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Das Abenteuer der Romanshorner Auswanderer ist vorerst zu Ende

Christian und Jessica Grundlehner sind vor über zwei Jahren in Lübeck für unbestimmte Zeit auf grosse Reise gegangen. Jetzt sind sie wieder zurück - nicht ganz freiwillig
Markus Schoch
Ihr Blick auf die Welt hat sich geweitet: Christian und Jessica Grundlehner mit Amyra. (Bild: Andrea Stalder)

Ihr Blick auf die Welt hat sich geweitet: Christian und Jessica Grundlehner mit Amyra. (Bild: Andrea Stalder)

Sie konnten nicht anders. Sie mussten weg. Beide verspürten den unwiderstehlichen Drang, alles hinter sich zu lassen und mehr von der Welt zu sehen. Im Mai 2016 stachen Christian und Jessica Grundlehner mit ihrem 10 Meter langen Stahlschiff «Laya» in See. An Bord war auch ihre damals zweijährige Tochter Amyra.

Die ganze Welt bekam die Familie nicht zu sehen. Auf Lanzarote warf das Ehepaar vor etwas mehr als einem Jahr den Anker und wurde sesshaft. Die Yacht verkauften die Romanshorner. Doch das neue Glück fanden sie nicht auf der Kanarischen Insel vor der Küste Westafrikas.

Es war unmöglich, eine neue Wohnung zu finden

Es lief zwar vieles gut, aber eben nicht alles. Der Vermieter ihres kleinen Hauses in der Nähe von Arrecife stellte die Auswanderer im Mai vor die Tür, weil er selber aus seinen vier Wänden raus musste. Eine neue Bleibe auf der Insel mit ihren rund 140000 Einwohnern zu finden, erwies sich als unmöglich. «Der Wohnungsmarkt ist total ausgetrocknet», sagt Christian Grundlehner.

Sie hatten die Wahl zwischen vielleicht fünf Mietobjekten: Entweder waren sie völlig überteuert oder unglaublich schäbig. Eine Immobilie zu kaufen, kam für die Familie aus diversen Gründen nicht in Frage. Ebenso wenig Lust hatte das Ehepaar, sich irgendwie über die Zeit zu retten.

«Wir kennen jemanden, der ein halbes Jahr von einem Airbnb zum nächsten gezogen ist. Dazu hatten wir keine Lust.»

Vor allem auch deshalb nicht, weil es für Jessica Grundlehner zu stressig gewesen wäre, da sie Ende des letzten Jahres schwanger geworden war.

Auch auf anderen Inseln war es schwierig

Auch auf anderen Inseln war es schwierig Auch Plan B liess sich nicht realisieren. Auf den anderen Kanarischen Inseln war die Situation nicht wesentlich besser und die Entwicklung ungewiss. Ein ähnliches Bild bot sich ihnen in Mallorca, wo sie sich ebenfalls hätten vorstellen können zu leben. Schliesslich entschieden sich die Globetrotter, in die Schweiz nach Romanshorn zurück zu kehren. Auch aus wirtschaftlichen Überlegungen. «Hier haben wir dank stabilen Verhältnissen gute Möglichkeiten, unser Business vorwärts zu bringen», sagt Christian Grundlehner.

Sein Business sind Dienstleistungen und Beratung im Online-Bereich. Er entwickelt mit eigener Firma Lösungen für Webseiten und Webshops und berät seine Kunden in Fragen der Verkaufsstrategie (Onlinemarketing). Zudem übernimmt er Aufträge als Freelancer in diesen Bereichen.

Der Umzug war kompliziert und aufwendig

Der Umzug in die alte Heimat war turbulent. Die beiden entschieden sich, den Hausrat in einem Container mit einem kleinen Lastwagen in die Schweiz zu transportieren. Sie nahmen dafür die Hilfe einer Spedition in Anspruch. Die ganze Organisation war enorm aufwendig und kompliziert. Jessica Grundlehner sagt rückblickend:

«So etwas macht man einmal im Leben und nie wieder.»

Die eigentliche Probleme tauchten allerdings erst auf, als alles erledigt schien. Das Schiff, das den Container aufs Festland bringen sollte, hatte einen Motorschaden und musste zurück nach Lanzarote. All ihr Hab und Gut blieb deshalb lange im Hafen liegen. Geliefert bekamen sie es schliesslich fast acht Wochen nach dem Einzug in die neue Wohnung in Romanshorn - statt wie vereinbart fünf Tage nach Abholung auf Lanzarote.

Zurück bleiben bei den beiden vor allem aber gute Erinnerungen an die letzten zwei Jahre. «Wir haben mega viel gelernt und sind als Paar und Familie zusammen gewachsen.» Sie seien auch offener geworden dank der Begegnungen mit vielen inspirierenden Menschen unterwegs.

«Wir haben gelernt, positiv zu denken»

«Unser Blick auf die Welt ist ein anderer geworden. Wir haben gelernt, positiv zu denken, uns selber zu vertrauen und das zu tun, was wir für richtig halten.» Um nicht in die alten Verhaltensmuster zu verfallen, konsumieren die beiden praktisch keine Medien mehr. Die meisten Informationen würden ihn nicht betreffen und nur davon ablenken, die eigene Persönlichkeit zu entwickeln. «Jetzt habe ich Platz im Kopf für positive Gedanken», sagt Christian Grundlehner.

Seine Frau sieht es genauso. Dank ihnen gehe es ihr heute gesundheitlich so gut wie nie zuvor. Im Moment kreisen die Gedanken der beiden hauptsächlich um das zweite Kind, das noch diese Woche auf die Welt kommen sollte. Zur Ruhe kommen werden sie dadurch vermutlich allerdings nicht. Sobald es ihnen gelungen ist, die Arbeitszeit vom Einkommen zu trennen, wollen sie neue Projekte angehen. Wo auch immer.

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