Corona-Krise: Arboner Politiker rufen zum Gebet

Politiker aller Couleur haben sich in Arbon zusammengetan und ein Corona-Gebet ausgesucht. Sie rufen ihre Mitbürger dazu auf, in dieser Krisenzeit zu beten. Initiant der Aktion ist Kantonsrat Andrea Vonlanthen. Er hat sich mit dem Virus infiziert.

Annina Flaig
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Jemand faltet die Hände zum Gebet.

Jemand faltet die Hände zum Gebet.

Alessandro Della Bella / KEYSTONE

Nach dem Morgenessen falten Andrea und Marianne Vonlanthen die Hände und sprechen zu Gott. Jeden Tag. «Jetzt in der Corona-Krise umso mehr», sagt der überzeugte Christ und SVP-Politiker. Theoretisch sitzt er noch bis Ende April im Grossen Rat. Aktuell sitzt er allerdings zu Hause in Arbon. In Quarantäne. Er und seine Frau haben seit Samstag Gewissheit: Der Corona-Test von Marianne Vonlanthen war positiv.

Andrea Vonlanthen, SVP-Kantonsrat aus Arbon.

Andrea Vonlanthen, SVP-Kantonsrat aus Arbon.

Thi My Lien Nguyen

Der 72-Jährige hat praktisch keine Symptome

«Ich wurde nicht mehr getestet», sagt der 72-Jährige. Er trage das Virus mit grosser Wahrscheinlichkeit ebenfalls in sich. Allerdings habe er bis jetzt praktisch keine Symptome. Seine Frau hingegen leide seit längerer Zeit an Halsweh, Husten und extremer Schlappheit. Am Telefon betont er:

«Wir wollen kein Aufsehen um unsere persönliche Betroffenheit machen. Wir sind zwei von weltweit extrem vielen Menschen, die gegen dieses Virus kämpfen.»

Im Thurgau sind offiziell 81 Personen an Covid-19 erkrankt (Stand: 23. März). Vonlanthens sind zwei davon. «Es geht nicht um uns.» Seine Frau und er hätten in den letzten Wochen mit vielen Leuten telefoniert. «Die Verunsicherung ist gross.» Deshalb ruft der Initiant der lokalen Bettagsfeier zusammen mit einem erweiterten Bettagsfeier-OK aus neun Arboner Politikern unterschiedlicher Couleur alle Mitbürger zum Beten auf. «Gerade auch in Zeiten der Krisen und der Angst kann beten eine grosse Hilfe sein, ganz nach dem Leitsatz: Not lehrt beten.»

Köbi Auer (SP), Roman Buff (EVP), Dominik Diezi (CVP), Urs Gähwiler (FDP), Judith Huber (EVP), Patrick Hug (CVP), Myrta Lehmann (CVP) und André Mägert (XMV) haben das leicht gekürzte Gebet des Innsbrucker Bischofs Hermann Glettler ausgewählt (siehe Kasten). In einem Brief hatte auch dieser die Gläubigen kürzlich aufgerufen, in diesen Wochen mehr zu beten.

Vonlanthen selbst hat Tage voller Emotionen hinter sich und sagt: «Es ist brutal.» Er habe keine Angst vor dem Virus. Aber grossen Respekt. «Ich habe Gottvertrauen. Ich glaube daran, dass wir da hindurchgetragen werden, und dass wir Hilfe von Gott erhalten, jetzt, wo wir sie suchen.»

Das ausgesuchte Gebet

Herr, Du Gott des Lebens,

betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu Dir. Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist und bitten um Heilung für alle Erkrankten. Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden. Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie und allen Pflegenden Kraft in dieser extremen Belastung. Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.

Wir danken Dir für alle Frauen und Männer, die gewissenhaft die Versorgung und Infrastruktur unseres Landes aufrechterhalten. Wir beten für alle, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden. Wir beten für alle, die grossen materiellen Schaden erleiden oder befürchten.

Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen, sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben. Stärke die Herzen der alten und pflegebedürftigen Menschen, berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit, dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.

Von ganzem Herzen flehen wir, dass die Epidemie abschwillt und dass die medizinischen Einrichtungen und Ressourcen den aktuellen Anforderungen gerecht werden können. Wir beten, dass die Zahlen der Infizierten und Erkrankten zurückgehen. Und wir beten dafür, dass in allen Bereichen bald wieder Normalität einkehren wird.

Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen. Lass uns nie vergessen, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist. Ja, wir sind sterbliche Wesen und können nicht alles kontrollieren. Du allein bist Ursprung und Ziel von allem, Du allein bist ewig, immer liebend. Dein Heiliger Geist bewahre unsere Herzen in der Dankbarkeit.

Getragen von Deinem tiefen Frieden werden wir die Krise bestehen. Jesus, Du Herr und Bruder aller Menschen, Deine Gegenwart vertreibt jede Furcht, sie schenkt Zuversicht und macht unsere Herzen bereit, offen und aufmerksam füreinander zu sein. Wir danken dir für deine Gegenwart, deine Liebe und deine Güte.
Amen

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