Curling
Im Kreuzfeuer der «Chiflers»: Wie ein Thurgauer Coach des berühmtesten Schweizer Curling-Duos wurde

Der Weinfelder Peter Hartmann coacht diese Woche an der Mixed-WM in Aberdeen das Schweizer Paar Jenny Perret/Martin Rios. Die beiden Curler des CC Glarus sind bekannt dafür, dass sie während der Partien miteinander streiten. Es ist kein Zufall, dass eine der Stärken von Hartmann die Deeskalation ist.

Matthias Hafen
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Jenny Perret (rechts) und Martin Rios pflegen auf dem Eis einen harschen Umgang untereinander.

Jenny Perret (rechts) und Martin Rios pflegen auf dem Eis einen harschen Umgang untereinander.

Alexandra Wey/Keystone (12. Februar 2018)

Wenn die Scheinwerfer angehen, dann tritt Peter Hartmann gerne einen Schritt zurück. So, dass er wieder im Schatten steht. Dem 41-jährigen Weinfelder gefällt die Arbeit im Hintergrund. Das Rampenlicht überlässt er gerne anderen. Zum Beispiel dem Schweizer Curling-Duo Perret/Rios. Die beiden nehmen in dieser Woche an der Mixed-WM in Aberdeen, Schottland, teil. Nicht als irgendwer, sondern als Weltmeister von 2017.

Peter Hartmann wurde vor zwei Jahren angefragt, ob er seine Freunde Jenny Perret und Martin Rios coachen will.

Peter Hartmann wurde vor zwei Jahren angefragt, ob er seine Freunde Jenny Perret und Martin Rios coachen will.

Einem breiten Publikum bekannt geworden sind Jenny Perret und Martin Rios an den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang. Auf dem Weg zur Silbermedaille fielen die beiden als Duo mit harschem Umgangston auf, erhielten den Übernahmen «Chiflers» in Anlehnung an das gleichnamige Komikerduo Walter Andreas Müller und Ursula Schaeppi.

Deeskalation ist seine Stärke

Doch auch die «Chiflers» brauchen einen Ruhepol. Genau hier kommt Hartmann ins Spiel. Der Thurgauer gehört seit zwei Jahren zum Trainerstab von Perret/Rios. «Jenny und Martin sind sehr emotionale Spielertypen», sagt er. «Deshalb haben sie einen wie mich gesucht.» Einen, den kaum etwas aus der Ruhe bringen kann. Aus seiner Arbeit als Sprachlehrer bei Integrationskursen am BBZ Weinfelden sei er es zudem gewohnt, deeskalierend einzuwirken. Eine Gabe, die ihm nun auch in der Zusammenarbeit mit Perret/Rios zugutekommt.

Hartmann kennt das beste Schweizer Mixed-Duo schon seit über 20 Jahren. Der Präsident des CC Thurgau ist selber ein bekannter Mixed-Curler. Sein Palmarès beschränkt sich abgesehen von der Teilnahme an der Universiade 2007 jedoch auf nationale Wettkämpfe. Gegen Martin Rios hat Hartmann schon als Junior gespielt. Durch die lange Bekanntschaft mit den «Chiflers» sei deren Umgangston auf dem Eis längst nichts mehr Aussergewöhnliches für ihn. Man habe schon versucht, explizit auf das Streiten miteinander zu verzichten. Prompt blieb der Erfolg aus. Hartmann sagt:

«Perret/Rios funktionieren nur so. Sie brauchen diese ganz bestimmte Energie im Spiel.»

Dass Perret und Rios früher auch privat ein Paar waren, macht die Sache knifflig.

Ein Abenteuer mit klarem Ziel Olympiagold

Manchmal gerät auch Peter «Peju» Hartmann ins Kreuzfeuer der beiden. «Dann helfe ich, die unmittelbaren, zwischenmenschlichen Differenzen abzufedern», sagt der Coach. «Meine Hauptaufgabe ist es, dass sich Jenny und Martin voll auf ihren Job auf dem Eis konzentrieren können.» Seinen Einfluss auf das routinierte Duo des CC Glarus schätzt Hartmann realistisch ein. Er sagt:

«Meine Meinung ist ihnen wichtig. Doch eigentlich drehe ich an kleinen Rädchen.»

Im Curling ist das Coaching höchstens während eines Time-outs erlaubt. Die grösste Arbeit für die Trainer fällt beim Briefing vor dem Spiel und beim Debriefing danach an. Jedoch ist auch das nicht ohne.

«Ich habe gewusst, dass der Trainerjob intensiv wird», sagt Hartmann, der als Lehrer fast ein 100-Prozent-Pensum abdeckt. «Aber ich konnte mir nicht vorstellen, was alles dazugehört.» An der WM in Aberdeen ist nebst Hartmann auch noch Nationalcoach Stefan Meienberg dabei. Den gesamten Trainerstab von Perret/Rios komplettieren Theo Schneider, ein Mentalcoach und ein Physio.

Was für den 41-jährigen Weinfelder als Freundschaftsdienst begonnen hat, ist zu einem Abenteuer mit fixem Ziel geworden. «Wir arbeiten auf Olympiagold hin», sagt Hartmann. Dass er das Coaching zu seinem zweiten Standbein ausbaut, kann er sich nicht vorstellen. «Es ist mittlerweile ein grosser Bestandteil meines Lebens. Einer, der mich erfüllt. Aber ich glaube nicht, dass dies einmal mein Beruf werden wird.»

Die Mixed-WM im Curling dauert noch bis am Sonntag. Informationen unter www.worldcurling.org.

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