«Da kommt viel Arbeit auf uns zu»: Die Stürme haben in den Thurgauer Wäldern grosse Schäden angerichtet – und halten die Förster auf Trab

Die Schäden im Wald werden die Förster im Mittelthurgau noch Monate beschäftigen. Die Gefahr ist momentan nicht nur für die Waldarbeiter gross, auch Spaziergänger sollten den Wald meiden.

Mario Testa
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Revierförster Roman Guntersweiler neben einer abgeknickten Fichte, die von der Rotfäule befallen ist.

Revierförster Roman Guntersweiler neben einer abgeknickten Fichte, die von der Rotfäule befallen ist.

(Bild: Mario Testa)

Lolita, Petra und Sabine halten die Förster auf Trab. Die Stürme der vergangenen Tage und Wochen haben grosse Schäden in den Wäldern angerichtet. «Am meisten geknickte und umgestürzte Bäume hatten wir nach ‹Petra›. Auf dem Ottenberg hat nun aber ‹Sabine› besonders gewütet», sagt Revierförster Roman Guntersweiler.

Bei einem Augenschein am Dienstagabend im einsetzenden Schneetreiben sind tatsächlich viele abgeknickte und umgekippte Fichten zu sehen, eine liegt über der Ottenbergstrasse.

«Gesunde Bäume kippen meist mitsamt ihren Flachwurzeln, während beispielsweise Weisstannen mit ihren Pfahlwurzeln abknicken»
Kein Durchkommen auf der Ottenbergstrasse. Diese Tanne versperrt den Weg, überall liegen Äste.

Kein Durchkommen auf der Ottenbergstrasse. Diese Tanne versperrt den Weg, überall liegen Äste.

(Bild: Mario Testa)

Weiter erklärt der Förster: «Wenn eine Fichte abknickt, dann meist, weil sie krank ist. Beispielsweise von der Rotfäule befallen.» Guntersweiler zeigt auch gleich ein solches Beispiel, gut ist bei der abgeknickten Fichte die rote Färbung im inneren des Stamms zu erkennen.

Klare Prioritäten beim Aufräumen

In den Wäldern auf dem Ottenberg sind unzählige Bäume zu sehen, die schräg in der Landschaft stehen oder am Boden liegen. «Da kommt in den kommenden Monaten viel Arbeit auf uns zu», sagt der Förster. Nach einem Sturm gelte jeweils eine klare Prioritätenliste.

«Zuerst werden Kantonsstrassen geräumt, dann Gemeindestrassen und dann die Waldstrassen. Erst danach machen wir uns im Wald ans aufräumen.»

Die ersten vor Ort nach einem Sturm seien jeweils die Feuerwehrleute. «Sie bieten uns auf, wenn sie mit ihrem Material und ihren Leuten nicht mehr weiter kommen. In den Gemeinden sind die Bauämter zuständig und ziehen uns bei, wenn es nötig wird. Die Waldstrassen und später die Wälder sind unser Einsatzgebiet.»

Während die Forstreviere beispielsweise in Wäldern der Bürgergemeinden auf eigenes Gutdünken aufräumen, müssen sie bei Schäden im Privatwald immer zuerst die Besitzer kontaktieren. «Sie bezahlen uns ja auch die Arbeit, der Erlös vom Holzverkauf gehört aber natürlich den Besitzern.»

Rückschlag auch im Kampf gegen den Borkenkäfer

Aufräumen nach Stürmen birgt auch für die Profis vom Forstrevier Gefahren. Viele Bäume stehen unter Spannung, vereinzelt hängen noch Äste in den Kronen der Nachbarbäume, die jederzeit herunterfallen könnten. Deshalb sei es auch wichtig, dass Passanten sich richtig verhalten. «Im Moment rate ich absolut ab vor Waldspaziergängen. Es braucht einige Tage bis wir nur schon das Gröbste aufgeräumt haben und sich die letzten Äste gelöst haben. Ganz wichtig ist auf alle Fälle, dass sich die Leute an die Absperrungen und Fahrverbote halten.»

Bild der Zerstörung: Vor allem an den exponierten Stellen haben die Stürme Dutzende Bäume entwurzelt oder geknickt.

Bild der Zerstörung: Vor allem an den exponierten Stellen haben die Stürme Dutzende Bäume entwurzelt oder geknickt.

(Bild: Mario Testa)

Für Roman Guntersweiler ist klar, dass er und seine Männer künftig vermehrt mit Sturmschäden zu tun haben werden. Er sagt:

«Da muss man nur die letzten paar Jahre anschauen, die Extremereignisse haben sich gehäuft. Im Sommer und Winter hatten wir einige Stürme mehr als früher»

Besonders ärgerlich seien die jetzigen Sturmschäden im Wald wegen des Borkenkäfers. «Wir haben in den vergangenen Jahren viel unternommen gegen diesen Schädling und waren guten Mutes, den Höhepunkt überschritten zu haben. Und nun liegen wieder Unmengen an Futter für die Käfer herum.»

Die Forstreviere seien deshalb besonders gefordert, die zersplitterten Tannen schnellst möglich aus dem Wald zu schaffen. Roman Guntersweiler schätzt, dass in den vergangenen Wochen etwa 3000 Kubikmeter Sturmholz in seinem Revier angefallen sind. Also rund ein Viertel des gesamten Jahresschlags.

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