Das Break war für den HC Thurgau zum Greifen nah

Der HC Thurgau verliert das fünfte Playoff-Spiel auswärts gegen Ajoie mit 2:3 nach Verlängerung. Auch, weil nach dem 2:1 der Thurgauer nur 22 Sekunden vergehen, bis die Jurassier wieder ausgleichen. In der Best-of-7-Viertelfinalserie steht es damit 3:2 für Ajoie. Das sechste Spiel findet am Mittwoch um 19.45 Uhr in Weinfelden statt.

Matthias Hafen, Pruntrut
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Das fünfte Playoff-Spiel gegen Ajoie war für die Thurgauer vor allem eine Abwehrschlacht. Goalie Nicola Aeberhard, Simon Seiler und Adam Rundqvist (von links) verteidigen gegen Ajoies Franko-Kanadier Philip-Michael Devos (Topskorer) und Jonathan Hazen. (Bild: Guillaume Hentzi/Photo Bist)

Das fünfte Playoff-Spiel gegen Ajoie war für die Thurgauer vor allem eine Abwehrschlacht. Goalie Nicola Aeberhard, Simon Seiler und Adam Rundqvist (von links) verteidigen gegen Ajoies Franko-Kanadier Philip-Michael Devos (Topskorer) und Jonathan Hazen. (Bild: Guillaume Hentzi/Photo Bist)

Es sind Momente, in denen man aus Thurgauer Sicht an allen erdenklichen Eishockey-Göttern zweifelt. In der 51. Minute, unmittelbar nach zwei aufeinanderfolgenden Strafen gegen den HCT, traf Verteidiger Sami El Assaoui zum 2:1. In einer Phase, in der die Thurgauer arg unter Druck geraten waren, hatte El Assaoui einen Blitzmoment, kämpfte sich vors gegnerische Tor und vollendete dort zur wichtigen Führung zu Gunsten seines Teams. Der grosse Einsatz in einer beispiellosen Abwehrschlacht gegen den Qualifikationszweiten schien sich auszuzahlen für den HC Thurgau. Doch weit gefehlt!

Es lief noch immer die 51. Minute, als Verteidiger Patrick Parati hinter dem eigenen Tor einen Angriff lancieren wollte. Der Puck an seiner Schaufel wurde aber zur Beute von Ajoies Topskorer Philip-Michael Devos, der auf gut Glück einfach mal wuchtig an Paratis Stock schlug. Von dort glitt die Scheibe so unglücklich zwischen dem Pfosten und dem Schoner von HCT-Goalie Nicola Aeber­hard ins Netz, dass die Jurassier das Spiel 22 Sekunden nach dem 1:2 wieder ausgeglichen hatten. 

Mit grossem Kampf in die Verlängerung gerettet

Weg waren die Flügel, die den Thurgauern durch El Assaouis 2:1 gewachsen waren. Dafür hatten nun die Ajoulots mit der Unterstützung der gut 2000 Zuschauer allen Wind in ihren Schwingen. Zu diesem Zeitpunkt war es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Favorit die Entscheidung herbeiführte. Mit grossem Einsatz retteten sich die Thurgauer noch in die Verlängerung, kamen aber auch dort wie in einem Unterzahlspiel unter Druck. Als Mathias Joggi in der 63. Minute zum 3:2 traf, war das nicht mehr als die Konsequenz des Spielverlaufs. Ajoie zeigte zwei Tage nach der 1:4-Niederlage in Weinfelden wieder einen sehr soliden, energiegeladenen Auftritt.

Für den HC Thurgau war das Break im fünften Spiel der Best-of-7-Serie zum Greifen nah gewesen. Doch die Gäste hätten im äussersten Jura-Zipfel die Entscheidung früher herbeiführen müssen. Entweder, indem sie die späte 2:1-Führung länger verwaltet hätten. Oder, indem sie zuvor die eine oder andere Chance mehr genutzt hätten. Cody Wydo etwa traf mit der Schlusssirene des ersten Drittels, beim Stand von 1:0 für die Gäste, den Pfosten. Und auch der omnipräsente Lars Frei hatte nach seinem Führungstreffer in der 14. Minute im zweiten Drittel das 2:0 auf der Schaufel. Sein Schuss ging jedoch Millimeter am Tor von Ajoie-Goalie Dominic Nyffeler vorbei. Dafür traf wenige Minuten später Ajoies Joggi zum 1:1. So ungerecht kann der Sport manchmal sein.

Die nächste Niederlage bedeutet das Saisonende

Für den HC Thurgau gibt es nach der 2:3-Niederlage in Pruntrut eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: Die Mannschaft von Trainer Stephan Mair spielte auch in dieser Begegnung von Anfang bis zum Schluss auf Augenhöhe mit dem Favoriten und hätte das Spiel mit etwas mehr Fortune und etwas weniger individuellen Fehlern zu ihren Gunsten entscheiden können. Die schlechte Nachricht ist, dass die Partie vom Sonntagabend die letzte war, in der die Thurgauer wirklich unbeschwert hatten auftreten können. Im sechsten Spiel vom kommenden Mittwoch um 19.45 Uhr in Weinfelden droht das Saisonende.

Aus psychologischer Sicht steht nun die grösste Herausforderung an für das Trainerduo Stephan Mair/Beni Winkler. Sie müssen ihre Spieler im Kopf wieder fitkriegen, um auch das dritte Heimspiel in dieser Viertelfinalserie zu gewinnen. Athletisch scheinen die Thurgauer, die in diesem Playoff bislang keinen Verletzten zu beklagen haben, weiterhin auf der Höhe zu sein. Und auch spielerisch müssen sie sich nicht verstecken. In einer solch ausgeglichenen Playoff-Serie wie zwischen Ajoie und Thurgau kann jedes Detail den Ausschlag geben. Und zu diesen Details gehört auch, ob man zur richtigen Zeit ein Quäntchen Wettkampfglück hat oder nicht.

Ajoie – Thurgau 3:2 n.V. (0:1, 1:0, 1:1)

Voyeboeuf, Pruntrut – 2369 Zuschauer – SR Borga/Gäumann, Huguet/Betschart.
Tore: 14. Frei (Moser) 0:1. 35. Joggi (Devos) 1:1. 51. (50:34) El Assaoui (Michael Loosli, Eric Arnold) 1:2. 51. (50:56) Devos (Schmutz) 2:2. 63. Joggi (Wüst) 3:2.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Ajoie, 5-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
Ajoie: Nyffeler; Hauert, Ryser; Pouilly, Birbaum; Dotti, Casserini; Suleski; Schmutz, Devos, Hazen; Schmidt, Frossard, Forrer; Joggi, Privet, Wüst; Kohler, Montandon, Macquat; Puide.
Thurgau: Aeberhard; Seiler, Parati; Collenberg, Steinauer; Wildhaber, El Assaoui; Hänggi; Wydo, Fuhrer, Ryan; Janik Loosli, Rundqvist, Merola; Eric Arnold, Brändli, Michael Loosli; Moser, Hollenstein, Frei; Bahar.
Bemerkungen: Ajoie ohne Weisskopf (Fribourg/NLA), Blaser, Thibaudeau und Fabio Arnold (alle überzählig). Thurgau ohne Gurtner, Schweri (beide Rapperswil-Jona/NLA), Vogel, Kellenberger, Zanzi, Rattaggi (alle überzählig). – 20. (20:00) Pfostentreffer Wydo. – 59:39 Time-out Ajoie.