Coronakrise
Coiffeur statt Frisör: Wegen des deutschen Lockdowns lassen sich viele Konstanzer in Kreuzlingen die Haare schneiden

Zum Coiffeur über die Grenze: Weil in Konstanz die Coiffeursalons aufgrund der deutschen Coronaregeln geschlossen bleiben, lassen sich viele Konstanzer auf der Schweizer Seite die Haare schneiden.

Judith Schuck
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Rita Tassone schneidet einem Kunden den Bart.

Rita Tassone schneidet einem Kunden den Bart.

Bild: Kevin Roth (Kreuzlingen, 18. Februar 2021)

Wer die deutschen Nachrichten schaut, dem fällt sicher gleich auf: Angela Merkel, Markus Söder und Co. hätten dringend mal wieder einen Haarschnitt nötig. Wer ohnehin im Homeoffice ist, geniesst den Laisser-faire-Look vielleicht, aber vielen wird die lange Mähne auf Dauer doch lästig. Obwohl nicht ganz im Sinne der Grenzpolitik, die unnötige und touristische Grenzgänge momentan vermieden haben möchte, sind in den letzten Wochen doch vermehrt Konstanzerinnen und Konstanzer zu den Kreuzlinger Coiffeuren gekommen, trotz der höheren Preise.

Konstanzer leisten sich das volle Programm

Nina Bär ist Coiffeuse in einem Friseursalon in Kreuzlingen und bestätigt dies: «Es sind auf jeden Fall viel mehr Deutsche bei uns als sonst.» Pro Tag seien es sicher zwei bis zehn Kunden von ennet der Grenze. Zwar würden auch sonst immer mal wieder Konstanzerinnen zu ihnen kommen, aber nicht in dieser Grössenordnung.

Rita Tassone ist Inhaberin des Salons Coiffure Tassone in der Hauptstrasse. Sie beobachtet, dass derzeit neben Konstanzerinnen auffällig viele Herren zu ihnen kommen. «Es geht nicht nur um den Haarschnitt. Für die Konstanzer Kundschaft machen wir auch Strähnchen, Färben, alles, was wir im Angebot haben.» Sie findet die Entwicklung positiv und hofft, dass die eine oder der andere auch wiederkommt, wenn drüben die Friseure wieder öffnen. Beim Coiffure Giger gibt es ebenfalls mehr zu tun. Joria Pagnoncini sagt:

«Wir merken schon, dass in Konstanz die Coiffeure zu haben. Es kommen massiv mehr Leute von dort zu uns.»

Sie zählt im Schnitt zwei bis drei deutsche Kunden pro Tag, die unter normalen Umständen wohl nicht zu ihnen kämen. «Es gibt aber natürlich auch viele Deutsche, die hier wohnen, und zu unserer Stammkundschaft gehören.» Am 1. März dürfen laut deutschem Bundesbeschluss als Erstes die Friseure wieder praktizieren. Absagen gab es deshalb beim Coiffure Giger noch keine: «Die meisten rufen bei uns relativ spontan an für einen Termin.»

Wie viele Deutsche bleiben treu?

Die Inhaberin von Golden Gate Hair Design, Therese Schroeder-Moll, ist gar nicht überrascht, dass sich die Zeitung bei ihr meldet. Sogar die ARD habe sie schon kontaktiert. Schroeder sieht allerdings bereits einen kleinen Rücklauf zur Vorwoche:

«Es sind etwas weniger Anrufe geworden, seit klar ist, dass die deutschen Friseure im März wieder öffnen dürfen.»

Aber auch sie hatte in letzter Zeit viel mehr Kundschaft aus Konstanz. «Es lief alles sehr gut, ich kann mich nicht beklagen», sagt sie. «Für uns ist es nur gut. Ich habe die Termine so gelegt, dass es nie zu viel wurde.» Und wer weiss, vielleicht bleibe ihnen auch der ein oder andere Konstanzer erhalten.