Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Das Arbeitsheim für Behinderte Amriswil findet immer eine Nische

Nach ein paar ausgezeichneten Jahren ist beim ABA wieder Normalbetrieb eingekehrt. Die Auslastung der Produktion ist gut, die angebotenen Wohnplätze sind weitgehend belegt. Damit seien sie auf Kurs, sagt Geschäftsleiter Daniel Brunner.
Rita Kohn
Daniel Brunner, Leiter des Arbeitsheimes für Behinderte Amriswil (ABA), in der Produktion. (Bild: Reto Martin)

Daniel Brunner, Leiter des Arbeitsheimes für Behinderte Amriswil (ABA), in der Produktion. (Bild: Reto Martin)

Privilegiert seien sie, sagt Geschäftsleiter Daniel Brunner. Er blickt durch das Fenster seines Büros im Altbau auf die verschiedenen Gebäude, die sich lose in einer Gartenlandschaft gruppieren. Die Lage des Arbeitsheims für Behinderte Amriswil(ABA) mitten in der Stadt sei für die Bewohnerinnen und Bewohner ein Stück Lebensqualität. «So können sie mal ein Bier in der Beiz nebenan trinken, oder nach Arbeitsschluss noch was einkaufen, ohne den Bus nehmen zu müssen.»

Die zentrale Lage hat aber auch ihre Nachteile. So stösst das ABA inzwischen an räumliche Grenzen. Die Lagerkapazitäten reichen bei weitem nicht mehr aus, es mussten bereits zwei dezentrale Lager dazu gemietet werden. Und durch die zunehmende Technologisierung wird es auch in der Fertigung eng. Es werde in den nächsten Jahren eine Herausforderung sein, diese Probleme zu lösen. Am liebsten würde das ABA die eine oder andere Nachbarliegenschaft übernehmen, so dass vor Ort ausgebaut werden könnte. «Wir wollen ein Zweitwerk vermeiden.»

Alle Bereiche sollen kostendeckend arbeiten

Heute liegt das Hauptgewicht beim ABA auf der Holzverarbeitung. Das wird sich zwar nicht vollständig ändern, doch möchte die Geschäftsleitung die anderen Teilbereiche wie Gärtnerei, Textil- und Metallverarbeitung stärken. «Sie sollen in absehbarer Zukunft kostendeckend arbeiten», sagt Daniel Brunner.

Für das ABA ist es elementar, Arbeitsplätze in ganz verschiedenen Sparten anbieten zu können. Es ist die Stärke der Institution, für die Menschen mit Behinderung verschiedene Möglichkeiten bereit zu haben. Dazu gehört etwa auch der Bereich Hauswirtschaft. Hier werden wie in den anderen Bereichen auch immer wieder junge Menschen ausgebildet. Anders als früher finden sie jedoch kaum mehr Anstellungen in privaten Haushaltungen. «Es findet sich immer eine Nische», sagt Daniel Brunner. Heute seien die Arbeitgeber der jungen Hauswirtschafts-Kräfte andere Institutionen wie etwa Alters- und Pflegeheime oder Industriebetriebe, die für die Liegenschaftenpflege jemanden benötigen.

Auf dem Markt gut etabliert

«Wir haben einige sehr gute Jahre hinter uns und sind nun zum Normalzustand zurück gekehrt», sagt Daniel Brunner. Gerade die Palette der Kindergartenmöbel ist nach wie vor ein tragendes Element der Produktion. Der Wettbewerbsvorteil sei, dass die Möbel vor Ort gefertigt und auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden angepasst werden könnten, führt Daniel Brunner aus. Zudem seien die Modell über einen sehr langen Zeitraum hinweg erhältlich, sodass Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen auch nach Jahren nachrüsten könnten. «Ältere Möbel frischen wir wieder auf und reparieren sie.» Auch das werde von kaum einem Importeur angeboten. Daniel Brunner ist überzeugt: «Der Service, den wir bieten können, macht einen möglichen Preisnachteil wieder wett.»

