«Da gibt es nichts schönzureden»: Arboner Feuerwehrkommandant tritt nach persönlichem Fehlverhalten per sofort ab

Wegen persönlichem Fehlverhalten sieht sich der Feuerwehrkommandant von Arbon, Hans Schuhwerk, gezwungen, seinen Posten aufzugeben.

Rosa Schmitz
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Der 61-jährige Hans Schuhwerk war über 40 Jahre bei der Arboner Feuerwehr.

Der 61-jährige Hans Schuhwerk war über 40 Jahre bei der Arboner Feuerwehr.

Bild: PD

Hans Schuhwerk tritt nach 14 Jahren an der Spitze der Arboner Feuerwehr überraschend zurück, und zwar per sofort. «Ich habe einen Fehler gemacht und muss, als jemand in einer Führungsposition, nun dazu stehen», sagt der Kommandant. Ins Detail geht er allerdings nicht. Und auch die Stadt wird nicht konkret. In einer Mitteilung vom Mittwoch schreibt sie lediglich, dass Schuhwerk aus persönlichen Gründen sein Amt zur Verfügung stelle. Der Stadtrat habe seine Entscheidung zur Kenntnis genommen und danke ihm für die geleisteten Dienste.

«Überrascht sind wir darüber natürlich nicht – wir haben ihn dazu ermutigt», sagt Stadtpräsident Dominik Diezi. Es sei alles sehr schnell gegangen. Am Freitag ist der Stadtrat auf ein persönliches Fehlverhalten von Hans Schuhwerk aufmerksam gemacht worden. Relativ rasch danach wurde der Feuerwehrkommandant zu einem Gespräch eingeladen und anschliessend gebeten, über seinen Rücktritt nachzudenken.

Dominik Diezi, Arboner Stadtpräsident.

Dominik Diezi, Arboner Stadtpräsident.

Bild: Andrea Stalder

«Wir werden die Einzelheiten des Ereignisses nicht öffentlich bekanntmachen. Aber ich kann sagen, dass der Fehler gross genug war, dass wir keinen anderen Weg gesehen haben, um fortzufahren», sagt Diezi.

Schon über 40 Jahre bei der Feuerwehr

Schuhwerk erklärt, an seinem Verhalten gebe es nichts schönzureden. Der 61-Jährige, der auch als Hafenmeister arbeitet, ist schon über 40 Jahre bei der Feuerwehr.

«Ich soll für viele ein Vorbild sein. Ich darf einen solchen Fehler nicht machen.»

Daher müsse er sein Schicksal akzeptieren. Auch wenn es bitter sei: Aufhören wollte er erst übernächstes Jahr.

Schuhwerk hat beschlossen, an den guten Erinnerungen festzuhalten. Eine seiner schönsten: seine 60. Geburtstagsfeier. Kurz nach Mitternacht wurde er aus dem Bett gerissen. «Grossbrand in Arbon, der Jumbo steht in Flammen!», hiess es. Vor der Haustüre wartete bereits Vizekommandant Raphael Heer auf seinen Chef und brachte ihn im Einsatzleitfahrzeug zur Brandstätte. Doch statt auf einen brennenden Baumarkt traf Schuhwerk auf 85 Angehörige der Stützpunktfeuerwehr, Vertreter der Stadtregierung, Freunde und Bekannte. «Ich bin sehr selten sprachlos, doch an dem Tag war ich es wieder einmal.»

Führung übernimmt Manuel Britschgi

Trotz der schwierigen Lage, in die er sich manövriert hat, ist Schuhwerk sehr dankbar. Vor allem für die Kameradschaft seiner Mannschaft: «Ohne deren Unterstützung hätte ich die harte Arbeit nie überlebt», sagt er. Besonders auf ihre Leistungen im Dienst sei er stolz. Alle Einsätze – und es seien viele gewesen – seien unfallfrei verlaufen. «Und ich bin zuversichtlich, dass es so bleiben wird.» Die Führung der Feuerwehr übernimmt interimistisch der bisherige stellvertretende Kommandant Manuel Britschgi.

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