geräteturner an den Ringen hoch über den Köpfen der Zuschauer, und landet zwischen den Tischen. Die Buben der Jugi bahnen sich ihren Weg durch die Reihen, jeweils zwei in einer Hebefigur. Ihre Füsse schweben auf Kopfhöhe und rammen hie und da einen Besucher. Andere Gruppen setzen aus mehreren Menschen einen riesigen Propeller und einen meterlangen Wurm zusammen.

Sie nehmen sich nicht allzu ernst

Die Männerriege startet ihren Beitrag mit zwei Synchronschwimmern in rot-weissen Badehosen aus den 20er Jahren, die in ihren Bewegungen an Donald Duck erinnern. Ihr Auftritt beweist, dass man im Kemmental Selbstironie beherrscht und gut spotten kann. «Es ist die perfekte Mischung aus lockerem Humor und sportlichen Leistungen», sagt Besucher Vladislaw Sommer in der Pause. Seine Erwartungen an die Show sind übertroffen worden.

Geräteturnerin Samira Zanini ist ebenfalls zufrieden, sieht aber noch Steigerungspotenzial. «Mir ist kein Fehler unterlaufen. Aber es ist doch hie und da etwas schief gegangen. Das können wir noch besser.» Schlussendlich sei die Reaktion auf einen Patzer jedoch das Einzige, was zählt. «Was in die Hose ging, konnten wir gut retten.»

Die Turner zeigen ihre Show noch einmal am Freitag, 3. Januar, und am Samstag, 4. Januar. Beginn jeweils um 20 Uhr.

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