Corona verhindert schwarze Null: Statt im Plus zu landen erwartet die Stadt Romanshorn für 2021 ein Defizit

Das Virus hat Romanshorn einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Steuereinnahmen sind zurückgegangen. Darum wird im Budget fürs nächste Jahr mit einem Minus von 160'700 Franken gerechnet.

Sheila Eggmann
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«Wir konnten die Gesamtkosten stabilisieren», sagt Stadtpräsident Roger Martin zu den Sozialhilfekosten.

«Wir konnten die Gesamtkosten stabilisieren», sagt Stadtpräsident Roger Martin zu den Sozialhilfekosten.

Bild: Donato Caspari

Eigentlich sah es gut aus für die Stadt Romanshorn. Doch dann kam Corona. Das Virus hat dem Zahlensalat der Stadt wortwörtlich einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und zwar bei den Steuereinnahmen; dort reduziert sich der Ertrag im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich um fünf Prozent. Dies sowohl bei den natürlichen als auch bei den juristischen Personen. Heisst konkret: Der Stadtrat rechnet damit, dass ihm im kommenden Jahr rund 600'000 Franken an Steuereinnahmen fehlen. Als Folge budgetiert er ein Defizit von 160'700 Franken bei unverändertem Steuerfuss von 72 Prozent.

Eigenkapital schmilzt

(shi) Die Romanshorner haben es in der Hand: Bei der Abstimmung vom 27. September entscheiden sie, ob die städtische Pensionskasse an jene des Kantons angeschlossen wird oder nicht.
Beide Varianten haben Auswirkungen auf das Eigenkapital, welches Anfang 2020 rund 7,3 Millionen betrug: Bei einem Nein bildet die Stadt Rückstellungen von 8,4 Millionen, weitere könnten in den Folgejahren dazukommen. Bei einem Ja zahlt die Stadt einmalig zwischen sieben und zehn Millionen Franken aus dem Eigenkapital.

Stellt man die Zahlen gegenüber, stellt man fest, dass die Stadt ohne Virus im Plus gelandet wäre.

«Die Zahlen machen deutlich, dass das Minus nicht von einem strukturellen Problem her rührt»,

sagt Stadtpräsident Roger Martin. Insgesamt habe die Stadt beim Budget wenige Puffer einberechnet. Es sei als ehrgeizig einzustufen.

Budgetprozess war schwerer als sonst

Der Budgetprozess sei wegen Corona schwieriger gewesen: «In ungewissen Zeiten sind langfristige Planungen besonders anspruchsvoll», wird Roger Martin in einer Mitteilung der Stadt zitiert. Die Auswirkungen, nicht nur beim Steuerertrag, sondern etwa auch bei den Sozialkosten, seien schwer abschätzbar.

Bei den Sozialhilfekosten rechnet die Stadt mit leicht rückläufigen Zahlen.

«Wir konnten die Gesamtkosten stabilisieren»,

sagt Martin. Zusammen mit den individuellen Prämienverbilligungen würden sie jedoch beträchtliche 25 Steuerprozente oder rund fünf Millionen Franken betragen, heisst es in der Mitteilung weiter. Steigend sind die Langzeitpflegekosten. Für den Bereich Gesundheit sind rund zwei Millionen Franken vorgesehen.

Die Stadt investiert in das Gemeindehaus

«Trotz Corona haben wir die Möglichkeit, die Stadt weiterzuentwickeln», sagt Martin. «Das ist wichtig.» Bei den Investitionen plant die Stadt rund 2,7 Millionen Franken ein. Darunter fällt ein Projektierungskredit für die Sanierung des Gemeindehauses für 200'000 Franken. Im selben Posten ist ein Betrag von rund 1,2 Millionen Franken für die Gemeindestrassen und die Parkplatzbewirtschaftung eingestellt, 120'000 Franken wiederum sind für die Sanierung von Bushaltestellen und Wartehäuschen eingeplant.

Weitere grosse Brocken sind einerseits der Projektierungskredit für die Erneuerung der Seeuferbefestigung von 200'000 Franken und andererseits Investitionen in die Infrastruktur von Abwasser und Abfallentsorgung von 682'000 Franken.

Das detaillierte Budget ist ab morgen Samstag abrufbar unter www.romanshorn.ch/budget. Die Kurzfassung wird Mitte Oktober in alle Haushalte versandt.

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Das Ergebnis ist eine Punktlandung. Das Budget sah ein Defizit von 88'000 vor. Effektiv beträgt dieses nun rund 64'000 Franken.  Allerdings wäre das Resultat deutlich besser ausgefallen, hätten nicht umfangreiche Rückstellungen gebildet werden müssen. Die Stimmberechtigten werden erst im November über die Jahresrechnung befinden können.