Ähnliches gilt für die Palette mit den Gartenmöbeln, die nach wie vor sehr gefragt ist. «Das heisst für uns aber nicht, dass wir uns auf dem Erfolg ausruhen können», macht der Geschäftsleiter deutlich. «Es ist Aufgabe unseres Entwicklungs- und Verkaufsteams, hier auf dem Laufenden zu sein und unsere Produkte gut zu präsentieren.» Mit der neuen Technolgie, die jetzt Einzug hält, wird die Wettbewerbsfähigkeit zusätzlich verbessert. «Wir werden in der Lage sein, auch Aufträge zu erledigen, die wir bisher ablehnen mussten.»

Die Wohnformen werden vielfältiger

Eine grosse Entwicklung hat vor einigen Jahren in Sachen Wohnformen eingesetzt. Das ABA kann nun eine positive Bilanz ziehen. Vom Wohnheimplatz bis zum selbstbestimmten Wohnen mit stundenweiser Begleitung wird die ganze Palette angeboten. Vor allem bei jüngeren Menschen sei es wichtig, sie verhältnismässig schnell an das Wohnen ausserhalb des Wohnheims heran geführt würden. «Es macht sich schon nach kurzer Zeit eine gewisse Bequemlichkeit breit», sagt Daniel Brunner. Beim Wohnheim werde quasi ein Vollservice ähnlich jenem in einem Hotel geboten. Die Bewohner haben ihre Zimmer, die sie individuell gestalten können, die aber mit allem Wichtigen ausgestattet sind. Für das Essen und die Zimmerpflege sei gesorgt. «Und es werden immer wieder kostenlose Aktivitäten angeboten.»


Da sei es sehr verlockend, sich quasi fest einzunisten. Durch das externe Wohnen würden die Betroffenen aber wieder an Selbstständigkeit gewinnen. «Das gilt aber nicht nur für die jungen Menschen», blickt Daniel Brunner auf die Entwicklung in den letzten Jahren zurück. Die Öffnung der Wohnsituation habe auch ältere Bewohner dazu animiert, es mit einer anderen Wohnform zu probieren. Dem komme das System mit den verschiedenen Stufen entgegen. Vom Wohnheim geht es in eine grössere Wohngruppe, die extern untergebracht ist.


Der nächste Schritt ist eine kleinere Wohneinheit mit wenigen Bewohnern. Das kann bis zum Bezug einer eigenen kleinen Wohnung gehen. Im besten Fall geht nach einer gewissen Zeit der Mietvertrag für die Wohnung auf den Bewohner über. «Das ist bereits in einigen Fällen gelungen», sagt Daniel Brunner erfreut. Tauchen im Laufe des Prozesses Probleme auf, gibt es immer die Option, ins Wohnheim zurück zu kehren.

Neue Aufträge generiert

Das ABA kann auf ein erfolgreiches Jahr zurück blicken. Bei einem Umsatz von über 11,2 Millionen Franken resultierte ein Jahresgewinn von knapp 78000 Franken. Damit konnte das Vorjahresergebnis leicht übertroffen werden.


Einen schönen Erfolg konnte das ABA bei den Auftragseingängen verzeichnen. So kann das ABA für einen namhaften Schweizer Kältetechnik-Hersteller Holztablare für die exklusiven Weinkühlschränke herstellen. Um die erfolgreiche Tablar-Produktion auch für den Export tauglich zu machen, musste allerdings neue Normen eingehalten werden. Für das ABA hiess das, dass sich die Institution für diesen Bereich neu zertifizieren lassen musste. Um die geforderte Zertifizierung zu erreichen, war eine Nachrüstung unter anderem der Holztrocknungsanlage notwendig, um den Temperaturverlauf zu dokumentieren. Es konnten inzwischen alle Vorgaben für das Zertifikat umgesetzt werden.


Bei der im Frühsommer durchgeführten Jahresversammlung konnten zahlreiche Jubiläen von Mitarbeitern und von Bewohnern und Mitarbeitern gefeiert werden. Seit 60 Jahren im ABA ist der inzwischen pensionierte Bewohner Max Buomberger, seit 40 Jahren arbeiten Mecide Gamba (Gruppenleiterin Küche) und Hans Merk (Leiter Werkstatt) beim ABA und seit 25 Jahren ist Thomas Treichler (Leiter Ausbildung) im Einsatz. (red)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.