Daniel Sommer will Stadtpräsident von Romanshorn werden und in der Stadt zuerst einmal einen Gang runter schalten

Im Interview spricht der 52-Jährige Kunststofftechniker aus Bonaduz über den Verkehr in der Klemme, Sparpotenzial und seine Rolle als Querdenker.

Markus Schoch
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Daniel Sommer in der Friedhofallee, die für ihn einen der schönsten Plätze in Romanshorn ist. (Bild: Reto Martin)

Daniel Sommer in der Friedhofallee, die für ihn einen der schönsten Plätze in Romanshorn ist. (Bild: Reto Martin)

Daniel Sommer, Sie präsentieren sich den Wählern als Macher. In Romanshorn solle nicht nur geplant, sondern auch umgesetzt werden, sagen Sie. Wie soll das gehen? Romanshorn muss sparen.

Machen bedeutet nicht, dass man alles immer sofort umsetzen muss. Man muss einen Plan haben in Bezug auf die Zeitachse und die Finanzierbarkeit.

Diese Pläne gibt es.

Sie sind vorhanden. Aber ich habe den Eindruck, man sollte sie besser strukturieren und die Sachen herauspicken, die man im Prinzip heute umsetzen kann, weil sie wenig kosten. Und dann gibt es Sachen, die viel kosten, die man vielleicht später macht, wenn das der Wunsch ist. Und dann wird es sicher auch Sachen haben, die man besser streicht, weil wir sie uns nicht leisten können oder sich keine Mehrheit dafür findet.

Das ist Theorie. Wie sieht die Praxis aus? Also welche Projekte würden Sie möglichst schnell umsetzen wollen?

Bevor ich eine Idee umsetzen kann, muss ich mir klar darüber werden, wie es finanziell aussieht. Wo stehen wir, welche Möglichkeiten haben wir, uns zu bewegen oder etwas einzusparen? Erst dann kann ich zusammen mit dem Stadtrat entscheiden, wie das Vorgehen ist. Am Schluss muss dann auch noch die Bevölkerung ins Boot geholt werden.

Das war wieder Theorie. Wie sieht es konkret aus? Können Sie zwei Projekte mit hoher Priorität benennen?

Ich würde zuerst einmal einen Gang runter schalten. Es geht jetzt nicht darum, so viele Projekte wie möglich zu realisieren, sondern es geht darum, eine Lagebeurteilung zu machen und zu sehen, wo Romanshorn steht. Das Tempo ist doch gar nicht hoch. Ich sehe, dass Romanshorn nach vorne geht. Es sind ja auch Projekte vorhanden, beispielsweise die Passerelle. Wir müssen schauen, ob wir das Ganze nicht nach hinten schieben oder ganz auf die Seite legen können, um dafür etwas anderes in die Hand zu nehmen.

Was?

Ich möchte Luft schaffen. Hin und wieder hat man den Eindruck, Romanshorn wird zugedrängt. Der Verkehr ist so stark kanalisiert und verkompliziert worden, dass es völlig ruhig geworden ist. Es braucht eine Öffnung – und keine Verbote. Und das Zweite, das mir sehr wichtig ist, sind die Finanzen, die wir in den Griff bekommen müssen. Vor acht Jahren hatten wir einen schönen Batzen auf der Seite, in der Zwischenzeit sind wir in einem kräftigen Minus, das sich in den nächsten Jahren sogar noch akzentuieren soll. Darüber muss man sich Gedanken machen: Wie bringen wir die Sache wieder ins Lot? Ich höre einfach immer, es gebe viele Projekte, die überrissen seien, beispielsweise der Bahnhofplatz.

Wie beurteilen Sie die finanzielle Situation von Romanshorn?

Sie ist momentan sehr, sehr schlecht. Wir haben auf der einen Seite hohe Schulden und auf der anderen Seite einen hohen Steuerfuss, der meiner Meinung nach das absolute Maximum sein muss. Man sollte ihn im Gegenteil senken können. Nicht zuletzt auch wegen der Schulen, die wachsen können sollen.

Die Stadt will sparen und hat auch ein entsprechendes Massnahmenpaket geschnürt. Reicht das nicht?

Es reicht nicht. Es ist zu wenig konsequent. Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft. Jede einzelne Ausgabe sollte hinterfragt werden. Ich habe den Eindruck, es wird momentan da und dort auch am falschen Ort gespart.

Was ist der falsche Ort und welches wäre der richtige?

Ich kann nicht alles auflisten, was gut oder schlecht ist. Für mich ist eines wichtig: Wir müssen alle Finanzen aufdecken und analysieren und uns dann überlegen, wo wir sparen können. Jedes Ressort ist gefordert. Wir werden uns Ziele setzen müssen für das Jahr 2020. Das ist ein längerer Prozess. Mein Ziel ist es, Schulden abzubauen.

Wo sehen Sie Sparpotenzial?

Sicher im Bereich Verwaltung. Wenn ich höre, dass man ein papierloses Büro geschaffen hat, ist das zwar eine sehr schöne Sache, aber in der aktuellen Situation nicht nötig. Dann denke ich auch an all die Planungen, die uns sehr viel Geld kosten. Die Frage ist: Müssen wir das jetzt machen? Was wir nicht dürfen ist, bei den Mitarbeitern sparen.

Die SVP-Mitglieder entscheiden nächste Woche, wer ihr Kandidat fürs Stadtpräsidium ist. Leiter des Wahlkomitees Ihres Konkurrenten Roger Martin ist SVP-Vorstandsmitglied Urs Köppel. Und er ist nicht der Einzige in Ihrer Partei, der sich für den Mann aus Salmsach starkmacht. Keine guten Aussichten.

