Fragen & Antworten
Corona-Update für den Thurgau: Zwölf Strafanzeigen wegen Verstosses gegen die Meldepflicht +++ Noch kein Grossanlass bewilligt +++ 358 Personen in Quarantäne

Das Coronavirus beschäftigt die Welt und den Thurgau weiterhin. Die Thurgauer Zeitung hat einige aktuelle Fragen aufgegriffen und Antworten gesucht.

Sebastian Keller
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Ein Plakat weist auf das tragen von Masken beim Check-In Schalter am Flughafen Zürich.

Ein Plakat weist auf das tragen von Masken beim Check-In Schalter am Flughafen Zürich.

Bild: Ennio Leanza / KEYSTONE

Seit dem 1. Oktober sind Anlässe mit über 1000 Teilnehmer wieder erlaubt. Allerdings sind sie bewilligungspflichtig. Wie viele Grossanlässe hat der Kanton bereits bewilligt?

«Wir haben im Kanton Thurgau bisher noch kein Gesuch für Grossveranstaltungen über 1000 Personen bewilligt», schreibt Miriam Hetzel vom kantonalen Informationsdienst auf Anfrage. Es sei ein Gesuch eingegangen, aber über dieses wurde noch nicht entschieden.

Wer ist Bewilligungsbehörde?

Das Generalsekretariat des Departementes für Justiz und Sicherheit, schreibt Hetzel.

Für kleinere Veranstaltungen müssen Organisatoren gegenüber dem Kanton eine Erklärung abgeben, dass sie ein Schutzkonzept haben. Wie funktioniert dieses Instrument?

Seit August gingen beim Kanton über 2500 Meldungen ein, schreibt Miriam Hetzel. Mit diesem Instrument scheint man zufrieden zu sein. Weil es einerseits einen Überblick über die im Thurgau stattfindenden Veranstaltungen und deren Umfang gebe. Damit gemeint ist beispielsweise die ungefähre Anzahl Personen. «Zudem sind stichprobenweise Kontrollen so besser möglich», schreibt die Informationsbeauftragte. Der Kanton hat per Mitte September die Fachstelle für die Koordination und Kontrolle des Vollzugs der Covid-19-Verordnungen des Bundes geschaffen. Stelleninhaberin ist Beatrix Kesselring, vormalige Gemeindeschreiberin Sirnachs. Sie ist direkt Gesundheitsdirektor Urs Martin unterstellt. Die Stelle ist befristet.

Wie sehen die aktuellen Fallzahlen im Thurgau aus?

Bis Donnerstag wurden dem Kanton insgesamt 734 bestätigte Coronafälle gemeldet, wie der Kanton auf Twitter mitteilt. Das sind neun mehr als am Vortag. In Isolation befinden sich aktuell 38 Personen, sie haben nachweislich Corona. Im schweizweiten Vergleich sind die Thurgauer Zahlen noch einigermassen tief. So liegt die Anzahl positiv getesteter Personen im Thurgau bei 2,63 pro 1000 Einwohner; in der Schweiz liegt der letzte verfügbare Wert bei 6,17.

Wie viele Personen befinden sich aktuell in Quarantäne?

Auch diese Zahl nennt der Kanton auf Nachfrage: 358. Es handelt sich um 114 Kontaktpersonen, die sich potenziell bei einem Infizierten angesteckt haben könnten. Weiter sind 244 Reiserückkehrer in Quarantäne. Diese sind aus einem sogenannten Risikogebiet wie etwa Wien zurückgekehrt.

Der Aargau hat 371 Rückkehrer aus Risikoländern gebüsst, weil sie ihrer Meldepflicht nicht nachgekommen sind. Gibt es das auch im Thurgau?

Ja. Bisher wurden zwölf Strafanzeigen gemacht, heisst es beim Kanton. Gebüsst wurde noch niemand, da die Verfahren noch laufen.

Wie hoch könnte eine solche Busse ausfallen?

Bis zu 10000 Franken, heisst es beim Kanton. Grundlage dafür ist das Epidemiengesetz.

Im Kanton Zürich wurde ein Mann mit 2000 Franken gebüsst, weil er in der Quarantäne spazieren ging. Gab es solche Bussen auch im Thurgau?

Auf Anfrage teilt der Kanton mit, dass es noch keine solchen Bussen gab.

Ist Corona auch ein Thema in der Thurgauer Politik?

In der Tat. Bislang gingen zehn Vorstösse mit Bezug zum Coronavirus ein, wie ein Blick in die Datenbank zeigt. Sieben hat der Regierungsrat beantwortet. Ausstehend ist beispielsweise noch die Antwort auf den Antrag «Entschädigung Coronakrise» aus der Feder von SP-Kantonsrat Jacob Auer (Arbon).

Noch keine Bussen im Kanton St.Gallen

Im Kanton St. Gallen wurden bislang noch keine Personen gebüsst, die sich nicht an die Meldepflicht nach einer Rückkehr aus einem Risikoland gehalten haben. Das gibt der Kanton auf Anfrage bekannt. Mit Stichproben werde aber geprüft, ob sich eine Person nach der Rückkehr auch tatsächlich in Quarantäne befindet. «Grundsätzlich gilt: Falls sich eine Person nicht an die bestehenden Auflagen hält, wird eine Busse ausgestellt», schreibt der Kanton. Die Anzahl Reiserückkehrer bewegt sich derzeit zwischen 500 und 600 Personen. «Daraus schliessen wir eine hohe Selbstdisziplin der St. Galler Bevölkerung», hält der Kanton weiter fest. Bis gestern verzeichnete St. Gallen laut Kantonswebsite 1675 laborbestätigte Coronafälle, das sind 32 mehr als am Vortag. (al)