Als Corona den Alltag umkrempelte: Amriswiler Schulmuseum zeigt eine Ausstellung zum Thema Homeschooling

Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Schweiz gestalten mit ihren Beiträgen in Wort und Bild die aktuelle Ausstellung im Schulmuseum Mühlebach.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Ausstellungsbesucher sehen sich an, wie Schülerinnen und Schüler Lockdown und Homeschooling erlebt haben.

Ausstellungsbesucher sehen sich an, wie Schülerinnen und Schüler Lockdown und Homeschooling erlebt haben.

Bild: Yvonne Aldrovandi-Schläpfer (Amriswil, 16. August 2020)

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, hatte der Bundesrat am 13. März entschieden, dass in der ganzen Schweiz an Schulen aller Stufen kein Präsenzunterricht mehr stattfinden darf. Als Ersatz wurde ein adäquater Fernunterricht angeboten.

Bereits eine Woche später rief das Schulmuseum Mühlebach Schüler der Volksschule im ganzen Land auf, ihren Arbeitsplatz und den Schulalltag während der Homeschooling-Zeit zu dokumentieren. Idee und Konzept für das Projekt stammen von Yvonne Joos und Frauke Dammert, zwei Mitgliedern des Betriebsteams des Schulmuseums.

Mehr als 700 Einsendungen

Die Kinder und Jugendlichen wurden aufgefordert, ein Bild auf ein A4-Blatt zu zeichnen oder ihre Lernsituation in mindestens 300 Worten zu beschreiben. Die insgesamt 733 Einsendungen sind ein wichtiger Beitrag zur Geschichte in einer aussergewöhnlichen Zeit.

«Das Coronavirus hat meinen gewöhnlichen Alltag völlig umgekrempelt. Dabei kann ich nicht einmal sagen, ob mir die Veränderungen gefallen oder nicht. Meiner Meinung nach beschreibt der folgende Satz die jetzige Lage: Man merkt erst, wie wichtig etwas ist, wenn man es verliert.» Mit diesen Worten beginnt der Text einer Oberstufenschülerin einer dritten Klasse, welcher an der Ausstellung zu sehen ist.

Einblicke ins Privatleben gewährt

Gemäss der Wettbewerbsausschreibung wurden 14 Bilder und elf Texte mit einem Büchergutschein prämiert. Sie sind im Schulmuseum Mühlebach ausgestellt. Alle anderen Werke werden an der Ausstellung jeweils auf eine Leinwand projiziert.

«Wir sind überwältigt von so vielen Einsendungen. Die Schülerinnen und Schüler haben in einer hochsensiblen Phase sehr private Einblicke gewährt. Alle Teilnehmenden sind Gewinner, denn ihre Arbeiten sind wichtige Zeitdokumente», sagte Frauke Dammert, Mitinitiantin des Projekts, in ihrer Begrüssung.

Chefbeamter lobt Eltern und Schüler

«Nach dem Bundesratsentscheid mussten innert drei Tagen Lehrgänge und Computerprogramme erarbeitet werden. Auch den Eltern und Kindern wurde vieles abverlangt. Selbstorganisation und Eigenverantwortung wurden von heute auf morgen zum Thema. Die meisten Kinder haben diese Phase zusammen mit ihren Eltern erfolgreich und höchst anerkennenswert gemeistert», sagte Beat Brüllmann, Chef des Amts für Volksschule des Kantons Thurgau, in seiner kurzen Ansprache an der Vernissage.

Der Amtschef gratulierte allen, die sich am Wettbewerb beteiligt hatten, und bedankte sich bei den Organisatoren für die gute Idee und den Elan, diese umzusetzen.

Frühere Lehrerin ist beeindruckt

Annemarie Rüber-Baumann besuchte am Sonntag die Sonderausstellung «#ZUHAUSEMACHTSCHULE». «Ich habe früher als Lehrerin in diesem ehemaligen Schulhaus gearbeitet und auch hier rund drei Jahre gewohnt. Ich bin stolz darauf, dass ich eine Zeit lang in diesem geschichtsträchtigen Haus leben durfte. Es ist toll, dass aus diesem Gebäude dann ein Schulmuseum gemacht wurde», sagte die Besucherin aus Frauenfeld.

Das Schulmuseum Mühlebach ist ab sofort wieder jeden Mittwoch und Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Die Sonderausstellung dauert bis Sonntag, 13. Dezember 2020.