Grundsätzlich ist es ein politischer Prozess. Es muss wachsen. Ich durfte mich dem Vorstand vorstellen, der dann das weitere Vorgehen festgelegt hat. Jetzt können die Mitglieder entscheiden, ob sie mich unterstützen wollen oder nicht.

Wer sind Ihre Fürsprecher in Romanshorn?

Ich habe einerseits meine Familie, die hinter mir steht. Andererseits gibt es mir zugewandte Personen, die mich unterstützen, aber sich im Moment noch nicht outen wollen. Warum nicht? Das ist deren Sache. Ich mache niemandem Vorschriften.

Mit SVP-Vorstandsmitglied Urs Martin sollen Sie sich gut verstehen.

Wir haben vor Jahren zusammen einen Grossrats-Wahlkampf bestritten. Wir kennen uns sehr gut, das ist richtig.

Wer mehr über Sie wissen will, erfährt auf den sozialen Medien nicht viel. Auch eine eigene Homepage haben Sie im Unterschied zu Ihren Konkurrenten nicht. Haben Sie Werbung in eigener Sache nicht nötig?

Ich mache Werbung in eigener Sache. Es gibt einen Flyer und eine Webseite, die ich seit Jahrzehnten habe. Ich habe sie nicht gefunden. Man findet sie momentan auf Google tatsächlich nicht. Ich bin auch auf Instagram, Facebook und LinkedIn. Ich bin auch in Romanshorn sehr viel unterwegs. Ich bin mir aber bewusst, dass ich Gas geben muss.

Von Ihren Konkurrenten sieht man seit ein paar Tagen überall Plakate an den Strassen, von Ihnen bis jetzt kein einziges.

Es gibt noch keines. Aber ich gebe Gas, auf meine Art.

Ihre Motivation zur Kandidatur ist, den Romanshornern eine Auswahl zu bieten. Diese hätte die Bevölkerung auch ohne Sie. Jetzt sind es einfach vier Personen statt drei. Warum braucht es einen dritten bürgerlichen Kandidaten? Damit die Wähler eine richtige Auswahl haben. Worin unterscheiden Sie sich von David H. Bon in den wesentlichen Positionen?

Ich will mich nicht mit David H. Bon vergleichen. Das muss der Wähler machen.

Sie wollen sich auch nicht mit Roger Martin vergleichen, dem zweiten bürgerlichen Mitbewerber?

Nein. Wie gesagt: Mir sind die Finanzen und Mitarbeiter sehr wichtig, denen ich Luft verschaffen will. Ich sehe mich als Querdenker, der Ideen aufnimmt und sich mit den betreffenden Personen bespricht.

Sie wohnen in Bonaduz und fühlen sich nach eigenen Worten mit Romanshorn verbunden. Tatsächlich haben Sie aber zuerst Ihre Fühler nach Arbon ausgestreckt und sondiert, ob dort eine Kandidatur als Nachfolger von Andreas Balg in Frage käme. So wie es aussieht, wollen Sie einfach irgendwo Stadtpräsident werden.

Nein, das ist nicht richtig. Ich habe einen sehr guten und interessanten Job. Die Herausforderungen reizen mich aber, Stadtpräsident zu werden. Ich habe das Gefühl, mitzubringen, was wichtig ist. In Arbon habe ich sehr schnell gemerkt, dass es nicht das Richtige für mich war. Es war aber der Ausgangspunkt, dass es überhaupt in Romanshorn zu Diskussionen gekommen ist. Ohne Arbon kein Romanshorn? Arbon war das Fünklein. Ich bin immer davon ausgegangen, Romanshorn hat einen Stadtpräsidenten und die Findungskommission wird gute Kandidaten präsentieren. Das war bei mir immer so im Kopf.

Und jetzt treten Sie an. Sind die Kandidaten der Findungskommission nicht gut?

Ich will nicht sagen, dass sie schlecht sind, überhaupt nicht. Aber der unternehmerische und wirtschaftliche Faktor fehlt.

Im Stadtrat wird es viele Wechsel geben. Kann es sich Romanshorn leisten, einen neuen Stadtpräsidenten zu wählen, der von aussen kommt und relativ viel Zeit brauchen wird, um in die Gänge zu kommen?

Leisten kann man es sich. Ich bin so fit und ich weiss, wie eine ­Behörde funktioniert, von den Schulen her. Ich kann aus Er­fahrung sehr schnell in einem solchen Amt wirken. Es ist auch die Chance für einen Neuanfang.

Das sagt Daniel Sommer zum Stichwort...

Bunkerwiese: Sollte man so frei wie möglich halten.

David H. Bon: Amtierender Stadtpräsident.

Parkplatzbewirtschaftung: In Ortschaften, wo das Verkehrsaufkommen gross ist.

Zentrum mit Herz: Das Herz fehlt mir zum Teil. Am Herzen muss wieder gearbeitet werden.

Kulturhaus: Ein Kulturhaus ist immer eine gute Sache. Es sollte aber privat finanziert werden.

Campus: Finde ich wichtig. Denn Schulen bedeuten Bildung, und Bildung hat eine grosse Bedeutung. Gerade in Romanshorn mit der Kanti.

Mehrzweckhalle: Ein Ersatz für den Bodansaal ist wichtig. Er fehlt den Romanshornern. Die Frage ist, wie sie finanziert werden könnte. Das wird die grosse Knacknuss sein. Die Stadt hat das Geld dazu nicht.