Corona lässt die Kelterer leiden: Die Scherzinger Weinkellerei Rutishauser muss rund ein Viertel ihres Personals abbauen

Der Wandel im Weinmarkt und die Auswirkungen der Pandemie zwingen den über 130-jährigen Traditionsbetrieb, seine Strukturen anzupassen. Bis zu acht Stellen müssen abgebaut werden, bis zu 14 Mitarbeitende sollen ihr Pensum reduzieren.

Urs Brüschweiler
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Lager der Weinkellerei Rutishauser: Die Wein-Nachfrage in den Gastronomiebetrieben sank stark.

Lager der Weinkellerei Rutishauser: Die Wein-Nachfrage in den Gastronomiebetrieben sank stark.

(Bild: Andrea Stalder - 22.6.2020)

Wenn die Restaurants zu sind, bekommen das auch ihre Lieferanten zu spüren. Das Geschäft der Weinkellerei Rutishauser sei gastronomielastig, erklärt Geschäftsführer Carlo Reato. Und wenn die Betriebe die Weine nicht mehr abnehmen, wird es eng für das Scherzinger Traditionsunternehmen.

Die Weinkellerei sieht sich nun gezwungen Personal einzusparen. «Bis zu acht Stellen müssen abgebaut werden, bis zu 14 Mitarbeitende sollen ihr Pensum reduzieren», heisst es in einer Mitteilung. Heute hat der Betrieb 61 Mitarbeiter. Der Geschäftsführer hält fest:

Carlo ReatoGeschäftsführer Rutishauser Weinkellerei AG, Scherzingen

Carlo Reato
Geschäftsführer Rutishauser Weinkellerei AG, Scherzingen

(Bild: PD)
«Wir bedauern den nötigen Stellenabbau zutiefst und werden alles daran setzen, diesen so gering wie möglich zu halten. Bisherige Massnahmen zur Senkung der Kosten haben leider keine nachhaltige Entspannung der Situation gebracht.»

Im Dialog mit den Mitarbeitern

Zurzeit läuft ein Konsultationsverfahren. Die Mitarbeiter können Vorschläge und Ideen einbringen, bis Ende August wolle man Klarheit schaffen über die Massnahmen, die umgesetzt werden. «Wir wollen soviel wie möglich über Pensumsreduktionen lösen», betont Reato. So behalte man die Leute und das Know-how im Haus, wenn wie erhofft bald wieder bessere Zeiten kommen. Wann das sein wird, kann Reato aber nicht sagen.

«Die gesamte Branche leidet und
wir wissen nicht, wie lange noch.»

Neben dem Personalbestand sorgen auch die Weinlager für Kopfzerbrechen. Im Juni wurde bekannt, dass die Weinkellerei Rutishauser einigen Winzern die Traubenernte nicht abnehmen kann. «Wir wollen fair sein und haben frühzeitig kommuniziert, dass wir nicht alles, was derzeit in den Reben wächst, verwerten können. Auch wenn wir das gerne würden», sagt Reato.

Die Rutishauser Weinkellerei AG in Scherzingen.

Die Rutishauser Weinkellerei AG in Scherzingen.

(Bild: Andrea Stalder - 22.6.2020)

Die Kelterei und der Vertrieb der Weine laufen zwar weiter, allerdings eben reduziert und der Nachfrage und dem bestehenden Lagerbestand angepasst.

«Wir passen uns dem Markt an oder
sonst entscheidet der Markt über uns.»

Deshalb ist der Geschäftsführer überzeugt, den richtigen Entscheid getroffen zu haben und die Strukturen anzupassen. Während der Coronazeit habe man zwar durchaus im Onlinehandel und über den Handel über die Grossverteiler zulegen können. Die stark sinkende Nachfrage bei der Gastronomie habe man damit aber bei weitem nicht kompensieren können. «Wir machen das alles nicht ohne Not.»

Fokus auf Ostschweizer Weine

In der schwierigen Phase setze die Weinkellerei Rutishauser voll auf das Heimatgeschäft. Mit neuen Ostschweizer Marken soll es wieder aufwärtsgehen. Unterstützung erhalte man auch durch die Muttergesellschaft, die französische InVivo-Gruppe, von der man in der Krise sehr profitieren könne, wie der Geschäftsführer betont.

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