«Da sind wir gestanden im Bett»: So hat eine Hefenhofer Familie den Hühnerwagen-Unfall erlebt

In Brüschwil hat ein Autofahrer in der Nacht auf Samstag einen Stall gerammt und fünf Hennen getötet. Und dann kam auch noch der Fuchs.

Sheila Eggmannn
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Tobias Brühlmann vor dem kaputten Hühnerstall.

Tobias Brühlmann vor dem kaputten Hühnerstall.

Andrea Stalder

Das war keine ruhige Nacht. Nicht für die 135 Legehennen im Stall der Hefenhofer Familie Brühlmann und auch nicht für deren Besitzer.

Doch angefangen hat der Abend wie jeder andere: Lukas, der jüngste Sohn der fünfköpfigen Familie, bringt die Hühner in den mobilen Stall. Er füttert und streichelt sie und trägt einige Hennen sogar einzeln zu ihrem Schlafplatz.

Etwa um halb ein Uhr nachts kommt sein Bruder Tobias von der Arbeit nach Hause. Der Rest der Familie schläft bereits. «Dann habe ich ein lautes Pfeifen gehört», sagt Tobias. Scheinwerferlicht strahlt direkt in sein Zimmer. Daraufhin folgt ein lauter Knall. «Da sind wir gestanden im Bett», sagt seine Mutter Sonja Brühlmann. Auch der Rest der Familie wacht sofort auf.

Er hat die Kurve nicht geschafft

Doch was ist passiert? Ein junger Autolenker, von Dozwil herkommend, hat die Kurve nicht geschafft. Der Mann fährt über die Gegenfahrbahn, durch den Hühnerzaun, rammt einen mobilen Hühnerstall und kommt schliesslich neben einem Apfelbaum zum Stehen.

Das Glück des Fahrers: Er kommt ohne Schramme davon. Das Glück der Familie Brühlmann: Die meisten Hennen überleben den Aufprall, weil sie auf ihrem erhöhten Stängeli geschlafen haben. Doch fünf sterben am selben Abend, zwei weitere am Tag darauf. Das ist aber noch nicht alles.

Diese Hühner sind mit einem blauen Auge davongekommen.

Diese Hühner sind mit einem blauen Auge davongekommen.

Andrea Stalder

Nach dem Unfall sind die übrigen 128 Hennen verteilt im ganzen Dorf, bis zur Turnhalle Sonnenberg. «Eines hat sich unter dem Unfallauto versteckt und dort gerade noch ein Ei gelegt», sagt Tobias. Doch die meisten haben sich irgendwo in einer Wiese hingesetzt und wohl einfach weitergeschlafen. Vom lauten Aufprall aufgeschreckt, ist das halbe Dorf aufgestanden und hat den Landwirten geholfen, die Hennen wieder einzusammeln und in ihren Ersatzstall zu befördern.

Ein Nachbar regelt spontan den Verkehr. Auch zwei Männer, die in einer benachbarten Bar waren, gesellen sich dazu. Eine Person ist gar extra mit dem Auto stehen geblieben, um zu helfen. Doch dann kam auch noch der Fuchs: «15 Hennen haben wir bis heute nicht gefunden. Aber einige Federn am Boden», sagt Stefan Brühlmann.

Die Hennen wechseln jede Woche den Standort

Für die Landwirte ist die Nacht nicht einfach zu verarbeiten. «Das war schon ein Schock für uns», sagt Sonja Brühlmann. Die Familie hat mit dem Verkauf von Freilandeiern erst kürzlich begonnen, die Hühner haben sie sich Anfang Mai zugetan. «Das Geschäft ist gerade schön angelaufen.» Sie sei zwar froh, dass es keine Verletzte gegeben hat. «Aber es ist schon traurig.» Denn sie hätte bereits eine Beziehung zu den Tieren aufbauen können. Sonja Brühlmann sagt:

«Alle Hennen einzeln kennen wir zwar nicht, aber die Auffälligen. Ein Braunes zum Beispiel, weil das immer über den Zaun springt»

Vor allem Sohn Lukas hat eine enge Beziehung zu den Tieren. Sein Lieblingshuhn habe den Vorfall glücklicherweise überlebt. «Man hat schon mehr eine Bindung zu Hundert Hühnern, als wenn man einen 5000er-Stall hätte und die Eier auf dem Förderband daherkommen», sagt Stefan Brühlmann. «Das ist bei uns nicht das Gleiche. Hier musst du alles von Hand machen.» Das Wohl der Tiere liegt ihm am Herzen, der mobile Stall wird extra jede Woche verschoben, damit die Hennen frisches Gras haben.

Der Unfallfahrer hat sich entschuldigt

Stefan Brühlmann hat sich anfangs Sorgen gemacht, dass die Hühner verstört sein könnten und keine Eier mehr legen würden. «Das war aber nicht so, denen geht es heute bereits wieder gut», sagt der 46-Jährige. Sie hätten bereits am nächsten Morgen wieder normal gefressen. «Wahrscheinlich haben sie das ganze gar nicht realisiert oder bereits wieder vergessen.»

Auch sie selbst wollen mit dem Fall abschliessen. Geholfen dabei hat, dass der Unfallfahrer am Montag vorbeigekommen ist und sich persönlich entschuldigt hat. «Er hat gefragt, ob er helfen soll, den Stall aufzuräumen», sagt Sonja Brühlmann.

«Das war eine schöne Geste, das braucht Mut.»

Ausserdem will die Familie doch etwas Positives sehen: Etwa, dass so viele Nachbarn extra aufgestanden sind und geholfen haben. «Es ist schön, dass man hier zusammenhält.»

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