Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Das älteste Buch Weinfeldens ist 500-jährig

Im Keller des Bürgerarchivs lagert der wertvollste Schatz: ein kleines Buch mit Rechnungen und Protokollen aus dem 16. Jahrhundert. Es birgt Geheimnisse längst vergangener Zeiten.
Sabrina Bächi
Bürgerarchivar Franz-Xaver Isenring hält das älteste Rechnungs- und Protokollbuch in den Händen. Wegen seines schwarzen Einbandes wird es «Schwarzbüechli» genannt. (Bild: Mario Testa)

Bürgerarchivar Franz-Xaver Isenring hält das älteste Rechnungs- und Protokollbuch in den Händen. Wegen seines schwarzen Einbandes wird es «Schwarzbüechli» genannt. (Bild: Mario Testa)

Der grösste Schatz Weinfeldens ist ganz klein. Ein Buch von etwa 20 Zentimeter Höhe mit einem schwarzen Einband, genannt «Schwarzbüechli» ist der wertvollste Besitz der Bürgergemeinde. Denn es enthält Rechnungen über die Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde Weinfelden ab dem Jahr 1518.

Gut geschützt vor Wasser und Feuer, fristet es zwischen dicken Einbänden ein Leben im Dunkeln des Kellers im Gemeindehaus. Doch zu speziellen Anlässen darf das schwarze Büchlein ins Dachgeschoss, wo die anderen Bücher, Urkunden und Bilder verstaut sind, die aus den früheren Zeiten Weinfeldens berichten.

Gekauft hat das schwarze Büchlein der damalige Säckelmeister, also Rechnungsführer der Gemeinde, Kleinhans Weichlin. Für drei Schilling – das sind etwa sechs Franken – erstand er das Buch mit dem schwarzen Einband 1524. «Damals begann Weichlin mit dem Aufschreiben der Rechnungen aus dem Jahr 1518», sagt Bürgerarchivar Franz-Xaver Isenring.

Diverse Autoren über die Jahrhunderte

Das Buch selbst ist also noch nicht ganz 500-jährig. Die Daten und Geschichten, die darin enthalten sind, aber schon. Es ist das älteste Weinfelder Ratsbuch und umfasst auf 334 Seiten Rechnungen und Protokolle der Gemeinde. Die ersten 76 Seiten des Büchleins hat Kleinhans Weichlin beschrieben. Seine Schrift ist besonders schwer zu lesen.

Rechnungen wurden im «Schwarzbüechli» sorgfältig aufgeschrieben. (Bild: Mario Testa)

Rechnungen wurden im «Schwarzbüechli» sorgfältig aufgeschrieben. (Bild: Mario Testa)

«Die Aufzeichnungen sind aber nicht chronologisch», sagt Isenring. «Auch spätere Schreiber nutzten einfach die erstbeste leere Seite und trugen ihre Rechnungen ein.» Aus buchhalterischer Sicht schlicht ein Chrüsimüsi. Damals jedoch in der Praxis so entstanden. «Me ingnon», also mehr eingenommen, und «me usgen» für mehr ausgegeben, ist im schwarzen Büechli oft zu lesen. Defizit oder Gewinn sind also klar festgehalten.

«Ab dem Jahr 1540 wurde das Buch auch als Protokoll für Ratsbeschlüsse verwendet», erzählt Isenring. Das heisst, es steht darin nicht nur, was die Gemeinde für Ausgaben hatte, sondern welche Beschlüsse sie fasste.

«Das macht es eben auch so wertvoll. Das ‹Schwarzbüechli› ermöglicht einen Blick ins Weinfelden von vor 500 Jahren.»

Was benötigten die Bürger, wofür gab man Geld aus? Das alles steht im Büchlein geschrieben, aber auch, wer etwa zum Messmer ernannt wurde und wo der Wein der Gemeinde lagerte. «Vom Gemeindegarten steht auch viel drin», weiss der Bürgerarchivar. Weinfelden hat also einst einen grossen Garten besessen, den die Gemeinde stückweise an die Bevölkerung vermietete. 1551 wird etwa ein Joseph Bockstorf genannt, der für sieben Gulden ein Stück des Gartens pachtete.

Die «Vier» bestimmten über Weinfelden

Von den «Vierer» ist ebenfalls viel die Rede. Damit sind die vier Ratsherren gemeint, sie lenkten die Geschicke der Gemeinde und entschieden über Beiträge wie etwa über eine Unterstützung der Fischer an deren Fischereisteuer. 1550 beschlossen die «Vier» drei Gulden an die Landessteuer für das Fischereirecht zu zahlen.

«Das Buch ist voller spannender Hinweise und Entscheide», sagt Franz-Xaver Isenring. Er ist ob dem reichhaltigen Wissenschatz, das es enthält, regelrecht fasziniert. «500 Jahre alte Daten, das ist doch wahnsinnig», sagt er und strahlt. Dann bringt er das wertvolle Büchlein zurück in die Dunkelheit des Archiv-Kellers.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.