Darth Vader kam nach Bischofszell

Grosse Klangmassen erfüllten am Sonntagabend die Pelagiuskirche. Elia Bolliger, Urs Itin und Michael Widmer entführten im Rahmen ihres Neujahrskonzerts in die Welt der Filmmusik.

Tobias Bolli
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Elia Bolliger (Horn), Michael Widmer (Orgel) und Urs Itin (Trompete) brachten voluminöse Klänge in die Pelagiuskirche. (Bild: Tobias Bolli)

Elia Bolliger (Horn), Michael Widmer (Orgel) und Urs Itin (Trompete) brachten voluminöse Klänge in die Pelagiuskirche. (Bild: Tobias Bolli)

Es mag eine kleine Konzession an den Publikumsgeschmack gewesen sein: Statt des gewohnten klassischen Programms ertönte am Sonntagabend auch und vor allem Filmmusik in der Pelagiuskirche. «Wir wollen etwas spielen, das den Leuten gefällt», verriet Michael Widmer, der aus Sitterdorf stammt. Doch keineswegs zähneknirschend hatte er sich auf die populären Werke eingelassen.

«Es macht einfach Spass, Filmmusik auf der Orgel zu spielen!»

sagte Organist Michael Widmer. Ganz austoben könne man sich dabei und das Klangpotenzial des Instruments ausschöpfen.

Bevor aber Darth Vader in die gut besetzte Pelagiuskirche einmarschierte, wurde Klassik gespielt. Urs Itin (Trompete), Elia Bolliger (Horn) und Michael Widmer (Orgel) begannen das Neujahrskonzert mit Georg Friedrich Händel. Glanzvoll, feierlich und majestätisch erklang seine Ouvertüre aus der Feuerwerksmusik. Grossartig, wie die Musiker es verstanden, das Heiter-Triumphierende dieses Werks zu transportieren, wie sie es richtiggehend zum Strahlen brachten. Notabene stützten sie sich dabei – wie bei den meisten anderen Stücken – auf ein eigenes Arrangement ab.

Mit Schalk und Vergnügen

Dass Filmmusik mehr zu bieten hat als grosse Gesten und sattes Klangvolumen, bewies das Trio darauf mit «The Rose» von Amanda McBroom. Sehr zart, fast zerbrechlich wirkte die zu Beginn vom Horn nur geflüsterte Melodie, immerzu schien sie in einen Flor aus Melancholie gehüllt. Kein Wunder, dass die Filmproduzenten, die wohl etwas Aufregenderes erwartet hatten, das Stück zuerst als unpassend und langweilig bezeichnet hatten.

Mit dem «Lied an den Mond» huldigten die Musiker, deren Neujahrskonzert bereits das fünfte in Folge markierte, noch einmal dem klassischen Repertoire. Das Stück aus Dvořáks erfolgreichster Oper «Rusalka» drückt den Schmerz der gleichnamigen Nixe aus, der Menschenwelt nicht angehören zu können. Ganz weltverloren klang dementsprechend die Trompete, von der Orgel leise murmelnd begleitet.

Von der Empore wechselten die beiden Bläser danach in den Chorraum und gaben ein witziges Medley zum Besten. Über 26 populäre Melodien hatte der Komponist Kevin McKee in dieses nicht einmal vierminütige Stück verpackt. Itin und Bolliger spielten die Komposition sichtlich mit Schalk und Vergnügen.

Das Orchester aus drei Musikern

Und dann: Das ganz grosse Klangvolumen, Filmmusik, wie man sie sich zu einem Blockbuster vorstellt. Schon die ersten Klänge zu Jurassic Park liessen vor dem inneren Auge eine Insellandschaft entstehen. Man sah, wie Saurier – turmhoch und majestätisch – darauf herumziehen. Da das Trio wieder auf der Empore waltete, konnte man sich als Verursacher dieser Klangmassen eigentlich nur ein Orchester vorstellen.

Zum Schluss und als Höhepunkt ertönte der «Imperial March» aus Star Wars. Darth Vader war gekommen. Und obschon er nicht unbedingt in eine Kirche passte, dankte man den Musikern den gewaltigen Sound, den sie scheinbar mühelos hervorbrachten. Das Publikum war begeistert. Fast alle erhoben sich und spendeten Beifall, bis das Trio wieder im Chorraum angekommen war. Als Zugabe gab es noch – ganz klassisch – eine Passage aus Dvořáks Neunten.